Wofür ich stehe: Bischöfin Dr. Beate Hofmann - Wofür ich stehe 2019-09-24 29090


Bischöfin Dr. Beate Hofmann - Wofür ich stehe

(Foto: medio.tv/Schauderna)

Glaube als Kraftquelle

Der Glaube an Gott, der sich in Jesus Christus zeigt und uns durch seinen Geist begleitet, ist ein Fundament meines Lebens. Ich glaube, dass Gott mich sieht (1. Mose 16,13), mich liebt und meinem Leben Sinn und Richtung gibt.

Besonders wichtig ist mir, durch Spiritualität und durch soziales Handeln meinen Glauben im Alltag zu gestalten. Dabei helfen mir kleine Rituale wie das Tischgebet und die täglichen Losungen, aber auch das bewusste Erleben des Kirchenjahres mit seinen Erfahrungen von Lebenslust und Verzicht, Tod und Auferstehung, Wachstum und Erinnerung. Der Sonntag schenkt mir Entlastung und Zeiten zum Durchatmen. Er unterbricht den Alltag und übt die Kunst der Pause mit mir ein. Vor allem aber bietet mir die Bibel mit ihrem Schatz von Erfahrungen mit Glauben und Leben immer neue Impulse und Infragestellungen.


Du bist ein Gott, der mich sieht.

1. Mose 16,13
Wofür ich stehe: 2019-09-24 29348

Kirche: Glaubensstärkung und Engagement

Meinen Glauben kann ich nicht allein leben. Mit anderen Menschen Gottesdienst feiern, biblische Texte lesen und auslegen, über meine Fragen und Zweifel sprechen, gemeinsam singen, beten und schweigen, Ideen entwickeln, wo und wie christlicher Glaube heute auch sozial und politisch sichtbar werden kann, - dafür brauche ich Kirche.

Kirche ist für mich auch ein Raum, in dem ich meine Gaben entdecken und entfalten kann. Schon als Jugendliche habe ich erlebt, dass Menschen mir etwas zugetraut und meine Talente auch eingefordert haben. Das war die Basis für vieles, was ich später getan habe.

Darum ist es mir wichtig, dass junge Menschen durch lebendige Konfirmandenarbeit und guten Religionsunterricht erleben: „Die Kirche hat eine Botschaft, die etwas mit mir zu tun hat, da will ich dabei sein und mitmachen“!


Ein Leib aus vielen Gliedern

1. Kor. 12
Wofür ich stehe: 2019-09-24 29352

Diakonie: Spiritualität und soziale Verantwortung

„Eine Kirche ohne Diakonie ist wie ein Weinberg ohne Trauben“. Dieser Satz einer Studentin aus Indonesien bringt für mich auf den Punkt, warum Diakonie eine wichtige Dimension von Kirche ist, die ich als Bischöfin stärken möchte. Spiritualität und soziale Verantwortung gehören zusammen. Durch beides wirkt die Kirche in die Gesellschaft hinein. Diakonie als Gestalt von Kirche ist Anwältin und Gestalterin von Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Sie bietet Menschen Zuflucht, Stärkung, Begleitung und Unterstützung.


Wofür ich stehe: 2019-09-24 29353

Vielfalt als Stärke

Vielfalt bereichert, diese Erfahrung gehört zu meinem Leben. Die Gemeinschaft von Frauen und Männern, das Miteinander verschiedener Glaubenstraditionen und Lebensformen und das Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen: das alles erweitert Horizonte, regt das Nachdenken an und stärkt das eigene Profil.

Vielfalt kann auch anstrengend werden, wenn die Begegnung mit Unterschiedlichkeit Vertrautes in Frage stellt und verunsichert. Darum sind Kirche und Gesellschaft herausgefordert, Inklusion statt Ausgrenzung, Diversität statt Einheitlichkeit, Offenheit statt Verharren in Vorurteilen zu leben und zu gestalten. Das ist für Christinnen und Christen Verheißung und Auftrag.


Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.

Gal 3,28