Rat der Religionen setzt sich für Dialog ein

Mit Blick auf die sogenannte „Islamism Map" und einer Berichterstattung in der HNA am 31.05.2021 darüber, hat der Rat der Religionen Kassel eine Erklärung verfasst.

Die Erklärung im Wortlaut:

Unter dem Titel „Region Kassel von Islamisten unterwandert? Karte gibt neue Hinweise“ wurde am 31.05.2021 ein Artikel in der HNA veröffentlicht, der fast alle muslimischen Gemeinden in Kassel als Gefahrenpotenziale darstellt und auf der Recherche einer anonymen und fragwürdigen Gruppierung basiert. Eine ähnliche „Islam-Landkarte“ wurde vor einigen Wochen in Österreich präsentiert und umgehend vom Europarat gerügt. Der Kasseler Rat der Religionen sieht hier vor Ort den Versuch, mittels der Karte, welche von den Verursachern als „Islamism Map“ bezeichnet wurde, alle gläubigen Muslimas und Muslime Kassels als islamistisch, radikal oder nationalistisch zu diffamieren.

Seit den 1960er Jahren leben Angehörige des muslimischen Glaubens in unserer Stadt. Kassel ist schon längst zu ihrer Heimat geworden. Viele muslimische Gemeinden bieten jährlich am 3. Oktober den Tag der offenen Moschee an, unterstreichen so ihre Zugehörigkeit zur Stadtgesellschaft und ihren Willen zum Dialog. Deshalb entsenden die Gemeinden auch Vertreter in den Rat der Religionen der Stadt Kassel. Dieser versteht sich als freiwilliger Zusammenschluss der in Kassel vertretenen Religionsgemeinschaften und verfolgt das Ziel, den Stadtfrieden durch das Vorleben eines respektvollen, gleichberechtigten und friedlichen Miteinanders zu fördern und zu sichern.

Die Mitglieder des Rates lehnen jede Form von Diskriminierung, Terror und Gewalt ab. Zur Grundlage des gemeinsamen Handelns gehören die Achtung der Menschenrechte, die Unverletzlichkeit der Würde des Menschen und die Achtung des religiösen Bekenntnisses des jeweils Anderen.

An diesem offenen Dialog können alle Menschen teilhaben. Wir bitten alle Beteiligten und Akteure um einen angemessenen Umgang mit den Themen des Glaubens und der Glaubensgemeinschaften. Der Versuch einer Gleichsetzung des Islams mit dem Begriff Islamismus diskriminiert zu Unrecht tausende Menschen in Kassel.

Kassel, im Juni 2021

Der Sprecherrat

Mahmut Eryilmaz, Esther Haß, Dekanin Barbara Heinrich

(14.06.2021)