Aktueller Stand: Reformprozess: «Ein klares Zeichen zum Aufbruch»

Kassel (epd). Die Kirche entdecke den Mut, sich zu konzentrieren und zu fokussieren, sie brauche den Mut, den Gegenwind beim Umbau sensibel wahrzunehmen und auszuhalten, sagt Dieter Fritz mit Blick auf die Reformen der kurhessischen Kirche. Der Synodale aus Kassel zählt zu den rund 350 Interessierten, die zu vier, meist digitalen, Großgruppenkonferenzen eingeladen waren, um darüber zu sprechen, wie die Arbeit der Kirche mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel aussehen kann.

Eingebettet ist dieser Verständigungsprozess in den 2015 gestarteten Reformweg der EKKW, um an der Basis auszuloten, wie sie zukunfts- und handlungsfähig bleiben kann. Fritz hofft, dass seine Kirche den Weg der multiprofessionellen Teams konsequent weitergeht. Ebenso, dass das Pfarrpersonal möglichst im Kompetenzfeld Theologie eingesetzt und nicht mit Aufgaben in Verwaltung und Organisation belegt wird: «Das erfordert den Mut, Aufgaben und Entscheidungskompetenz mit Nichtordinierten zu teilen.» Den Dialog sieht er positiv: «Ich habe eine Menge Kraft und Energie bekommen. In unsere Gemeinde nehme ich mit, dass wir genauer hinsehen, was wir warum machen und wie wir die begrenzten Kräfte richtig einsetzen.»

Auch Nina Wetekam, Fachreferentin für Küsterarbeit und Offene Kirchen der EKKW, ist überzeugt, dass der breit angelegte Diskurs wichtig ist: «Prozesse, die nur von oben angeordnet werden, erzeugen in der Regel Widerstand. Mitgestalten zu können, erzeugt Bindung.» Kirche seien alle Mitglieder, nicht nur die Pfarrerin oder der Pfarrer. Es gelte zudem, über den eigenen Tellerrand zu schauen und Kooperationen zu suchen: «Wo gibt es Menschen, die ihre Fähigkeiten in die Kirchengemeinde einbringen können, auch wenn sie sich bisher noch nicht haben blicken lassen?»

Auch Constantin von Waldthausen aus Gersfeld (Rhön) hat die Einladung zum Austausch angenommen: Der Reformprozess habe ihn neugierig gemacht - auch darauf, wie die Kirchenleitung diesen fördert und begleitet: «Ich möchte gerne Teil der  Mobilisierung unserer Kräfte und unserer Zuversicht sein», sagt der Forstbeamte. Spürbare Triebfeder bei allen sei «nicht die Sorge vor sinkenden Einnahmen, sondern die Sehnsucht nach einer lebenswerten Gemeinschaft».

2022-03-04 34944

Reformprozess: «Ein klares Zeichen zum Aufbruch»

Landessynode berät auf Sondertagung über Zukunft der Kirche

Autorinnenbeitrag
Mitgliederzahlen und Kirchensteuern sinken: Wie kann die Kirche ihren Auftrag in Zukunft erfüllen? Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) hat darauf im Dialog mit etwa 350 Menschen nach Antworten gesucht. Ein Beitrag von Helga Kristina Kothe vom Evangelischen Pressedienst (epd).
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Kassel (epd). Die Kirche entdecke den Mut, sich zu konzentrieren und zu fokussieren, sie brauche den Mut, den Gegenwind beim Umbau sensibel wahrzunehmen und auszuhalten, sagt Dieter Fritz mit Blick auf die Reformen der kurhessischen Kirche. Der Synodale aus Kassel zählt zu den rund 350 Interessierten, die zu vier, meist digitalen, Großgruppenkonferenzen eingeladen waren, um darüber zu sprechen, wie die Arbeit der Kirche mit Blick auf den gesellschaftlichen Wandel aussehen kann.

Eingebettet ist dieser Verständigungsprozess in den 2015 gestarteten Reformweg der EKKW, um an der Basis auszuloten, wie sie zukunfts- und handlungsfähig bleiben kann. Fritz hofft, dass seine Kirche den Weg der multiprofessionellen Teams konsequent weitergeht. Ebenso, dass das Pfarrpersonal möglichst im Kompetenzfeld Theologie eingesetzt und nicht mit Aufgaben in Verwaltung und Organisation belegt wird: «Das erfordert den Mut, Aufgaben und Entscheidungskompetenz mit Nichtordinierten zu teilen.» Den Dialog sieht er positiv: «Ich habe eine Menge Kraft und Energie bekommen. In unsere Gemeinde nehme ich mit, dass wir genauer hinsehen, was wir warum machen und wie wir die begrenzten Kräfte richtig einsetzen.»

Auch Nina Wetekam, Fachreferentin für Küsterarbeit und Offene Kirchen der EKKW, ist überzeugt, dass der breit angelegte Diskurs wichtig ist: «Prozesse, die nur von oben angeordnet werden, erzeugen in der Regel Widerstand. Mitgestalten zu können, erzeugt Bindung.» Kirche seien alle Mitglieder, nicht nur die Pfarrerin oder der Pfarrer. Es gelte zudem, über den eigenen Tellerrand zu schauen und Kooperationen zu suchen: «Wo gibt es Menschen, die ihre Fähigkeiten in die Kirchengemeinde einbringen können, auch wenn sie sich bisher noch nicht haben blicken lassen?»

Auch Constantin von Waldthausen aus Gersfeld (Rhön) hat die Einladung zum Austausch angenommen: Der Reformprozess habe ihn neugierig gemacht - auch darauf, wie die Kirchenleitung diesen fördert und begleitet: «Ich möchte gerne Teil der  Mobilisierung unserer Kräfte und unserer Zuversicht sein», sagt der Forstbeamte. Spürbare Triebfeder bei allen sei «nicht die Sorge vor sinkenden Einnahmen, sondern die Sehnsucht nach einer lebenswerten Gemeinschaft».

Bei digitalen und analogen Konferenzen diskutierten viele Menschen die Zukunft der Kirche. Im Video schildern Teilnehmende aus den Großgruppenkonferenzen und den Fokusgruppen ihre Eindrücke. (Video: Medienhaus der EKKW)

Von Waldthausen wünscht sich «mehr lebensnahe, den Altersgruppen und einer veränderten Arbeits- und Freizeitgestaltung angepasste Formate». Veränderung sei nötig, um künftige Generationen zeitgemäß zu erreichen. Für ihn war das Gespräch «ein klares Zeichen zum Aufbruch, unsere positive Haltung zum Nutzen aller und unserer Kirche einzusetzen».

Ellen Christoforatou, Geschäftsführerin des Zentrums für Lehrerbildung an der Universität Kassel, schätzt die evangelische Kirche als eine offene, hilfreiche und verlässliche Begleiterin und relevante Säule der Gesellschaft: «Deshalb liegt mir die weitere Stärkung und Entwicklung der EKKW am Herzen», erklärt sie ihren Beitrag zum Reformweg.

Die Kirche leiste Großartiges, sagt Christoforatou. Keine andere öffentliche Institution sei in der Lage, Menschen von der Geburt bis in den Tod eine individuelle, wertebasierte Lebensbegleitung anzubieten. Dieses Alleinstellungsmerkmal werde zu wenig wahrgenommen: «Ich werbe dafür, dass Kirche ihre Alltagstauglichkeit noch stärker sichtbar macht, indem sie ihre wertvollen Angebote so präsentiert und weiterentwickelt, dass ihre Relevanz noch besser zur Geltung kommt.»

Die Geschäftsführerin des EKKW-Reformprozesses, Pfarrerin Eva Hillebold, ist zufrieden mit Verständigungsprozess, der sich  mit diversen Formaten an unterschiedliche Zielgruppen der Gesellschaft, auch an Kirchenferne, richtete: «Es gab viele positive Rückmeldungen.» Ihr Ziel: Andere Perspektiven wahrnehmen, ins Gespräch bringen und ein Fundament für Weiterentwicklung schaffen. Die Ergebnisse werden auf einer Sondertagung der Landessynode am Samstag, 5. März, vorgestellt und sollen in Beschlüsse für die Umsetzung münden. (04.03.2022)


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Sonderseiten zum Reformprozess, was der Verständigungsprozess zum «Auftrag der Kirche» ist, wie alles begonnen hat und wo wir gerade stehen bis hin zu Beteiligungsmöglichkeiten. ... mehr

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