Aufgaben: Aufgaben

Schutz Leute
Polizistinnen und Polizisten brauchen einen geschützten Raum, in dem sie erzählen können, wie es ihnen wirklich geht. Sie schauen in die Abgründe dessen, was Menschen widerfahren kann, und was Menschen anderen Menschen zufügen können. Bei aller professionellen Routine: Das geht an niemandem einfach so vorbei.
Hier kommt das althergebrachte Wort "Beichte" zum Tragen. Und das meint eben nicht, im Beichtstuhl Sünden zu bekennen. Beichte heißt vor allem, einen Ort vor Gott zu haben, wo ich erzählen kann, wie es wirklich ist. Dieser Ort wird vom Staat durch das Zeugnisverweigerungsrecht, das jeder Pfarrerin/jedem Pfarrer vor Gericht zusteht, geschützt, weil er weiß, dass Menschen diese Möglichkeit für ihre seelische Gesundheit benötigen.

 

 

 

2023-01-17 18217

Polizeiseelsorge
Aufgaben

Foto: Blåfield

Schutz Leute
Polizistinnen und Polizisten brauchen einen geschützten Raum, in dem sie erzählen können, wie es ihnen wirklich geht. Sie schauen in die Abgründe dessen, was Menschen widerfahren kann, und was Menschen anderen Menschen zufügen können. Bei aller professionellen Routine: Das geht an niemandem einfach so vorbei.
Hier kommt das althergebrachte Wort "Beichte" zum Tragen. Und das meint eben nicht, im Beichtstuhl Sünden zu bekennen. Beichte heißt vor allem, einen Ort vor Gott zu haben, wo ich erzählen kann, wie es wirklich ist. Dieser Ort wird vom Staat durch das Zeugnisverweigerungsrecht, das jeder Pfarrerin/jedem Pfarrer vor Gericht zusteht, geschützt, weil er weiß, dass Menschen diese Möglichkeit für ihre seelische Gesundheit benötigen.

 

 

 



Seelsorge

 

 

 

 

 

Wenn sich eine Polizistin/ein Polizist an die Polizeiseelsorge wendet, findet sie/er dort
• einen Menschen, der Polizei kennt (Feldkompetenz),
• einen Menschen, der gelernt hat, hilfreiche Gespräche zu führen (Seelsorgeausbildung),
• und er kann sicher sein, dass die erzählten Inhalte vom Beichtgeheimnis geschützt sind 
(Zeugnisverweigerungsrecht).



Berufsethik

Das "Gute" mit "bösen Mitteln" erreichen!

Das ist ein ethischer Grundkonflikt im Polizeidienst.
Das "Gute" ist: für Sicherheit und Ordnung sorgen, damit wir friedlich zusammen leben können.
Die "bösen Mittel" sind in dem Begriff des Gewaltmonopls des Staates zusammengefasst. Polizistinnen und Polizisten müssen zuweilen Gewalt anwenden (unmittelbarer Zwang bis hin zum Schusswaffengebrauch), um "das Gute" durchzusetzen.

Polizeiseelsorge erkennt die Zumutung, die es für den Menschen in der Polizeiuniform bedeutet, Gewalt anwenden zu müssen, damit wir, die Bürgerinnen und Bürger, dies nicht tun müssen.

Weitere ethische Herausforderungen entstehen, wenn die Ziele des polizeilichen Einsatzes den eigenen inneren Überzeugungen des Menschen in Polizeiuniform widersprechen (z. B. Schutz von Neonazi-Demonstrationen, Sicherung von Atommülltransporten). Aber auch im normalen Schichtdienst kommt es immer wieder zu ethischen Herausforderungen. Einsätze bei häuslicher Gewalt, aber auch sexueller Missbrauch, insbesondere wenn Kinder betroffen sind.

Menschen, die in einem derart sensiblen Bereich arbeiten, brauchen ethische Reflexion ihres beruflichen Handelns. Die Polizeiseelsorge ist im Fach "Berufsethik" an der Ausbildung zum Polizeiberuf beteiligt. Dies geschieht mit 40 Unterrichtseinheiten in 3 Modulen des Bachelorstudienganges an der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit (HöMS). 

Eine Besonderheit am Standort Kassel sind die "Praxisreflexionstage" während des sog. "großen Praktikums". Die Polizeistudierenden kommen für zwei Tage zusammen, um die erlebte Praxis zu reflektieren. Angeleitet werden sie dabei von Dozenten unterschiedlicher Fachbereiche, so auch der Berufsethik.



Geistliche Angebote

Neben Seelsorge und Berufsethik sind die geistlichen Angebote fester Bestandteil der  Polizeiseelsorge:

Einkehrtage im Kloster Germerode
(Foto: Grützner)