EKKW Synode Frühjahr 2018 Interviews: Nachgefragt...

Prälat Bernd Böttner stellte sich den Fragen von Ramona Kopec, Leitende Redakteurin Online im Medienhaus der EKKW, am 23.04.2018 in Kassel.

Kopec: Bei der Frühjahrssynode stellen Sie das erste Mal Ihren Personalbericht vor. Welche Akzente setzten Sie?

Prälat Böttner: Also, zunächst einmal möchte ich sagen, dass der Personalbericht ja überhaupt keine neuen Schwerpunkte setzt. Die neuen Schwerpunkte für die kirchliche Arbeit im nächsten Jahrzehnt sind durch die Beschlüsse der Landessynode vom Herbst 2015 gesetzt worden. Es geht jetzt darum zu schauen, was ist von den Beschlüssen umgesetzt? Das ist eine ganze Menge, vor allem im Blick auf die Kooperationsräume, im Blick auf die Pfarrstellenbudgets, im Blick auf die Einrichtung von Verwaltungsassistenzen. Da ist eine ganze Menge von meiner Vorgängerin Marita Natt auf den Weg gebracht worden. Jetzt geht es für mich darum zu schauen: Wo stehen wir jetzt in diesem Reformprozess, was ist bisher geschehen, was ist bisher gelungen und wo sind die weiteren Herausforderungen?

Kopec: Kirche ist eine Institution, die eine hohe Beständigkeit und Verlässlichkeit aufweist. Mit den Beschlüssen der Herbsttagung 2015 hat die Landessynode einen Prozess der Neuaufstellung der kirchlichen und der pastoralen Arbeit beschlossen.  Warum ist es notwendig, dass sich Kirche neu aufstellt?

Prälat Böttner: Das ist immer notwendig gewesen für die Kirche. Kirche hat immer - von der Urgemeinde bis heute - vor der Herausforderung gestanden, zu überlegen: In welcher Situation sind wir jetzt als Kirche? Wie können wir das Evangelium von Jesus Christus verkündigen? Wie können wir kirchliches Leben gestalten angesichts der sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den sich verändernden Zeiten?

Kopec: Und was heißt das jetzt für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck in der heutigen Zeit?

Prälat Böttner: Das heißt ganz konkret: Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als Gebiet wird ja nicht kleiner. Aber innerhalb dieses Gebietes haben wir als evangelische Kirche weniger Mitglieder als vor 20 Jahren und wir haben weniger finanzielle Ressourcen. Wir werden auch erleben, dass wir unsere Stellen nicht alle besetzen können. Das heißt, auch die personellen Ressourcen verändern sich. Darum gilt es zu schauen: Welche Mittel haben wir, welche Möglichkeiten haben wir und wie können wir mit diesen Mitteln und mit diesen Möglichkeiten gute kirchliche und pfarramtliche Arbeit machen?

Kopec: Für viele sind die anstehenden Veränderungen schmerzhaft.  Das erleben wir im Moment zum Beispiel in der Kirchenmusik. Wie geht man damit um?

Prälat Böttner: Ich glaube, dass Veränderungen für alle immer eine Herausforderung sind. Nicht nur für Menschen, die gerne singen und die in der Kirchenmusik engagiert sind. Das gilt grundsätzlich. Ich will das erläutern: Im Bereich der Kirchenmusik ist es so, dass die Landessynode 2015 beschlossen hat bei den sechseinhalb Stellen, die im landeskirchlichen Haushalt sind, genauso zu sparen, wie in allen anderen Bereichen. Das ist, wenn man das von 2010 bis 2026, also über einen Zeitraum von 16 Jahren sieht, eine Summe von 25 Prozent, von der wir ausgehen. Alle anderen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker - wir reden da von 41 hauptamtlichen Stellen und von vielen, vielen nebenamtlichen Stellen - sind von den Kirchenkreisen, von den Kirchengemeinden und von Zweckverbänden angestellt, für die gilt dieser Sparbeschluss der Synode gar nicht. Diese anderen Anstellungsträger haben aber natürlich auch das Problem, dass sie zunehmend weniger finanzielle Mittel haben, weil ihre Mitgliederzahlen zurückgehen. Das heißt, also auch dort wird es dazu kommen, dass man nicht mehr im bisherigen Umfang haupt- und nebenamtlich arbeiten kann, wie in allen anderen Bereichen der Kirche auch. Und nun geht es darum, gemeinsam zu überlegen, wie wir eine gute kirchenmusikalische Arbeit in unserer Landeskirche aufstellen können mit den weniger werdenden Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Dazu ist eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die nennt sich «AG Kirchenmusik 2026». Diese Arbeitsgruppe sitzt an einem neuen Konzept für eine gute kirchenmusikalische Arbeit mit hauptamtlichen und nebenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern. In diesem Konzept sollen die verschiedenen kirchlichen Ebenen verbunden werden. Das wäre etwas Neues, darum bin ich gespannt auf die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe.

Kopec: Sie hatten bereits gesagt, dass wir weniger werden. Das hat verschiedene Gründe. Welches sind die Hauptgründe?

Prälat Böttner: Also, erst mal ist es so, dass es in allen westlichen Wohlstandsgesellschaften einen Megatrend gibt:  Glaube und Religion nehmen in ihrer Bedeutung ab und so nehmen auch die Mitgliederzahlen der Kirchen ab. Das ist übrigens ganz anders in Afrika, in Asien und in Lateinamerika, wo Kirchen wachsen. Ein weiterer Trend in Nordhessen ist schlicht und einfach die Landflucht. Nordhessische Landkreise verlieren in erheblichem Umfang Bevölkerung, die in die Metropolregionen abwandert. Wenn ein Landkreis zehn, 20 Prozent seiner Bevölkerung verliert, verliert die evangelische Kirche sozusagen auch zehn, 20 Prozent mit. Das ist ein zweiter Trend. Übrigens: Diese beiden großen Trends sind von uns kaum beeinflussbar. Ein anderer Trend ist der demografische Faktor. Das heißt, es werden weniger Menschen geboren als sterben, am deutlichsten im Bereich des evangelischen Bevölkerungsanteils. Auch im Hinblick auf diesen Trend haben wir kaum Einflussmöglichkeiten. Einflussmöglichkeiten haben wir insofern, als dass es unsere Aufgabe ist, die evangelischen Eltern, die Kinder bekommen, einzuladen ihre Kinder taufen zu lassen. Sozusagen über die Taufe den Nachwuchs für unsere Kirche zu gewinnen. Eine weitere Aufgabe ist es Menschen zu gewinnen, die in die Kirche eintreten. Entweder, indem sie sich taufen lassen, oder indem sie in die Kirche wiedereintreten, nachdem sie einmal ausgetreten waren. Das ist die permanente Aufgabe, kirchliches Leben und pfarramtlichen Dienst so zu gestalten, dass Menschen sagen «OK! Kirche gehört für mich dazu, gehört für mich zu meinem Leben dazu. Mit Kirche mache ich positive Erfahrungen, deswegen bleibe ich Mitglied in der Kirche oder werde wieder Mitglied in der Kirche».

Kopec: Ein anderes Thema ist die Nachwuchsgewinnung bei uns in der Kirche. Sowohl was hauptamtliche als auch ehrenamtliche Mitarbeitende angeht, also zum Beispiel für den Lektorendienst oder Kirchenvorstand. Welche Aktionen planen Sie?

Prälat Böttner: Also, ich plane gar keine neuen Aktionen. Auch das hat die Landessynode schon längst auf den Weg gebracht! Es geht darum auch zukünftig junge Menschen, aber auch ältere Menschen für ehrenamtliches Engagement in der Kirche zu gewinnen, junge und ältere Menschen für Berufe in der Kirche zu gewinnen. Ich nehme als Beispiel den Pfarrberuf. Ich muss mich in irgendeiner Weise ja persönlich für den Pfarrberuf berufen fühlen, sonst bin ich dafür nicht ansprechbar. Ich glaube, wir brauchen eine positive Berufsbeschreibung. Was ist das Attraktive und was ist das Herausfordernde am Pfarrberuf? Wir müssen auf Menschen zugehen, auf jüngere und ältere Menschen, und sie bewusst darauf ansprechen: Ist das nicht etwas für Sie? Ist das nicht etwas für Dich, Pfarrerin oder Pfarrer in unserer Landeskirche zu werden? Dafür braucht es am Ende auch einen angemessenen Lohn und  angemessene Arbeitsbedingungen. Das ist etwas, das wir neu angehen wollen, dass wir mit Hilfe von Dienstbeschreibungen dazu kommen, dass der Pfarrberuf Mitte und Maß bekommt. Wenn wir zukünftig mit weniger Pfarrerinnen und Pfarrern arbeiten müssen, muss man nochmal genau hinschauen: Was können denn diese weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrer leisten? Was sollen sie leisten? Dies in ein vertretbares Maß zu bringen, das halte ich für notwendig. Denn anders als in früheren Generationen ist es heute wichtig für junge Pfarrerinnen und Pfarrer, dass sie Dienst, Freizeit und Familie gut miteinander vereinbaren können. Auf diese Frage müssen wir plausible Antworten geben können, um Menschen für den Pfarrberuf zu gewinnen.

Kopec: In diesem Zusammenhang möchte ich Sie abschließend fragen, warum es sich lohnt sich in der Kirche und für die Kirche zu engagieren?

Prälat Böttner: Ich kann Ihnen sagen, warum es sich für mich lohnt oder warum es für mich eigentlich keine Alternative dazu gibt als in der Kirche mitzuarbeiten: Der christliche Glaube ist ganz wichtig in meinem Leben. Er gibt mir den Grund und das Ziel meines Lebens an. Er vermittelt mir den Sinn meines Lebens. Er trägt ganz wesentlich dazu bei, das Zusammenleben von Menschen in der Kirche und in der Gesellschaft in einer guten Weise zu gestalten, nämlich so, dass Menschen in Würde in dieser Gesellschaft leben können, dass Gerechtigkeit ein wichtiges Ziel ist und dass Gemeinschaft ein wichtiges Ziel ist.
Ich sag es mal ein bisschen frommer noch. Ich glaube, dass Jesus Christus, als Herr der Kirche, auch heute Menschen braucht, die sein Evangelium verkündigen und sein Evangelium leben. Jemand hat einmal gesagt: «Christus hat keine anderen Hände als meine Hände, er hat keinen anderen Mund als meinen Mund». Das halte ich zwar nur für bedingt richtig. Aber was damit gesagt wird, ist: Jesus Christus braucht Menschen, die sein Evangelium weiter tragen. Das ist für mich der Grund, warum Kirche Menschen braucht: Dass sie für den Herrn der Kirche arbeiten.

Kopec: Danke schön, Herr Prälat Böttner.

(25.04.2018)

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Nachgefragt...

 
Foto: Prälat Bernd Böttner (Foto: medio.tv/Schauderna) Prälat Bernd Böttner (Foto: medio.tv/Schauderna)

Prälat Bernd Böttner stellte sich den Fragen von Ramona Kopec, Leitende Redakteurin Online im Medienhaus der EKKW, am 23.04.2018 in Kassel.

Kopec: Bei der Frühjahrssynode stellen Sie das erste Mal Ihren Personalbericht vor. Welche Akzente setzten Sie?

Prälat Böttner: Also, zunächst einmal möchte ich sagen, dass der Personalbericht ja überhaupt keine neuen Schwerpunkte setzt. Die neuen Schwerpunkte für die kirchliche Arbeit im nächsten Jahrzehnt sind durch die Beschlüsse der Landessynode vom Herbst 2015 gesetzt worden. Es geht jetzt darum zu schauen, was ist von den Beschlüssen umgesetzt? Das ist eine ganze Menge, vor allem im Blick auf die Kooperationsräume, im Blick auf die Pfarrstellenbudgets, im Blick auf die Einrichtung von Verwaltungsassistenzen. Da ist eine ganze Menge von meiner Vorgängerin Marita Natt auf den Weg gebracht worden. Jetzt geht es für mich darum zu schauen: Wo stehen wir jetzt in diesem Reformprozess, was ist bisher geschehen, was ist bisher gelungen und wo sind die weiteren Herausforderungen?

Kopec: Kirche ist eine Institution, die eine hohe Beständigkeit und Verlässlichkeit aufweist. Mit den Beschlüssen der Herbsttagung 2015 hat die Landessynode einen Prozess der Neuaufstellung der kirchlichen und der pastoralen Arbeit beschlossen.  Warum ist es notwendig, dass sich Kirche neu aufstellt?

Prälat Böttner: Das ist immer notwendig gewesen für die Kirche. Kirche hat immer - von der Urgemeinde bis heute - vor der Herausforderung gestanden, zu überlegen: In welcher Situation sind wir jetzt als Kirche? Wie können wir das Evangelium von Jesus Christus verkündigen? Wie können wir kirchliches Leben gestalten angesichts der sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den sich verändernden Zeiten?

Kopec: Und was heißt das jetzt für die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck in der heutigen Zeit?

Prälat Böttner: Das heißt ganz konkret: Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck als Gebiet wird ja nicht kleiner. Aber innerhalb dieses Gebietes haben wir als evangelische Kirche weniger Mitglieder als vor 20 Jahren und wir haben weniger finanzielle Ressourcen. Wir werden auch erleben, dass wir unsere Stellen nicht alle besetzen können. Das heißt, auch die personellen Ressourcen verändern sich. Darum gilt es zu schauen: Welche Mittel haben wir, welche Möglichkeiten haben wir und wie können wir mit diesen Mitteln und mit diesen Möglichkeiten gute kirchliche und pfarramtliche Arbeit machen?

Kopec: Für viele sind die anstehenden Veränderungen schmerzhaft.  Das erleben wir im Moment zum Beispiel in der Kirchenmusik. Wie geht man damit um?

Prälat Böttner: Ich glaube, dass Veränderungen für alle immer eine Herausforderung sind. Nicht nur für Menschen, die gerne singen und die in der Kirchenmusik engagiert sind. Das gilt grundsätzlich. Ich will das erläutern: Im Bereich der Kirchenmusik ist es so, dass die Landessynode 2015 beschlossen hat bei den sechseinhalb Stellen, die im landeskirchlichen Haushalt sind, genauso zu sparen, wie in allen anderen Bereichen. Das ist, wenn man das von 2010 bis 2026, also über einen Zeitraum von 16 Jahren sieht, eine Summe von 25 Prozent, von der wir ausgehen. Alle anderen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker - wir reden da von 41 hauptamtlichen Stellen und von vielen, vielen nebenamtlichen Stellen - sind von den Kirchenkreisen, von den Kirchengemeinden und von Zweckverbänden angestellt, für die gilt dieser Sparbeschluss der Synode gar nicht. Diese anderen Anstellungsträger haben aber natürlich auch das Problem, dass sie zunehmend weniger finanzielle Mittel haben, weil ihre Mitgliederzahlen zurückgehen. Das heißt, also auch dort wird es dazu kommen, dass man nicht mehr im bisherigen Umfang haupt- und nebenamtlich arbeiten kann, wie in allen anderen Bereichen der Kirche auch. Und nun geht es darum, gemeinsam zu überlegen, wie wir eine gute kirchenmusikalische Arbeit in unserer Landeskirche aufstellen können mit den weniger werdenden Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen. Dazu ist eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die nennt sich «AG Kirchenmusik 2026». Diese Arbeitsgruppe sitzt an einem neuen Konzept für eine gute kirchenmusikalische Arbeit mit hauptamtlichen und nebenamtlichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern. In diesem Konzept sollen die verschiedenen kirchlichen Ebenen verbunden werden. Das wäre etwas Neues, darum bin ich gespannt auf die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppe.

Kopec: Sie hatten bereits gesagt, dass wir weniger werden. Das hat verschiedene Gründe. Welches sind die Hauptgründe?

Prälat Böttner: Also, erst mal ist es so, dass es in allen westlichen Wohlstandsgesellschaften einen Megatrend gibt:  Glaube und Religion nehmen in ihrer Bedeutung ab und so nehmen auch die Mitgliederzahlen der Kirchen ab. Das ist übrigens ganz anders in Afrika, in Asien und in Lateinamerika, wo Kirchen wachsen. Ein weiterer Trend in Nordhessen ist schlicht und einfach die Landflucht. Nordhessische Landkreise verlieren in erheblichem Umfang Bevölkerung, die in die Metropolregionen abwandert. Wenn ein Landkreis zehn, 20 Prozent seiner Bevölkerung verliert, verliert die evangelische Kirche sozusagen auch zehn, 20 Prozent mit. Das ist ein zweiter Trend. Übrigens: Diese beiden großen Trends sind von uns kaum beeinflussbar. Ein anderer Trend ist der demografische Faktor. Das heißt, es werden weniger Menschen geboren als sterben, am deutlichsten im Bereich des evangelischen Bevölkerungsanteils. Auch im Hinblick auf diesen Trend haben wir kaum Einflussmöglichkeiten. Einflussmöglichkeiten haben wir insofern, als dass es unsere Aufgabe ist, die evangelischen Eltern, die Kinder bekommen, einzuladen ihre Kinder taufen zu lassen. Sozusagen über die Taufe den Nachwuchs für unsere Kirche zu gewinnen. Eine weitere Aufgabe ist es Menschen zu gewinnen, die in die Kirche eintreten. Entweder, indem sie sich taufen lassen, oder indem sie in die Kirche wiedereintreten, nachdem sie einmal ausgetreten waren. Das ist die permanente Aufgabe, kirchliches Leben und pfarramtlichen Dienst so zu gestalten, dass Menschen sagen «OK! Kirche gehört für mich dazu, gehört für mich zu meinem Leben dazu. Mit Kirche mache ich positive Erfahrungen, deswegen bleibe ich Mitglied in der Kirche oder werde wieder Mitglied in der Kirche».

Kopec: Ein anderes Thema ist die Nachwuchsgewinnung bei uns in der Kirche. Sowohl was hauptamtliche als auch ehrenamtliche Mitarbeitende angeht, also zum Beispiel für den Lektorendienst oder Kirchenvorstand. Welche Aktionen planen Sie?

Prälat Böttner: Also, ich plane gar keine neuen Aktionen. Auch das hat die Landessynode schon längst auf den Weg gebracht! Es geht darum auch zukünftig junge Menschen, aber auch ältere Menschen für ehrenamtliches Engagement in der Kirche zu gewinnen, junge und ältere Menschen für Berufe in der Kirche zu gewinnen. Ich nehme als Beispiel den Pfarrberuf. Ich muss mich in irgendeiner Weise ja persönlich für den Pfarrberuf berufen fühlen, sonst bin ich dafür nicht ansprechbar. Ich glaube, wir brauchen eine positive Berufsbeschreibung. Was ist das Attraktive und was ist das Herausfordernde am Pfarrberuf? Wir müssen auf Menschen zugehen, auf jüngere und ältere Menschen, und sie bewusst darauf ansprechen: Ist das nicht etwas für Sie? Ist das nicht etwas für Dich, Pfarrerin oder Pfarrer in unserer Landeskirche zu werden? Dafür braucht es am Ende auch einen angemessenen Lohn und  angemessene Arbeitsbedingungen. Das ist etwas, das wir neu angehen wollen, dass wir mit Hilfe von Dienstbeschreibungen dazu kommen, dass der Pfarrberuf Mitte und Maß bekommt. Wenn wir zukünftig mit weniger Pfarrerinnen und Pfarrern arbeiten müssen, muss man nochmal genau hinschauen: Was können denn diese weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrer leisten? Was sollen sie leisten? Dies in ein vertretbares Maß zu bringen, das halte ich für notwendig. Denn anders als in früheren Generationen ist es heute wichtig für junge Pfarrerinnen und Pfarrer, dass sie Dienst, Freizeit und Familie gut miteinander vereinbaren können. Auf diese Frage müssen wir plausible Antworten geben können, um Menschen für den Pfarrberuf zu gewinnen.

Kopec: In diesem Zusammenhang möchte ich Sie abschließend fragen, warum es sich lohnt sich in der Kirche und für die Kirche zu engagieren?

Prälat Böttner: Ich kann Ihnen sagen, warum es sich für mich lohnt oder warum es für mich eigentlich keine Alternative dazu gibt als in der Kirche mitzuarbeiten: Der christliche Glaube ist ganz wichtig in meinem Leben. Er gibt mir den Grund und das Ziel meines Lebens an. Er vermittelt mir den Sinn meines Lebens. Er trägt ganz wesentlich dazu bei, das Zusammenleben von Menschen in der Kirche und in der Gesellschaft in einer guten Weise zu gestalten, nämlich so, dass Menschen in Würde in dieser Gesellschaft leben können, dass Gerechtigkeit ein wichtiges Ziel ist und dass Gemeinschaft ein wichtiges Ziel ist.
Ich sag es mal ein bisschen frommer noch. Ich glaube, dass Jesus Christus, als Herr der Kirche, auch heute Menschen braucht, die sein Evangelium verkündigen und sein Evangelium leben. Jemand hat einmal gesagt: «Christus hat keine anderen Hände als meine Hände, er hat keinen anderen Mund als meinen Mund». Das halte ich zwar nur für bedingt richtig. Aber was damit gesagt wird, ist: Jesus Christus braucht Menschen, die sein Evangelium weiter tragen. Das ist für mich der Grund, warum Kirche Menschen braucht: Dass sie für den Herrn der Kirche arbeiten.

Kopec: Danke schön, Herr Prälat Böttner.

(25.04.2018)


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