Film des Monats: Film des Monats

Film des Monats Februar 2024: Green Border (Green Border)

Jurybegründung:

Agnieszka Holland gelingt es, ein Schlaglicht der Empathie auf eine Personengruppe zu richten, die aktuell meist kritisch in den Medien erscheint: Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und Afrika. Während in der politischen Debatte die Zeichen auf Begrenzung stehen, wagt dieses verstörende Drama in 2,5 Stunden die Nahaufnahme. Eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe einer afghanischen Intellektuellen und einer syrischen Familie mit kleinen Kindern samt Opa sitzt im Flugzeug Richtung Minsk. Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko gewährt ihnen „bequeme“ Einreise, um sie an der 180 km langen Grenze zu Polen auszusetzen. Hier endet die Reise und es beginnt das Martyrium der Flucht. In nicht enden wollenden Schleifen wird diese Gruppe über die Grenze zur EU gejagt, um dort von polnischen Grenzschützern wieder zurückgedrängt zu werden. Der Wald entwickelt sich zur Todeszone, die viele Geflüchtete mit dem Leben bezahlen.

Der Film erzählt multiperspektivisch das Schicksal dieser Menschen, die keiner will. Es zeigt die Sicht der polnischen Grenzschützer, die im Rahmen ihrer Ausbildung mit dem Narrativ geschult werden, dass diese Flüchtenden keine Menschen, sondern bloß Waffen einer strategischen Kriegsführung seien, die auf die Destabilisierung Europas zielen. Entsprechend kommt es hier immer wieder zu gewaltsamen, menschenverachtenden Übergriffen. Das Drama beleuchtet auch die Szene polnischer Aktivistinnen, die trotz aller Unterschiedlichkeit nur helfen wollen.

Am Ende zieht Agnieszka Holland den Vergleich, dass in Europa in den letzten Jahren 30.000 Menschen an den Außengrenzen gestorben sind, während Polen nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine fast 2 Millionen Menschen sehr würdevoll aufgenommen habe. Diese plakative Szene, die sogar europäisches Mitgefühl mit den Haustieren der Ukrainer zeigt, während andere Menschen an der Grenze krepieren, wäre nicht nötig gewesen. Denn die Stärke des Films liegt nicht im moralischen Zeigefinger auf die Doppelmoral europäischer Asylpolitik, sondern im Fokus auf das Schicksal der Geflüchteten. Sie werden als Menschen gezeigt, denen die Menschenwürde an der EU- Grenze genommen wird, wenn das Wort Pushbacks mit Bildern durchbuchstabiert wird. Ein wichtiger Film, der von einer bedrückenden Realität erzählt, die sich tagtäglich vor unserer Haustüre an der östlichen EU-Außengrenze abspielt.

Film-Credits

Polen, Frankreich, Tschechische Republik, Belgien 2023

Produzent: Marcin Wierzchoslawski, Fred Bernstein, Agnieszka Holland

Regie: Agnieszka Holland

Drehbuch: Maciej Pisuk, Gabriela Lazarkiewicz-Sieczko, Agnieszka Holland

Kamera: Tomek Naumiuk

Schnitt: Pavel Hrdlicka

Musik: Frédéric Vercheval

Darsteller: Jalal Altawil, Maja Ostaszewska, Behi Djanati Atai, Mohamad Al Rashi, Dalia Naous, Tomasz Wlosok

Format: DCP, deutsche Fassung / OmU-Fassung 152 Minuten

Verleih: Piffl Medien GmbH
Boxhagener Str. 18, Berlin Tel.:+49 030 293616-0, Fax: +49 030 293616-22, office@pifflmedien.dehttp://www.pifflmedien.de

FSK: ab 12 Jahren freigegeben

Kinostart: 1.2.2024

GREEN BORDER - offizieller Kinotrailer - ab 01.02.2024 im Kino (youtube.com)

 

 

2024-02-01 37613

Evangelische Medienzentrale
Film des Monats

Bild: Pfiffl Medien

Film des Monats Februar 2024: Green Border (Green Border)

Jurybegründung:

Agnieszka Holland gelingt es, ein Schlaglicht der Empathie auf eine Personengruppe zu richten, die aktuell meist kritisch in den Medien erscheint: Geflüchtete aus Syrien, Afghanistan und Afrika. Während in der politischen Debatte die Zeichen auf Begrenzung stehen, wagt dieses verstörende Drama in 2,5 Stunden die Nahaufnahme. Eine bunt zusammen gewürfelte Gruppe einer afghanischen Intellektuellen und einer syrischen Familie mit kleinen Kindern samt Opa sitzt im Flugzeug Richtung Minsk. Der belarussische Diktator Alexander Lukaschenko gewährt ihnen „bequeme“ Einreise, um sie an der 180 km langen Grenze zu Polen auszusetzen. Hier endet die Reise und es beginnt das Martyrium der Flucht. In nicht enden wollenden Schleifen wird diese Gruppe über die Grenze zur EU gejagt, um dort von polnischen Grenzschützern wieder zurückgedrängt zu werden. Der Wald entwickelt sich zur Todeszone, die viele Geflüchtete mit dem Leben bezahlen.

Der Film erzählt multiperspektivisch das Schicksal dieser Menschen, die keiner will. Es zeigt die Sicht der polnischen Grenzschützer, die im Rahmen ihrer Ausbildung mit dem Narrativ geschult werden, dass diese Flüchtenden keine Menschen, sondern bloß Waffen einer strategischen Kriegsführung seien, die auf die Destabilisierung Europas zielen. Entsprechend kommt es hier immer wieder zu gewaltsamen, menschenverachtenden Übergriffen. Das Drama beleuchtet auch die Szene polnischer Aktivistinnen, die trotz aller Unterschiedlichkeit nur helfen wollen.

Am Ende zieht Agnieszka Holland den Vergleich, dass in Europa in den letzten Jahren 30.000 Menschen an den Außengrenzen gestorben sind, während Polen nach Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine fast 2 Millionen Menschen sehr würdevoll aufgenommen habe. Diese plakative Szene, die sogar europäisches Mitgefühl mit den Haustieren der Ukrainer zeigt, während andere Menschen an der Grenze krepieren, wäre nicht nötig gewesen. Denn die Stärke des Films liegt nicht im moralischen Zeigefinger auf die Doppelmoral europäischer Asylpolitik, sondern im Fokus auf das Schicksal der Geflüchteten. Sie werden als Menschen gezeigt, denen die Menschenwürde an der EU- Grenze genommen wird, wenn das Wort Pushbacks mit Bildern durchbuchstabiert wird. Ein wichtiger Film, der von einer bedrückenden Realität erzählt, die sich tagtäglich vor unserer Haustüre an der östlichen EU-Außengrenze abspielt.

Film-Credits

Polen, Frankreich, Tschechische Republik, Belgien 2023

Produzent: Marcin Wierzchoslawski, Fred Bernstein, Agnieszka Holland

Regie: Agnieszka Holland

Drehbuch: Maciej Pisuk, Gabriela Lazarkiewicz-Sieczko, Agnieszka Holland

Kamera: Tomek Naumiuk

Schnitt: Pavel Hrdlicka

Musik: Frédéric Vercheval

Darsteller: Jalal Altawil, Maja Ostaszewska, Behi Djanati Atai, Mohamad Al Rashi, Dalia Naous, Tomasz Wlosok

Format: DCP, deutsche Fassung / OmU-Fassung 152 Minuten

Verleih: Piffl Medien GmbH
Boxhagener Str. 18, Berlin Tel.:+49 030 293616-0, Fax: +49 030 293616-22, office@pifflmedien.dehttp://www.pifflmedien.de

FSK: ab 12 Jahren freigegeben

Kinostart: 1.2.2024

GREEN BORDER - offizieller Kinotrailer - ab 01.02.2024 im Kino (youtube.com)

 

 

Name Jury der ev. Filmarbeit
  • Hintergrund: Jury der evangelischen Filmarbeit
  • Die Jury der Evangelischen Filmarbeit ist ein unabhängiges Gremium. Evangelische Werke, Verbände und Einrichtungen benennen in vierjährigem Turnus die Mitglieder der Jury; diese wählen zusätzlich zwei Pfarrer hinzu. Sie hat bis heute über 750 Spiel- und lange Dokumentarfilme als Filme des Monats ausgezeichnet, die sich durch ihre herausragende Qualität zur Diskussion anbieten Sie macht damit Programmgestalter, Kinobesitzer und Medienverantwortliche auf diese Filme aufmerksam. Gleichzeitig weist sie das Publikum auf den Besuch dieser Filme hin und regt zur Beschäftigung mit der Thematik der Filme des Monats an, um den Zuschauer zur eigenständigen Beurteilung zu ermutigen.

    Die Jury zeichnet Filme aus, die dem Zusammenleben der Menschen dienen, zur Überprüfung eigener Positionen, zur Wahrnehmung mitmenschlicher Verantwortung und zur Orientierung an der biblischen Botschaft beitragen. Sie berücksichtigt dabei die filmästhetische Gestaltung, den ethischen Gehalt und die thematische Bedeutsamkeit des Films. Keiner dieser Aspekte darf allein ausschlaggebend sein; sie sollen vielmehr in ihrer wechselseitigen Beziehung bewertet werden. Bei der Auswahl der Filme bemüht sich die Jury um Aktualität.

    Filme des Monats informieren, machen Zeitprobleme sichtbar und erfahrbar und geben Impulse zu verantwortlichem Handeln. Sie spiegeln aktuelle Entwicklungen der Filmkultur.

  • Zur Internetseite der Jury der ev. Filmarbeit & Film des Monats