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Foto: Bischof Prof. Dr. Martin Hein (V.l.n.r.), Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Dekan Ralf Gebauer vor dem Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden. (Foto: medio.tv/Schauderna) Bischof Prof. Dr. Martin Hein (V.l.n.r.), Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Dekan Ralf Gebauer vor dem Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden. (Foto: medio.tv/Schauderna)

Bischof Hein beeindruckt von kirchlicher Verbundenheit in Schmalkalden
Bischofsvisitation im Kirchenkreis Schmalkalden

Schmalkalden (medio). Vier Tage, 19 Programmpunkte, insgesamt 34 Stunden Besuchsprogramm, Begegnungen mit etwa 750 Personen – so gestaltet sich die Statistik zur Visitation von Bischof Prof. Dr. Martin Hein im Kirchenkreis Schmalkalden. Hinter diesen Zahlen verbergen sich intensive Gespräche mit Pfarrern, haupt- ehrenamtlichen Mitarbeitern, Bürgermeistern, Landräten und Wirtschaftsvertretern sowie Vorträge und Gottesdienste. Insgesamt sei man im Kirchenkreis mit dem Verlauf der Visitation äußerst zufrieden, so Dekan Ralf Gebauer. Alle Beteiligten waren dankbar, dass Bischof Hein und Pröpstin Sabine Kropf-Brandau mit großer Aufmerksamkeit die kirchliche und kommunale Situation im Kirchenkreis wahrgenommen haben und für die jeweiligen Anliegen der Gesprächspartner offen waren.

2017-08-21

Im Gespräch mit Ehrenamtlichen, Hauptamtlichen und Unternehmen

Auftakt der Visitation war am vergangenen Donnerstag (17.8.) ein Gespräch mit den Mitgliedern der Pfarrkonferenz, bei der Perspektiven kirchlicher Arbeit in einer zunehmend konfessionslosen Gesellschaft ausgelotet wurden. Im Anschluss kamen Bischof Hein und die weiteren Delegationsmitglieder mit Ehrenamtlichen der Schmalkalder Tafel zusammen. Das Projekt «Tafel trifft Flüchtlinge», das von der Landeskirche finanziell unterstützt wird, habe nicht nur dazu beigetragen, dass es zu keinen größeren Konflikten zwischen Einheimischen und Flüchtlingen kam, es arbeiten inzwischen sogar Flüchtlinge als Ehrenamtliche mit, so der Dekan weiter. Der Besuch im Elisabethklinikum habe deutlich gemacht, wie stark die Einrichtung in der Region vernetzt sei, so der Dekan weiter. Pröpstin Sabine Kropf-Brandau zeigte sich begeistert: «Das waren zwei richtig interessante Stunden. Da haben wir gelernt wie Netzwerke richtg gut funktionieren. Die Klinik kooperiert unter anderem mit dem Fachbereich Elekrtotechnik und beide entwickeln gemeinsam neue Medizintechnik.» Im Kirchenkreisvorstand standen u.a. die kommenden Herausforderungen im Fokus des Austauschs. Dazu gehört u.a. ein Zuwachs an Verantwortung, die der  Kirchenkreis durch die Beschlüsse der Landessynode bekommt, so Dekan Gebauer.

Ein Höhepunkt der Visitation war am Freitag (18.8.) der Besuch bei der Arnold AG in Herges-Hallenberg. Der Metallbaubetrieb macht inzwischen ca. 40 Prozent seines Umsatzes mit der Herstellung von Kunstwerken aus Edelstahl, die der international bekannten Künstler Jeff Koons dort herstellt. Für Bischof Martin Hein war das sehr überraschend, dass die Firma nicht nur Schaltkästen baut: «Wenn sie sehen, wie die Kunstwerke entstehen, streng nach Koons Vorgaben, fühlen Sie sich, wie in einem Museum im Prozess mitten im Thüringer Wald. 30 seiner Kunstwerke werden dort schon hergestellt.» Anschließen besuchte die Delegation ein Drogenpräventionsprojekt der Jugendarbeit im Kirchenkreis, mit dem junge Menschen über die Folgen von Drogenkonsum aufgeklärt und deren Selbstwertgefühl gestärkt werden soll, erklärte Dekan Gebauer. Eine weitere Stationen am Freitag war eine kommunale Kindertagesstätte, in der der Bischof sich über die frühkindliche christliche Erziehung informierte. Außerdem erfuhr die Delegation um Hein, welche Herausforderung der Erhalt von zwei Kirchengebäuden in einem kleinen Dorf darstellt. Der Tag schloss mit einem Gespräch mit Bürgermeistern und Landräten. In der Jurte des Kirchenkreises, die im Garten des Dekanshauses aufgebaut war, kam man bei Leckereien vom Grill ins Gespräch.

Im Gespräch mit den Laienmitgliedern der Kreissynode am Samstag (19.8.) war ein zentrales Thema die hohe Wertschätzung, die der Einsatz der Pfarrerinnen und Pfarrer im Religionsunterricht genießt. Die Gestaltung des Zukunftsprozesses, die Sorge um den Erhalt der Pfarrstellen sowie Anregungen für den verstärkten Einsatz von Gemeindepädagogen waren weitere Themen. Der Samstagnachmittag begann mit einem Besuch im Iwein-Keller des Schmalkalder Hessenhofes, in dem die die ältesten profanen Wandmalereien nördlich der Alpen zu sehen sind. Mit einem Rundgang durch die neue Dauerausstellung auf Schloss Wilhelmsburg schloss sich die Beteiligung des Bischofs im Rahmen des Kunstprojekts «Beherrsch mich!! – Die Schmalkalder Antithesen in 15 Lebensfragen» an. Zu der Leitfrage «Wieviel zählt, was ich kann?» legte er zwei Bilder der temporären Installation theologisch aus und stellte die Beziehung zur Frage her, welches Gewicht menschliche Werke vor Gott haben. Der Tag klang in der Evangelischen Familienbildungsstätte am Seimberg in Brotterode aus. Dort traf der Bischof auf christliche Motorradfahrer, die zu einer Freizeit unter dem Motto «Reformation er-fahren» unterwegs waren.

Der Bikergottesdienst am Sonntag (20.8.) nahm die am Abend begonnenen Gesprächsfäden wieder auf. Den Abschluss fand die Visitation beim Jakobusfest der Kirchengemeinde Fambach, das zum 400. Jubiläum der Kirche unter dem Motto «Wie hältst Du’s mit dem Glauben?» ausgerichtet wurde. Im gut besuchten Gottesdienst predigte der Bischof über den Zweifler Thomas. Beim anschließenden Fest gab es weitere vielfältige Gesprächsmöglichkeiten.

  Eine Frage tauchte während der Visitation immer wieder auf, erklärte Pröpstin Kropf-Brandau gegenüber der landeskirchlichen Medienagentur «medio»: «Was habe ich davon, dass ich Kirchenmitglied bin und wie gehe ich mit den Menschen um, die kein Interesse an Kirche haben oder noch nie hatten.» Bischof Hein ergänzte: «In Schmalkalden gibt es eine hohe kirchliche Verbundenheit bei den Gläubigen. Viele haben dadurch in der Vergangenheit auch Nachteile in Kauf genommen. Mir ist noch einmal deutlich geworden, dass auch 28 Jahre nach der Grenzöffnung die Wunden nicht vernarbt sind - sie sind sichtbar», so Hein. Manchen Gläubigen wurde z. B. eine Ausbildung verwehrt, nur weil sie nicht zur Jugendweihe, sondern zum Konfirmandenunterricht gegangen sind. «Man kann das Engagement dieser Menschen nicht hoch genug schätzen. Sie standen für ihren Glauben ein. Das sind Lebenssituationen, die wir uns im Westen nie haben vorstellen können», sagte der Bischof anerkennend. Beeindruckt hatten Hein auch die Motoradfahrerinnen und -fahrer: «Das ist eine eingeschworene Gemeinschaft, in der viele aufeinander Rücksicht nehmen. So sollte Kirche immer sein.» (21.08.2017)