Thema: Ein Gottesdienstentwurf für Pfingsten

Sicher wird es ein kurzer Gottesdienst sein, den Sie auch in diesem Jahr an Pfingsten feiern. Pfarrerin Margit Zahn von der Arbeitsstelle Gottesdienst der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat einen Entwurf vorbereitet, der erzählend den Predigttext aus Genesis 11 aufnimmt und ihn unter dem Stichwort «einander verstehen» mit der Pfingstgeschichte verknüpft. Der Gottesdienst kann zuhause gefeiert werden, in der Kirche oder auch digital.

2021-05-18 33036

«Einander verstehen»
Ein Gottesdienstentwurf für Pfingsten

Ein Gottesdienstentwurf für Pfingsten

Sicher wird es ein kurzer Gottesdienst sein, den Sie auch in diesem Jahr an Pfingsten feiern. Pfarrerin Margit Zahn von der Arbeitsstelle Gottesdienst der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck hat einen Entwurf vorbereitet, der erzählend den Predigttext aus Genesis 11 aufnimmt und ihn unter dem Stichwort «einander verstehen» mit der Pfingstgeschichte verknüpft. Der Gottesdienst kann zuhause gefeiert werden, in der Kirche oder auch digital.

«Einander verstehen»

Musik

Wenn die Abstände in der Kirche oder draußen es zulassen, kann währenddessen der Altar von Kindern / Konfirmand*innen mit Blumen und Zweigen festlich geschmückt werden.
Wenn der Gottesdienst über Zoom stattfindet wird, kann ein üppiger Blumenstrauß im Hintergrund stehen.

Begrüßung

Votum und kurze freie Begrüßung

Lied: Komm, Heilger Geist (eg+ 34)

Psalm 118 (Zwei Personen im Wechsel)
 I:    Dies ist der Tag, den der Herr macht.
Lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.
II:     O Herr, hilf!
O Herr, lass wohlgelingen. 
I:     Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!
Wir segnen euch vom Hause des Herrn.
II:    Der Herr ist Gott, der uns erleuchtet.
I:     Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!
II:     Du bist mein Gott, und ich danke dir;
Mein Gott, ich will dich preisen.
I:          Danket dem Herrn, denn er ist freundlich, 
und seine Güte währet ewiglich.
I und II sprechen gemeinsam: Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

Gebet 
Gütiger Gott, 
Du kommst in deinem Geist.
Das brauchen wir.
Das feiern wir.
Lass ihn durch unsere Häuser wehen,
durch unsere Straßen,
durch unser Land,
und überall auf der Erde.
Dann werden wir 
einander verstehen, tiefer verstehen
in dem, was uns unterscheidet 
und was uns verbindet 
im Geist deines Sohnes. Amen.

Lesung: Apostelgeschichte 2, 1-8 
Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.
Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer? Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?  (Basisbibel)

Lied: Atem des Lebens (eg+  20)

Predigt
Hand in Hand arbeiten sie. Die einen tragen Steine. Andere fügen die Steine zusammen.  Manche rühren Mörtel an. Alle wissen, was zu tun ist, viele Worte brauchen sie nicht. Sie haben einen Plan: Hoch soll ihr Bauwerk werden! Immer höher. Ob sie Angst haben, dass sie sonst nicht bestehen und einfach untergehen? Ob sie mögliche Feinde schon von weitem ausmachen wollen? Oder ob Ihr Bau andere schon von Weitem beeindrucken soll? Jedenfalls treibt ihr gemeinsames Ziel sie an. Hoch und höher wird ihr Turm. 

Bis Gott wie von oben eingreift und sich ihr Bauwerk genauer ansieht.
So erzählt es die Bibel in der Geschichte vom Turmbau zu Babel. Plötzlich sorgt Gott für Verwirrung. Eine Sprachverwirrung. Ich stelle mir das so vor: Der eine sagt: bau hinten weiter, der andere versteht es falsch, fängt vorne an. Die Mauern werden schief, bröckeln ab. Am Ende weiß keiner, was oben und unten ist. Sie sprechen keine gemeinsame Sprache mehr für ihr großes Projekt und verlieren einander aus den Augen. 

Im Moment arbeiten viele bei uns aneinander vorbei. Die einen organisieren Impfungen, aufwändig und kompliziert mit Wartezeiten. Wer darf zuerst dran kommen? Wer ist besonders gefährdet? Die andern organisieren Demonstrationen auf der Straße, um gegen die Impfungen zu protestieren. Die einen sprechen von Intensivstationen, die andern von Impfdiktatur.  Dabei entzweien sich Kollegen und Freundinnen. Eltern und Kinder sehen mitunter sehr unterschiedlich, was jetzt richtig ist. Eine versteht nicht mehr, wovon der andere spricht. 

In den Augen der einen «babbeln» die jeweils andern dummes Zeug - fast wie in Babel. Dort will Gott nicht länger zusehen, dass diese eingeschworene Gemeinschaft ihren tollen Turm baut, ohne nach rechts und links zu schauen. Er führt Fremdsprachen ein. Auch jenseits von Babel leben ja Menschen. Vielleicht sprechen sie anders, sehen sie die Welt anders. Aber sich von ihnen abgrenzen, sie in allem überragen wollen, schützt das eigene Leben auf Dauer nicht. Das Ziel bleibt auf diese Weise so unerreichbar wie der Himmel. Dorthin ragt kein Turm.

Vor einem Jahr an Pfingsten schienen die Allermeisten in unserem Land noch an einem Strang zu ziehen mit einem gemeinsamen Ziel. Es ging darum, Menschen vor einer schweren Erkrankung zu schützen. Distanz halten war schwer.  Aber das Virus schien besiegbar mit all unsern Anstrengungen. Deutschland stand so gut da im internationalen Vergleich! Der Turm des deutschen Gesundheitssystems schien nicht zu wackeln, allen Befürchtungen zum Trotz. Aber dann entstand der Wettstreit um den Impfstoff (in den letzten Monaten). Wer kann am meisten davon an Land ziehen? Sollte es tatsächlich Chile sein? Und dann bricht sich das Virus auch dort wieder Bahn. Nie zuvor ist uns auf der ganzen Welt so stark vor Augen geführt worden, dass wir in einem globalen Dorf leben. Dass Abschotten nicht geht und Mauern nicht helfen.

Mit dem Turmbau zu Babel haben sich die Menschen übernommen.
Darum ist Gott eingeschritten.  Sich überheben wollen, unbesiegbar sein wollen – darauf liegt kein Segen! Bausteine für gelungenes Leben sehen anders aus! Jedenfalls sahen das diejenigen so, die sich diese Geschichte zuerst erzählt haben – wie in einem Rückblick auf ihre Ur-Anfänge in der Welt. Vom Turmbau zu Babel erzählen sich Menschen, die schon viel Lebenserfahrung mitbringen. Sie wissen, dass sich das Leben längst unterschiedlich entwickelt hat. Und dass diese Vielfalt etwas braucht, was miteinander verbindet. Eher Brücken als Türme! Menschen sprechen viele Sprachen. Und so hat Gott sich das offenbar auch vorgestellt. Aber niemand braucht Angst zu haben, deshalb in der Welt verloren zu gehen. Das Türmebauen ist gar nicht nötig – aber Brücken, die sind gefragt!

Heute feiern wir Pfingsten. Das zweite Pfingstfest, bei dem wir einander nicht besuchen können. Nur im allerengsten Kreis können wir uns treffen. Bevor ich mich mit jemand verabrede, sprechen wir darüber, wie die vergangenen Wochen waren, wie viele Menschen wir gesehen haben, ob wir schon geimpft sind, welcher Raum infrage kommt. Und die Sorge, uns anzustecken, trifft auch die Gottesdienste. Auch dort, wo Gottesdienste in den Kirchen möglich sind, treffen sich oft nur wenige. Die Angst hat sich in jedem Winkel der eigenen vier Wände fest eingenistet.  Sie lässt den Kreis klein werden, dabei ist die Sehnsucht nach Weite so groß. Nach Begegnung! Nach Gesprächen, ohne sich immer selbst zu wiederholen. Auch danach, einfach die Hand eines Menschen wieder zu berühren. Sie zu ergreifen und ihre Wärme zu spüren.

Pfingsten: Die Jüngerinnen und Jünger Jesu sind in Jerusalem, alle zusammen in einem Haus. Keiner verlässt den Raum, kein Fremder darf eintreten. Eine geschlossene Gemeinschaft. Bloß jetzt kein Risiko eingehen!
Sie waren Jesus nachgefolgt. Ein ganz neues Leben hatten sie mit ihm angefangen, spannend und intensiv. Nun ist er nicht mehr da. Gestorben, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist er.
Das müssen sie erstmal verkraften, auch um ihren Glauben und ihre Hoffnung nicht zu verlieren. Zusammenhalten, dichthalten wollen sie.
Und dann kommt es über sie. Als wäre er da, den sie nicht mehr berühren können. Als wäre er leibhaftig da. Und sie fangen an zu sprechen. Der Geist löst ihre Zunge, sie sprechen in Sprachen, die ihnen eigentlich fremd sind. Verrückt ist das. Aber es geht. Plötzlich geht es. Sie werden verstanden. Parther, Meder, Elamiter… eine bunte Gemeinschaft. Alle hören sie in ihrer Muttersprache. 

Pfingsten 2021: Afghaninnen und Amerikaner, Chinesinnen und Deutsche verstehen einander und werden verstanden in dem Wunsch nach Leben. Nach Luft zum Atmen. Nach Berühren und Berührtwerden ohne Angst. Der Geist kommt an unsern Ort. Und dieser Geist macht ansprechbar auf Geschichten, auf Lieder: Gott gab uns Atem. Und will, dass wir weiter atmen. Gott hat uns die Sprache gegeben, um einander zu verstehen. Gott gab uns Hände, um zu handeln. Es ist als wäre er da. Dieser eine, in dessen Sinn wir glauben und leben. Der hat ja keine Berührungsängste. Sogar mit Leuten, die ganz anders denken und glauben, spricht er. Um zu verstehen, was grade los war. Berührend ist das. Es löst die Ängste und es löst die Zunge.
Pfingsten: Mit Händen können wir einander immer noch nicht wieder sorglos berühren. Aber einander in dem Wunsch danach verstehen. Und Hand in Hand dazu beitragen, dass wir leben.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unser Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen.

Lied: Gott gab uns Atem (EG 432)

Fürbitten
(auswählen oder je nach Situation ergänzen)

Komm, Heiliger Geist!
Komm zu denen,
die ihre Lieben vermissen
und die Lust am Leben verlieren.
Komm, Heiliger Geist,
mit deiner Kraft!

Komm zu denen,
die für andere sorgen,
die ihre Pflicht tun,
und dabei selbst Fürsorge brauchen.
Komm, Heiliger Geist,
mit deiner Liebe.

Komm zu denen,
die überall feindliche Mächte sehen,
die sie bekämpfen müssen
mit Worten und mit Taten.
Komm, Heiliger Geist,
mit deiner Besonnenheit.

Komm zu denen,
die täglich mit ihren Ideen
und mit ihren Händen
dafür arbeiten,
dass diese Erde erhalten bleibt.
Komm, Heiliger Geist,
mit deiner Kraft.

Komm zu denen,
die in diesen Tagen
viel entscheiden müssen,
abwägen und aushalten.
Komm, Heiliger Geist,
mit deiner Besonnenheit.

Komm du zu denen,
die nicht mehr wissen,
wie sie morgen ihr Brot verdienen sollen,
Komm, Heiliger Geist,
mit deiner Kraft.

Komm zu uns,
und nimm dich unser an
in allem, was wir dir jetzt in der Stille anvertrauen.

Du bist hier, Heiliger Geist,
bleibe bei uns.

Vater Unser
Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich          
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen. 

Lied: Du Heilger Geist bereite (EG 136, 7)
Oder noch einmal: Komm, Heilger Geist (eg+ 34)

Bekanntmachungen

Musik


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Hier finden Sie Musik zum Pfingstfest: