Dienstag: Nachgefragt... Prälatin Marita Natt stellte sich den Fragen von medio-Onlineredakteurin Ramona Kopec am 22.04.2016 in Kassel.

Kopec:
Frau Natt, Sie werden nächste Woche Ihren Personalbericht vorstellen. Was werden die Schwerpunkte sein?  

Prälatin Natt: Zunächst werde ich in der neuen Synode das Dezernat, für das ich zuständig bin, vorstellen. Als Prälatin bin ich einerseits die geistliche Vertreterin des Bischofs, andererseits leite ich das Dezernat «Theologisches Personal und Gemeindeentwicklung». Neben der Personalverwaltung gehören Aus-Fort- und Weiterbildung der Pfarrerschaft, Sonderseelsorge, Gottesdienst, Kirchenmusik, theologische Grundfragen, Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste in meinen Verantwortungsbereich. Diese Aufgaben waren ehemals auf drei Dezernate verteilt. Ich werde die zuständigen Referentinnen und Referenten vorstellen und dann in weiteren Punkten die Chancen, Herausforderungen und Schwerpunkte der Personalpolitik benennen.  

Kopec: Ab sofort vergibt die Landeskirche 100 Stipendien für Theologiestudierende. Wie funktioniert dieses Programm? 

Prälatin Natt: Theologiestudierenden,  die ihre Sprachprüfungen erfolgreich abgelegt haben, können sich auf ein Stipendium bewerben, das sowohl finanzielle Unterstützung anbietet, als auch inhaltliche Begleitung mit besonderen Angeboten im Gepäck hat. Dazu gehören geistliche Begleitung, Studienfahrten, Praktika und anderes mehr. Keinesfalls sollen zusätzliche Belastungen entstehen, vielmehr wollen wir stärken und entlasten. Wollen zeigen, dass wir Studierende der Theologie in unserer Landeskirche wertschätzen und sie ermutigen möchten. Und wenn sie entdecken, welche Kostbarkeiten die Kurhessische Kirche zu bieten hat, dann, so hoffen wir, werden sie auch gern bei uns in den Pfarrdienst gehen. So verbindet sich mit der Förderung im Studium für die Stipendiaten die Verpflichtung, mit der Anzahl der Jahre, die sie Unterstützung erfahren haben, in Gemeinden unserer Landeskirche tätig zu sein. Das ist für mich zunehmend von Bedeutung. Wenn die starken Jahrgänge von Pfarrerinnen und Pfarrern demnächst in den Ruhestand gehen, brauchen wir Sicherheit, mit wem wir zukünftig rechnen können.

Kopec: Nächste Woche tritt die 13. Landessynode zu ihrer ersten Tagung zusammen. Wie sehen Sie der Zukunft in dieser neuen Periode der Landessynode entgegen?

Prälatin Natt: Mit viel Zuversicht und Freude! Wir haben im Februar bereits kurz getagt und ich hatte den Eindruck, dass eine sehr schöne Aufbruchsstimmung in der neuen Synode herrscht. Und das, obwohl alle wissen,  wieviel Arbeit auf sie zukommt. Die Beschlüsse der Herbstsynode werden uns nun intensiv beschäftigen, aber die neuen Synodalen gehen mit viel Mut und Überzeugung ans Werk. Ich habe den Eindruck, das wird eine kreative und gestalterische Synodenperiode. Jede und jeder hat Lust unsere Landeskirche gut für die Zukunft aufzustellen und daran mitzugestalten.  

Kopec: Schon im letzten Jahr war die Veränderung durch die Flüchtlingskrise in Deutschland und in der Landeskirche ein Thema in der Synode. Welche Auswirkung hat das auf die Landeskirche?  

Prälatin Natt: Es bewegt mich sehr, zu sehen, wie schnell sich in vielen Gemeinden Haupt- und Ehrenamtliche gefunden haben, die sich auf unterschiedlichste Weise einbringen. Als Landeskirche haben wir zwei unserer Freizeithäuser als Wohnraum zur Verfügung gestellt. In vielen Gemeinden werden Unterbringungsmöglichkeiten angeboten. Pfarrhäuser, Gemeindehäuser werden zugerüstet. Menschen übernehmen Patenschaften, viele geben Deutschunterricht, verteilen Kleidung und Essen. Was mich in der letzten Zeit besonders berührt, ist die Information, wie viele Flüchtlinge sich taufen lassen und der evangelischen Kirche angehören wollen. Sie empfinden die große Freiheit des christlichen Glaubens als etwas sehr Kostbares und wollen diesen Glauben endlich leben können. Die Freude, mit der sie Glaubenskurse besuchen und sich im Gemeindeleben einbringen,  lässt für mich den christlichen Glauben noch einmal ganz neu leuchten. In der Christuskirche in Kassel Wilhelmshöhe, zu der ich als Gemeindeglied gehöre, wurden zunächst 13 Menschen getauft, am Ostermontag waren es 20 und der nächste Glaubenskurs läuft bereits. Das beglückt mich und es zeigt, dass wir vor ganz neuen und schönen Herausforderungen als Christengemeinden stehen. Unbedingt gehört dazu auch der Kontakt zu muslimischen Frauen und Männern. Auch da bieten viele schon Möglichkeiten an, zum Beispiel in Begegnungskaffees. In allen Regionen unserer Landeskirche erlebe ich viel Lebendiges und das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft.   

Kopec: Vielen Dank für das Gespräch!

2016-04-29 18011


Nachgefragt...

 
Foto: (Foto: medio.tv/ Schauderna) (Foto: medio.tv/ Schauderna)
Prälatin Marita Natt stellte sich den Fragen von medio-Onlineredakteurin Ramona Kopec am 22.04.2016 in Kassel.

Kopec:
Frau Natt, Sie werden nächste Woche Ihren Personalbericht vorstellen. Was werden die Schwerpunkte sein?  

Prälatin Natt: Zunächst werde ich in der neuen Synode das Dezernat, für das ich zuständig bin, vorstellen. Als Prälatin bin ich einerseits die geistliche Vertreterin des Bischofs, andererseits leite ich das Dezernat «Theologisches Personal und Gemeindeentwicklung». Neben der Personalverwaltung gehören Aus-Fort- und Weiterbildung der Pfarrerschaft, Sonderseelsorge, Gottesdienst, Kirchenmusik, theologische Grundfragen, Gemeindeentwicklung und Missionarische Dienste in meinen Verantwortungsbereich. Diese Aufgaben waren ehemals auf drei Dezernate verteilt. Ich werde die zuständigen Referentinnen und Referenten vorstellen und dann in weiteren Punkten die Chancen, Herausforderungen und Schwerpunkte der Personalpolitik benennen.  

Kopec: Ab sofort vergibt die Landeskirche 100 Stipendien für Theologiestudierende. Wie funktioniert dieses Programm? 

Prälatin Natt: Theologiestudierenden,  die ihre Sprachprüfungen erfolgreich abgelegt haben, können sich auf ein Stipendium bewerben, das sowohl finanzielle Unterstützung anbietet, als auch inhaltliche Begleitung mit besonderen Angeboten im Gepäck hat. Dazu gehören geistliche Begleitung, Studienfahrten, Praktika und anderes mehr. Keinesfalls sollen zusätzliche Belastungen entstehen, vielmehr wollen wir stärken und entlasten. Wollen zeigen, dass wir Studierende der Theologie in unserer Landeskirche wertschätzen und sie ermutigen möchten. Und wenn sie entdecken, welche Kostbarkeiten die Kurhessische Kirche zu bieten hat, dann, so hoffen wir, werden sie auch gern bei uns in den Pfarrdienst gehen. So verbindet sich mit der Förderung im Studium für die Stipendiaten die Verpflichtung, mit der Anzahl der Jahre, die sie Unterstützung erfahren haben, in Gemeinden unserer Landeskirche tätig zu sein. Das ist für mich zunehmend von Bedeutung. Wenn die starken Jahrgänge von Pfarrerinnen und Pfarrern demnächst in den Ruhestand gehen, brauchen wir Sicherheit, mit wem wir zukünftig rechnen können.

Kopec: Nächste Woche tritt die 13. Landessynode zu ihrer ersten Tagung zusammen. Wie sehen Sie der Zukunft in dieser neuen Periode der Landessynode entgegen?

Prälatin Natt: Mit viel Zuversicht und Freude! Wir haben im Februar bereits kurz getagt und ich hatte den Eindruck, dass eine sehr schöne Aufbruchsstimmung in der neuen Synode herrscht. Und das, obwohl alle wissen,  wieviel Arbeit auf sie zukommt. Die Beschlüsse der Herbstsynode werden uns nun intensiv beschäftigen, aber die neuen Synodalen gehen mit viel Mut und Überzeugung ans Werk. Ich habe den Eindruck, das wird eine kreative und gestalterische Synodenperiode. Jede und jeder hat Lust unsere Landeskirche gut für die Zukunft aufzustellen und daran mitzugestalten.  

Kopec: Schon im letzten Jahr war die Veränderung durch die Flüchtlingskrise in Deutschland und in der Landeskirche ein Thema in der Synode. Welche Auswirkung hat das auf die Landeskirche?  

Prälatin Natt: Es bewegt mich sehr, zu sehen, wie schnell sich in vielen Gemeinden Haupt- und Ehrenamtliche gefunden haben, die sich auf unterschiedlichste Weise einbringen. Als Landeskirche haben wir zwei unserer Freizeithäuser als Wohnraum zur Verfügung gestellt. In vielen Gemeinden werden Unterbringungsmöglichkeiten angeboten. Pfarrhäuser, Gemeindehäuser werden zugerüstet. Menschen übernehmen Patenschaften, viele geben Deutschunterricht, verteilen Kleidung und Essen. Was mich in der letzten Zeit besonders berührt, ist die Information, wie viele Flüchtlinge sich taufen lassen und der evangelischen Kirche angehören wollen. Sie empfinden die große Freiheit des christlichen Glaubens als etwas sehr Kostbares und wollen diesen Glauben endlich leben können. Die Freude, mit der sie Glaubenskurse besuchen und sich im Gemeindeleben einbringen,  lässt für mich den christlichen Glauben noch einmal ganz neu leuchten. In der Christuskirche in Kassel Wilhelmshöhe, zu der ich als Gemeindeglied gehöre, wurden zunächst 13 Menschen getauft, am Ostermontag waren es 20 und der nächste Glaubenskurs läuft bereits. Das beglückt mich und es zeigt, dass wir vor ganz neuen und schönen Herausforderungen als Christengemeinden stehen. Unbedingt gehört dazu auch der Kontakt zu muslimischen Frauen und Männern. Auch da bieten viele schon Möglichkeiten an, zum Beispiel in Begegnungskaffees. In allen Regionen unserer Landeskirche erlebe ich viel Lebendiges und das stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft.   

Kopec: Vielen Dank für das Gespräch!


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