Was leisten evangelische Büchereien ?  
 


Aktuelle Literaturversorgung

Mancherorts leisten evangelische Büchereien die Grundversorgung, vor allem in kleineren Orten oder geschlossenen Stadtteilen, so beispielsweise die Jakobusbücherei im Stadtteil Eichwald in Kassel bei ca. 3300 Einwohnern (1700 ev. Gemeindegliedern) mit rund 16.000 Ausleihen pro Jahr oder die Evangelische Kinder- und Jugendbücherei in Bad Arolsen, die ca. 13.000 Ausleihen 2006 erreichte.

Gleich um die Ecke

Durch die Auseinandersetzung mit der sog. "Globalisierung" gewinnt auch die Regionalisierung wieder an Bedeutung und damit das erreichbare Vorortangebot. Hier sind evangelische Büchereien häufig näher an den Menschen: Weniger mobile Menschen wie Ältere und vor allem Kinder sind auf diese Angebote angewiesen, schätzen und nutzen sie. Gerade Kindern kommen überschaubare Bestände, die persönliche Atmosphäre und die individuelle Beratung in evangelischen Büchereien entgegen.

Leseförderung

Bücherei-Mitarbeiterinnen leisten einen beachtlichen Beitrag zur Leseförderung durch Vorleseangebote mit vertiefenden Spiel- und Bastelelementen, Bilderbuchkinos oder Lesenächte. Für viele Büchereien ist die Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen Routine, so dass regelmäßig Schulklassenführungen und Besuche von Kindergartengruppen erfolgen oder auch thematische Blockbestände ausgeliehen werden.

Soziale Dimension

Die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit wird durch die sorgfältige Auswahl, Bereitstellung und die Vermittlung der Medien gefördert. Eine literarische Sozialisation hat vielfältige, weitreichende Auswirkungen. Einige Schlagworte lauten: Urteilsfähigkeit, Persönlichkeitsbildung,Fantasie, Wertevermittlung, Gewaltpräventaion und soziales Lernen.

Mit dem Bücherwagen bis ans Bett

Mitarbeiterinnen aus Krankenhausbüchereien berichten davon, dass ihr Angebot an Lesestoff auch gerne angenommen wird, weil es in einer unangenehmen Lebenssituation (Begegnung mit Leid und Schmerzen, ungeklärte Fragen und Ängste etc.) "ein Stück ´normale Welt`, ein Stück Kultur" bringt. Mit den Büchern stellen sich andere Gedanken ein, evtl. frohe Erinnerungen, Trost, Gesprächsstoff über Bücher und Lesen.

Alltagsbezug und Lebenshilfe

Die Büchereien sind ein niederschwelliges Angebot von Kirche, das auch Menschen anspricht, die nicht zu den Kirchentreuen gehören. Die Leser finden Anregungen für ihre alltäglichen Aufgaben. Die Spanne reicht dabei von Kochbüchern, Bastelanleitungen über Reiseliteratur und Erziehungsberater bis zu Ratgebern zur Problembewältigung und Lebenshilfe. Für Ausstellungen und Veranstaltungen werden lokale Besonderheiten genutzt, mit anderen Institutionen und Vereinen zusammengearbeitet oder Lokalprominenz eingebunden. Autorenlesungen, Buchvorstellungen oder regelmäßig stattfindende Literaturcafés wie in der Korbacher Nikolaigemeinde oder in Schlüchtern zählen zur Basisarbeit der Erwachsenenbildung.


Teil der Gemeinde

Gerade durch den bewusst offenen Ansatz entwickeln sich immer wieder auch Bindungen zur Kirchengemeinde und mehr Offenheit für religiöse Fragen. Das lässt sich auch bei den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen feststellen. Während viele Bücherei-Mitarbeiterinnen ihr Engagement darauf zurückführen, dass sie sich für ihre Kirche und Mitmenschen einsetzen wollen, engagieren sich einige anfangs ausschließlich aufgrund literarischer und/oder pädagogischer Interessen. Das führt fast zwangsläufig zur Auseinandersetzung mit den Angeboten der Kirchengemeinde und einzelnen religiösen Fragen. Neben der breit angelegten Werbung, werden oft auch Gemeindegruppen (Gesprächskreise, Konfirmanden, etc.) besucht oder eingeladen, um ihnen die Bücherei und passende Bücher nahe zu bringen.

Durch Literatur werden viele lohnenswerte Auseinandersetzungen angestoßen, um nur einige zu erwähnen: Diskussion oder Kritik gesellschaftlicher Phänomene, Vergangenheitsbewältigung und religiöse Fragen, die von manchen nur rezipiert werden, weil sie literarisch vermittelt werden und nicht kirchengebunden sind.

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