blick in die kirche

Neues Tastmodell in der Ketzerbach enthüllt
Das „Michelchen“ bis ins Detail mit den Händen erkunden

Mitglieder der Ketzerbachgesellschaft und der Elisabethkirchengemeinde haben gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies ein neues Tastmodell enthüllt: Das Michelchen ist jetzt in der Ketzerbach ertastbar.
(Foto: Patricia Grähling, Stadt Marburg)

Marburg. Das Michelchen ist eine kleine, äußerst sehenswerte Kapelle in der Nähe der Elisabethkirche. Ein Bronzemodell in der Ketzerbach macht nun Passant*innen auf die etwas versteckt liegende Kapelle aufmerksam – und ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen, Details des Gebäudes mit den Händen zu erfassen. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies hat das von der Ketzerbachgesellschaft gespendete Modell enthüllt.

„Mit diesem tollen Geburtstagsgeschenk macht die Ketzerbachgesellschaft den Marburger*innen und den Gästen ein weiteres besonderes Gebäude der Stadt mit neuen Sinnen erfahrbar“, bedankt sich Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bei Manfred Spangenberg, dem zweiten Vorsitzenden der Ketzerbachgesellschaft, für die bronzene Spende. Das Tastmodell ermögliche blinden und sehbehinderten Menschen eine barrierefreie Stadterkundung. „Das Bronzemodell bietet aber allen Menschen nochmal eine ganz neue Wahrnehmung des Michelchens – denn durch die Berührung können wir kleine Details nochmal ganz anders erfassen“, so Spies.
Das Tastmodell des Michelchens bildet das Original bis ins Detail ab – und vermittelt so eine Vorstellung von der Architektur des Gebäudes. Es steht gegenüber der Elisabethkirche an der Ecke Elisabethstraße und Ketzerbach, neben dem Baum platziert. „Genau an dieser Stelle stehen oft Tourist*innen und machen Fotos vom Portal der Elisabethkirche“, erklärt Spangenberg. Durch das Modell können die Besucher*innen so auf das Michelchen aufmerksam gemacht werden, das etwas versteckt über eine kleine Treppe erreichbar ist.
Das Michelchen, das im Jahr 1270 erbaut wurde, liegt der Ketzerbachgesellschaft besonders am Herzen. „Wir haben quasi eine Patenschaft für den Friedhof am Michelchen“, so der zweite Vorsitzende. Die Mitglieder der Ketzerbachgesellschaft kümmern sich um das Gelände, auf dem es noch zahlreiche Grabsteine aus dem 16. bis 19. Jahrhundert gibt. Sie schneiden etwa Äste zurück, pflegen die Rosen, die sie gespendet haben. Im vergangenen Jahr hat die Ketzerbachgesellschaft hier 800 Narzissen gepflanzt – die nun im Jubiläumsjahr für eine Blütenpracht sorgen sollen. Ein weiteres Geburtstagsgeschenk ist das Tastmodell. „Die Idee hatten wir in der Ketzerbach schon lange in den Köpfen“, erklärt Spangenberg. Nun stehe es pünktlich zu Marburg800.
Die künstlerische Realisierung des Bronzemodells übernahm die Kunstgießerei Pfeifer aus Stadtallendorf, den Sandsteinsockel erstellte die Bildhauerei Trautmann aus Hermershausen. Der Fachdienst Tiefbau der Stadtverwaltung Marburg hat die bauliche Arbeit übernommen und das Sockelfundament vorbereitet sowie den Sandsteinfundament in Auftrag gegeben.
In der Universitätsstadt Marburg finden sich an vielen historischen Orten und Gebäuden weitere Tastmodelle, beispielsweise an der Elisabethkirche, an der Lutherischen Pfarrkirche, am Landgrafenschloss und auf dem Marktplatz.

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