Montag: Montag, 27. November 2006 2006-11-27 2779


Montag, 27. November 2006

 
Der Tagungsort der Landessynode im nordhessischen Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Schauderna)
Der Tagungsort der Landessynode im nordhessischen Hofgeismar. (Foto: medio.tv/Schauderna)


Montag: Bischof Hein ruft zu profiliertem Zeugnis des Glaubens auf

Hofgeismar (medio). Mit dem Bericht von Bischof Prof. Dr. Martin Hein, der in diesem Jahr unter dem Titel «Bekannter Glaube» steht, hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am heutigen Montagvormittag in Hofgeismar ihre Beratungen aufgenommen. In seinem Bericht betonte der Bischof vor den 90 Synodalen, dass der Glaube eine Grund­äußerung des Lebens sei.

Zur Glaubensgewissheit gehöre die feste Zuversicht, dass das, wovon der Glaube spricht, «mir gilt und mein Heil betrifft». Trotzdem sei Glaube nie ausschließlich eine Privatsache, sondern hätte stets auch eine öffentliche Bedeutung. «Es gibt viele Menschen, die geradezu darauf warten, von uns als evangelische Christen zu erfahren, was uns trägt und was uns Orientierung in unserem Leben gibt», sagte Hein.

Jugendliche interessiert an religiösen Fragen

Das Interesse von Jugendlichen für religiöse Fragen habe in den vergangenen Jahren deut­lich zugenommen, referierte der Bischof mit Verweis auf die aktuelle Shell-Jugendstudie. Trotzdem scheine vieles unbekannt geworden zu sein. Religiosität sei offensichtlich nicht mit Konfessionsgebundenheit gleichzusetzen, auch wenn beides naturgemäß zusammengehöre. Hinzu komme, so Hein, dass laut Shell-Studie zwar 69% der Jugendlichen angeben, «sie fänden es gut, dass es die Kirche gibt», fast ebenso viele aber auch der kirchenkritischen Aussage «die Kirche muss sich ändern, wenn sie eine Zukunft haben will» zustimmen. Wolle Kirche ihrem Auftrag treu bleiben und den Menschen heute in ihrer konkreten Situation das Evangelium verkünden, müsse sie sich immer wieder ändern.

Mut machten, so Hein, die vielen Beispiele für erfolgreiche Glaubenszeugnisse in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen, aber auch bei Großveranstaltungen. So gehörten  Glaubenskurse wieder in zahlreichen Gemeinden zum Angebot. Mit großer  Einsatzbereitschaft und Spendenfreudigkeit engagierten sich die Kirchengemeinden bei der Sanierung ihrer Gebäude. Als herausragendes Beispiel nannte Hein die Instandsetzung der Kirche in Nothfelden (Kirchenkreis Wolfhagen).

Glauben öffentlich bekennen / Kritik an Papst Benedikt XVI.

Hein forderte dazu auf, seinen Glauben öffentlich zu bekennen und verwies auf Artikel 4 des Grundgesetzes, in dem die Freiheit des Glaubens und die ungestörte Religionsausübung garantiert wird. Dabei können wir  «gut damit leben, dass auch andere Religionen ihren Glauben öffentlich leben und bekennen», sagte Hein. Wenn Christen Klarheit über ihren eigenen Glauben hätten und ihn selbstbewusst lebten, dann gelinge auch die Begegnung mit dem Islam ohne die trennenden Unterschiede leugnen oder klein reden zu müssen, erklärte der Bischof.

Mit Bedauern stellte Hein fest, dass von der katholischen Kirche in Rom wieder Signale kämen, die einer Klarstellung bedürften. Hein stellte in seinem Bericht klar: Evangelische Christen seien keine «Freunde aus den verschiedenen Traditionen der Reformation», wie sie von Papst Benedikt XVI. während der Ökumenischen Vesper am 12. September im Regensburger Dom begrüßt worden seien, sondern Kirche – und zwar «im eigentlichen Sinn!». Die Reformation sei auch kein Beginn einer Verfallsgeschichte, in der Glaube und Vernunft auseinander brechen würden, sondern vielmehr habe gerade die Reformation die Eigenständigkeit von Glaube und Vernunft betont. Es wäre ein eingeschränktes Verständnis von Vernunft, so Hein, wenn nur vernünftig sei, was der römisch-katholischen Lehre entspreche. Hein betonte, trotz unterschiedlicher Lehre gebe es einen gemeinsamen Glauben  «Wenn wir diesem Glauben – ernsthaft und guten Willen vorausgesetzt – wirklich auf den Grund gehen (...) gewinnen die ökumenischen Dialoge an Tiefgang und gegenseitigem Respekt», so Hein.

Klare Absage an Pfarrstellenabbau

Es sei erstaunlich, so Hein, dass das Impulspapier «Kirche der Freiheit» des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in der öffentlichen Diskussion auf die Frage der Verringerung der Landeskirchen reduziert worden sei. Dabei biete das Papier manche bedenkenswerte Ansätze. Eine klare Absage erteilte Hein jedoch der Forderung des Papiers, die Pfarrstellen deutlich zu reduzieren. «Wir halten es für erforderlich und auch finanzierbar, unser vergleichsweise dichtes Pfarrstellennetz in der Fläche aufrechtzuerhalten,» betonte Hein. «Pfarrerinnen und Pfarrer tragen – ohne dass man gleich von einer »Pastorenkirche« sprechen muss – die wesentliche Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums in Gottesdienst, Seelsorge und Unterweisung», so der Bischof weiter. (27.11.2006)

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Bischofsbericht «Bekannter Glaube»
Bischof Hein ruft zu profiliertem Zeugnis des Glaubens auf

 

Hofgeismar (medio). Mit dem Bericht von Bischof Prof. Dr. Martin Hein, der in diesem Jahr unter dem Titel «Bekannter Glaube» steht, hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am heutigen Montagvormittag in Hofgeismar ihre Beratungen aufgenommen. In seinem Bericht betonte der Bischof vor den 90 Synodalen, dass der Glaube eine Grund­äußerung des Lebens sei.

Zur Glaubensgewissheit gehöre die feste Zuversicht, dass das, wovon der Glaube spricht, «mir gilt und mein Heil betrifft». Trotzdem sei Glaube nie ausschließlich eine Privatsache, sondern hätte stets auch eine öffentliche Bedeutung. «Es gibt viele Menschen, die geradezu darauf warten, von uns als evangelische Christen zu erfahren, was uns trägt und was uns Orientierung in unserem Leben gibt», sagte Hein.

Jugendliche interessiert an religiösen Fragen

Das Interesse von Jugendlichen für religiöse Fragen habe in den vergangenen Jahren deut­lich zugenommen, referierte der Bischof mit Verweis auf die aktuelle Shell-Jugendstudie. Trotzdem scheine vieles unbekannt geworden zu sein. Religiosität sei offensichtlich nicht mit Konfessionsgebundenheit gleichzusetzen, auch wenn beides naturgemäß zusammengehöre. Hinzu komme, so Hein, dass laut Shell-Studie zwar 69% der Jugendlichen angeben, «sie fänden es gut, dass es die Kirche gibt», fast ebenso viele aber auch der kirchenkritischen Aussage «die Kirche muss sich ändern, wenn sie eine Zukunft haben will» zustimmen. Wolle Kirche ihrem Auftrag treu bleiben und den Menschen heute in ihrer konkreten Situation das Evangelium verkünden, müsse sie sich immer wieder ändern.

Mut machten, so Hein, die vielen Beispiele für erfolgreiche Glaubenszeugnisse in den Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen, aber auch bei Großveranstaltungen. So gehörten  Glaubenskurse wieder in zahlreichen Gemeinden zum Angebot. Mit großer  Einsatzbereitschaft und Spendenfreudigkeit engagierten sich die Kirchengemeinden bei der Sanierung ihrer Gebäude. Als herausragendes Beispiel nannte Hein die Instandsetzung der Kirche in Nothfelden (Kirchenkreis Wolfhagen).

Glauben öffentlich bekennen / Kritik an Papst Benedikt XVI.

Hein forderte dazu auf, seinen Glauben öffentlich zu bekennen und verwies auf Artikel 4 des Grundgesetzes, in dem die Freiheit des Glaubens und die ungestörte Religionsausübung garantiert wird. Dabei können wir  «gut damit leben, dass auch andere Religionen ihren Glauben öffentlich leben und bekennen», sagte Hein. Wenn Christen Klarheit über ihren eigenen Glauben hätten und ihn selbstbewusst lebten, dann gelinge auch die Begegnung mit dem Islam ohne die trennenden Unterschiede leugnen oder klein reden zu müssen, erklärte der Bischof.

Mit Bedauern stellte Hein fest, dass von der katholischen Kirche in Rom wieder Signale kämen, die einer Klarstellung bedürften. Hein stellte in seinem Bericht klar: Evangelische Christen seien keine «Freunde aus den verschiedenen Traditionen der Reformation», wie sie von Papst Benedikt XVI. während der Ökumenischen Vesper am 12. September im Regensburger Dom begrüßt worden seien, sondern Kirche – und zwar «im eigentlichen Sinn!». Die Reformation sei auch kein Beginn einer Verfallsgeschichte, in der Glaube und Vernunft auseinander brechen würden, sondern vielmehr habe gerade die Reformation die Eigenständigkeit von Glaube und Vernunft betont. Es wäre ein eingeschränktes Verständnis von Vernunft, so Hein, wenn nur vernünftig sei, was der römisch-katholischen Lehre entspreche. Hein betonte, trotz unterschiedlicher Lehre gebe es einen gemeinsamen Glauben  «Wenn wir diesem Glauben – ernsthaft und guten Willen vorausgesetzt – wirklich auf den Grund gehen (...) gewinnen die ökumenischen Dialoge an Tiefgang und gegenseitigem Respekt», so Hein.

Klare Absage an Pfarrstellenabbau

Es sei erstaunlich, so Hein, dass das Impulspapier «Kirche der Freiheit» des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland in der öffentlichen Diskussion auf die Frage der Verringerung der Landeskirchen reduziert worden sei. Dabei biete das Papier manche bedenkenswerte Ansätze. Eine klare Absage erteilte Hein jedoch der Forderung des Papiers, die Pfarrstellen deutlich zu reduzieren. «Wir halten es für erforderlich und auch finanzierbar, unser vergleichsweise dichtes Pfarrstellennetz in der Fläche aufrechtzuerhalten,» betonte Hein. «Pfarrerinnen und Pfarrer tragen – ohne dass man gleich von einer »Pastorenkirche« sprechen muss – die wesentliche Verantwortung für die Verkündigung des Evangeliums in Gottesdienst, Seelsorge und Unterweisung», so der Bischof weiter. (27.11.2006)


file_download Im Wortlaut:

Lesen Sie hier den Bericht von Bischof Hein im Wortlaut:

Montag: Landesdiakoniepfarrer: Diakonie gehört unabdingbar zur Kirche

Hofgeismar (medio/epd). Mit dem Diakoniebericht von Oberlandeskirchenrat Landespfarrer Dr. Eberhard Schwarz hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am Montagnachmittag ihre Beratungen fortgesetzt. In seinen Ausführungen stellte Schwarz heraus, dass diakonisches Engagement unabdingbar zur Kirche hinzu gehöre. Der Glaube dränge zur Tat, das daraus resultierende Handeln sei eine Erinnerung an die rettende Barmherzigkeit Gottes. Eine Kirche, die nicht diakonisch präsent sei, würde auch nicht «den Christus ihres Glaubens» bezeugen. Deshalb präge die diakonische Präsenz auch das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit.

Soziales darf nicht dem Markt preisgegeben werden

Als ein grundsätzliches Problem, das den bisherigen Sozialstaat verändere, benannte Schwarz die «Freigabe des Sozialen für die Kräfte des Marktes». Der Rückgang der öffentlichen Finanzierungsmittel wirke sich unmittelbar und im vollen Umfang auf die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Träger aus. Da diese Mittel meist detailliert für festgelegte Leistungen erbracht würden, könnten die diakonischen Einrichtungen nicht mehr selbstbestimmt ihre Prioritäten setzen, so Schwarz. Außerdem müsse gewährleistet bleiben, «dass die Mitarbeitenden für ihre anspruchsvolle Tätigkeit in der sozialen Arbeit eine angemessene Vergütung erhalten» und soziale Arbeit perspektivisch für junge Menschen, die vor ihrer Berufswahl stehen, attraktiv bleibt.

Kooperationsprozess auf gutem Weg / Kritik an Hartz IV

Positiv bewertete Schwarz den Kooperationsprozess der beiden Diakonischen Werke in Hessen. Dieser sei auf einem guten Weg, am Ende solle eine Vereinigung stehen. Derzeit würden nach und nach die Facharbeitsgemeinschaften in Kurhessen-Waldeck mit denen in Hessen-Nassau zusammengelegt. Schwarz forderte die beiden evangelischen Kirchen in Hessen auf, ebenfalls ihren Kooperationsprozess voranzutreiben. «Da Diakonie und Kirche aufs Engste zusammengehören, wünschen wir uns, das Diakonische Werk einer Kirche in Hessen zu sein.»

Scharf kritisierte Schwarz ferner die anhaltenden Debatten um Hartz IV. Diese seien verlogen, solange nicht zugegeben werde, dass es zu wenige Arbeitsplätze gebe, in die hinein vermittelt werden könne. Zudem gebe es einen nicht unerheblichen Anteil von Arbeitslosen, die nicht in den ersten Arbeitsmarkt hinein vermittelbar seien.

Vernetzung von professioneller und ehrenamtlicher Arbeit nötig

Um diakonische Arbeit in Zukunft aufrechterhalten zu können, sei eine stärkere Vernetzung von professioneller und ehrenamtlicher Arbeit nötig, so Schwarz weiter. Viele Bereiche, etwa die der Telefonseelsorge oder die Hospizarbeit, seien schon jetzt ohne ehrenamtliches Engagement undenkbar. Doch werde man auch in Zukunft auf eine professionelle Diakonie nicht verzichten können. (27.11.2006)

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Landesdiakoniepfarrer: Diakonie gehört unabdingbar zur Kirche

 

Hofgeismar (medio/epd). Mit dem Diakoniebericht von Oberlandeskirchenrat Landespfarrer Dr. Eberhard Schwarz hat die Landessynode der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am Montagnachmittag ihre Beratungen fortgesetzt. In seinen Ausführungen stellte Schwarz heraus, dass diakonisches Engagement unabdingbar zur Kirche hinzu gehöre. Der Glaube dränge zur Tat, das daraus resultierende Handeln sei eine Erinnerung an die rettende Barmherzigkeit Gottes. Eine Kirche, die nicht diakonisch präsent sei, würde auch nicht «den Christus ihres Glaubens» bezeugen. Deshalb präge die diakonische Präsenz auch das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit.

Soziales darf nicht dem Markt preisgegeben werden

Als ein grundsätzliches Problem, das den bisherigen Sozialstaat verändere, benannte Schwarz die «Freigabe des Sozialen für die Kräfte des Marktes». Der Rückgang der öffentlichen Finanzierungsmittel wirke sich unmittelbar und im vollen Umfang auf die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Träger aus. Da diese Mittel meist detailliert für festgelegte Leistungen erbracht würden, könnten die diakonischen Einrichtungen nicht mehr selbstbestimmt ihre Prioritäten setzen, so Schwarz. Außerdem müsse gewährleistet bleiben, «dass die Mitarbeitenden für ihre anspruchsvolle Tätigkeit in der sozialen Arbeit eine angemessene Vergütung erhalten» und soziale Arbeit perspektivisch für junge Menschen, die vor ihrer Berufswahl stehen, attraktiv bleibt.

Kooperationsprozess auf gutem Weg / Kritik an Hartz IV

Positiv bewertete Schwarz den Kooperationsprozess der beiden Diakonischen Werke in Hessen. Dieser sei auf einem guten Weg, am Ende solle eine Vereinigung stehen. Derzeit würden nach und nach die Facharbeitsgemeinschaften in Kurhessen-Waldeck mit denen in Hessen-Nassau zusammengelegt. Schwarz forderte die beiden evangelischen Kirchen in Hessen auf, ebenfalls ihren Kooperationsprozess voranzutreiben. «Da Diakonie und Kirche aufs Engste zusammengehören, wünschen wir uns, das Diakonische Werk einer Kirche in Hessen zu sein.»

Scharf kritisierte Schwarz ferner die anhaltenden Debatten um Hartz IV. Diese seien verlogen, solange nicht zugegeben werde, dass es zu wenige Arbeitsplätze gebe, in die hinein vermittelt werden könne. Zudem gebe es einen nicht unerheblichen Anteil von Arbeitslosen, die nicht in den ersten Arbeitsmarkt hinein vermittelbar seien.

Vernetzung von professioneller und ehrenamtlicher Arbeit nötig

Um diakonische Arbeit in Zukunft aufrechterhalten zu können, sei eine stärkere Vernetzung von professioneller und ehrenamtlicher Arbeit nötig, so Schwarz weiter. Viele Bereiche, etwa die der Telefonseelsorge oder die Hospizarbeit, seien schon jetzt ohne ehrenamtliches Engagement undenkbar. Doch werde man auch in Zukunft auf eine professionelle Diakonie nicht verzichten können. (27.11.2006)


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Lesen Sie hier den Bericht von Dr. Eberhard Schwarz im Wortlaut: