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Foto: Markenzeichen der Evangelischen Akademie Hofgeismar: Das Schlösschen Schönburg, in das die Akademie im Jahr 1952 einzog. Zuvor wurde sie in Guntershausen nahe Kassel gegründet. (Foto: Markus Löschner) Markenzeichen der Evangelischen Akademie Hofgeismar: Das Schlösschen Schönburg, in das die Akademie im Jahr 1952 einzog. Zuvor wurde sie in Guntershausen nahe Kassel gegründet. (Foto: Markus Löschner)

70 Jahre Evangelische Akademie Hofgeismar

Hofgeismar (medio/epd). Die Evangelische Akademie Hofgeismar hat am vergangenen Samstag (16.9.) das 70. Jahr ihres Bestehens gefeiert. Im Jahr 1947 mit Sitz in Guntershausen gegründet, ist sie seit 1952 auf dem Gelände des Gesundbrunnens in Hofgeismar zuhause. Mit einer Feier und einem Festakt und 200 Gästen wurde das Jubiläum am Samstag, 16. September, begangen.

2017-09-18
Von Gott zu sprechen und dabei die Welt auch in ihrer Abkehr von Gott wahrzunehmen, ist nach Worten des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Dr. Martin Hein, eine unaufgebbare Aufgabe Evangelischer Akademien. Der Glaube müsse sich hier im offenen Diskurs bewähren, sagte Hein in einer Andacht anlässlich der Feierlichkeiten. Diese Orientierung schamhaft zu verschweigen, wäre das Ende Evangelischer Akademien.

Eine Evangelische Akademie müsse zudem immer auf der Höhe der Zeit sein, so der Bischof. Dies sei manchmal sehr anstrengend, weil es Kenntnisse und ein eigenständiges Urteil voraussetze. Wer zum Dialog einlade, müsse wissen, wovon er rede und offen sein für die Kraft anderer Argumente. Schwerer noch sei es, die Rede von Gott und von der Hoffnung auf Gottes Reich einzubringen, da religiöse Rede bei denen, die sich die Freiheit des Geistes auf ihre Fahnen geschrieben hätten, manchmal abständig wirke.

«Die Akademie ist für aktuelle Debatten ein Forum und steht für eine konstruktive Diskussionskultur», sagte Akademiedirektor Karl Waldeck beim anschließenden Festakt. In diese Debatten fließe auch die Perspektive des christlichen Glaubens ein. Auch wenn die Veranstaltungen vom wissenschaftlich orientierten Gespräch geprägt seien, so wende sich das Programm an alle Bevölkerungsschichten, so der Direktor. Auch in Zukunft werde sich die Akademie den aktuellen Themen der Zeit widmen, sagte Waldeck weiter. Dazu gehörten Themen wie Nachhaltigkeit, Globalisierung, Ökologie und soziale Gerechtigkeit. Außerdem nehme die Akademie in ihren Veranstaltungen den Dialog zwischen den Religionen und der Frage nach der Bedeutung des Glaubens in der Gesellschaft in den Blick.

  Den Festvortrag zum Jubiläum hielt Prof. Dr. Jochen Hörisch von der Universität Mannheim. Der Literaturwissenschaftler ging auf die Paradoxien im Christentum und im Besonderen bei Luther ein und lobte die Akademie dafür, dass sie solche Widersprüche in ihren Tagungen thematisiere, teilte Christine Lang-Blieffert, Öffentlichkeistreferentin der Akademie mit. «Die Akademie ist die organisierte Resonanz der Gesellschaft und lotet den Raum aus zwischen Athen und Jerusalem, zwischen weltlicher und kirchlicher Perspektive», sagte Hörisch.
 

Stichwort: Evangelische Akademie Hofgeismar

Die Evangelische Akademie Hofgeismar mit heute 15 Mitarbeitenden wurde wie die meisten der 17 Evangelischen Akademien in Deutschland unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg unter der Leitung von Pfarrer Dr. Hans-Rudolf Müller-Schwefe (1910-1986) gegründet und sollte im Geist des Evangeliums einen Neuanfang bieten. Dazu sollte Menschen unterschiedlicher Herkunft ein sogenannter dritter Ort angeboten werden, ein Ort für Dialog und Kontroversen über die Fragen der Zeit. (18.09.2017)

Impressionen:

(Alle Fotos: medio.tv/Socher)