Aktuell: Frischer Wind über dem Taufbecken

Kassel (medio). Den Täufling im Leben begleiten können jetzt neben den Paten auch Taufzeugen. Also Menschen, die nicht in der Kirche sind. Dies hat die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) in der neuen Taufagende beschlossen. Erarbeitet wurde sie von der Liturgische Kammer der Landeskirche.

Paten zu finden, wird schwieriger

Eltern finden heute schwieriger Paten für ihr Kind. Deshalb haben sie sich von den Pfarrerinnen und Pfarrern gewünscht, dass auch Nicht-Kirchenmitglieder bei der Taufe mitwirken können – als ‚Taufzeugen‘ geht das jetzt, erklärt Lars Hillebold, der Vorsitzende der Liturgischen Kammer der EKKW. In vielen Gemeinden gehen die Pfarrerinnen und Pfarrer schon auf diesen Wunsch ein. Die neue Taufagende rechtfertigt ihn nun theologisch. Die Patenschaft habe keinen biblischen Ursprung, begründet Hillebold die Möglichkeit, neben Paten auch Taufzeugen einzubeziehen. Stattdessen sei sie ein Brauchtum, das bis in die frühchristliche Zeit zurückreiche. Dabei versorgt der Pate den Täufling, sollten die Eltern früh versterben, und hilft bei der christlichen Erziehung.

Kirche möchte sich öffnen

Ein positives Signal in die Gesellschaft möchte die EKKW auf diese Weise setzen, da nun mehr Menschen bei einer Taufe mitwirken können. «Es geht um eine Einladung, nicht um eine Zulassung», sagt Hillebold. So soll es keine Hürden mehr geben, sich an einer Taufe zu beteiligen, sofern sich die Tauffamilie das wünscht. Denn schließlich komme es darauf an, der Familie ein schönes Tauf-Erlebnis zu schenken und «das Kind Gott vorzustellen», ergänzt Hillebold.  

2023-03-02 37274

Neue Taufagende der EKKW
Frischer Wind über dem Taufbecken

Frischer Wind über dem Taufbecken
Wichtiges Symbol: Unser Foto zeigt einen Tisch mit Taufkerzen bei einem Tauffest. (Foto: medio.tv/Aumann)

Kassel (medio). Den Täufling im Leben begleiten können jetzt neben den Paten auch Taufzeugen. Also Menschen, die nicht in der Kirche sind. Dies hat die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) in der neuen Taufagende beschlossen. Erarbeitet wurde sie von der Liturgische Kammer der Landeskirche.

Paten zu finden, wird schwieriger

Eltern finden heute schwieriger Paten für ihr Kind. Deshalb haben sie sich von den Pfarrerinnen und Pfarrern gewünscht, dass auch Nicht-Kirchenmitglieder bei der Taufe mitwirken können – als ‚Taufzeugen‘ geht das jetzt, erklärt Lars Hillebold, der Vorsitzende der Liturgischen Kammer der EKKW. In vielen Gemeinden gehen die Pfarrerinnen und Pfarrer schon auf diesen Wunsch ein. Die neue Taufagende rechtfertigt ihn nun theologisch. Die Patenschaft habe keinen biblischen Ursprung, begründet Hillebold die Möglichkeit, neben Paten auch Taufzeugen einzubeziehen. Stattdessen sei sie ein Brauchtum, das bis in die frühchristliche Zeit zurückreiche. Dabei versorgt der Pate den Täufling, sollten die Eltern früh versterben, und hilft bei der christlichen Erziehung.

Kirche möchte sich öffnen

Ein positives Signal in die Gesellschaft möchte die EKKW auf diese Weise setzen, da nun mehr Menschen bei einer Taufe mitwirken können. «Es geht um eine Einladung, nicht um eine Zulassung», sagt Hillebold. So soll es keine Hürden mehr geben, sich an einer Taufe zu beteiligen, sofern sich die Tauffamilie das wünscht. Denn schließlich komme es darauf an, der Familie ein schönes Tauf-Erlebnis zu schenken und «das Kind Gott vorzustellen», ergänzt Hillebold.  

Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis der neuen Agende verrät, wie vielfältig die Formen einer Taufe sein können. (Foto: Lars Hillebold)

Weitere Änderungen im Taufverständnis

In der neuen Taufagende wurde außerdem darauf geachtet, dass Taufen auch im Freien etwa bei Tauffesten stattfinden können. Die alte Taufagende aus den 70er Jahren hingegen geht davon aus, dass in der Kirche am Taufbecken getauft wird; so wie es damals üblich war. Das hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Zum Beispiel auch durch die Corona-Zeit, wo häufig draußen und im kleinen Kreis getauft worden ist.  So sind auch neue Tauforte entstanden, wie zum Beispiel der eigene Garten. Diese Vielfalt über dem Taufbecken bildet die neue Taufagende ab: Aus einem dünnen 35-seitigen Band in den 70ern wurde so ein über 300 Seiten dickes Buch, das die unterschiedlichen Taufformen liturgisch entwickelt. 

Die Taufe steht 2023 besonders im Fokus

Im Jahr 2023 lädt die Evangelische Kirche an vielen Orten besonders dazu ein, die Taufe neu zu entdecken - mit Tauffesten und kleinen und großen Aktionen zur Taufe und Tauferinnerung. Auch dabei werden die Inhalte der neuen Agende zum Einsatz kommen. Erste Termine für Tauffeste stehen in Kurhessen-Waldeck schon fest:

Im Evangelischen Kirchenkreis Schwalm-Eder:
In Melsungen wird es am 29. Mai 2023 (Pfingstmontag) ein Tauffest um 11 Uhr im Schlosspark geben. Auskünft eund Anmeldung beim Evangelischen Dekanat Melsungen, Tel.: (05661) 2191, E-Mail: dekanat.melsungen@ekkw.de
 
Im Evangelischen Kirchenkreis Marburg:
Der Kooperationsraum Ebsdorfer Grund+ plant am 4. Juni 2023 ein großes Tauffest am Burgteich in Rauischholzhausen. Auskünfte beim Evangelischen Dekanat Marburg, Tel.: (06421) 30 40 38 0, E-Mail: dekanat.marburg@ekkw.de
 
Im Evangelischen Kirchenkreis Hersfeld-Rotenburg:
Am 25. Juni 2023 wird es um 10.30 Uhr an der Linde in Schenklengsfeld ein großes Tauf- und Lindenblütenfest mit den Pfarrerinnen aus dem Kirchspiel Schenklengsfeld geben. Auskünfte beim Kirchenbüro des Kooperationsraums Werratal-Landecker, Tel.: (06624) 1549, E-Mail: kirchenbuero.hersfeld-ost@ekkw.de
 
Im Evangelischen Kirchenkreis Werra-Meißner:
Das Kirchspiel Herleshausen-Nesselröden lädt mit dem Kirchenkreis am Sonntag, 25. Juni 2023 um 11 Uhr in Herleshausen zum Tauffest ein. Ansprechpartnerin ist Pfarrerin Katrin Klöpfel, Information und Anmeldemöglichkeit per Tel.: (05654) 389 oder E-Mail an: pfarramt.nesselroeden@ekkw.de

Hintergrund: Was ist eine Agende?

Eine Agende ist ein Gesetz einer Landeskirche, dass den liturgischen Rahmen für die kirchlichen Handlungen bestimmt. Um es beschließen, ist eine Zweidrittel-Mehrheit in der landeskirchlichen Versammlung - der Synode - nötig. Zuvor wurde die Agende in den Synoden der Kirchenkreise thematisiert. Außerdem wurde sie von Gastlesern aus anderen Kirchen geprüft. Die Taufagende regelt neben dem Ort und den beteiligten Personen auch den liturgischen Ablauf des Taufgottesdienstes und gibt an, wie die Taufhandlung ablaufen muss, damit sie gültig ist. Letztmalig überarbeitet wurde die Taufagende vor knapp 50 Jahren. Beschlossen wurde die neue Taufagende während der Herbstsynode 2021. (17.02.2023, Text: Nico Mader/red)


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