Foto: Brachten Hilfe für Flüchtlinge in den Libanon: Bischof Martin Hein (l.) und Dekan Martin Lückhoff (r.) übergaben Bischof Hazim Ghattas (Rum-Orthodoxe Kirche) medizinisches Gerät. (Foto: privat) Brachten Hilfe für Flüchtlinge in den Libanon: Bischof Martin Hein (l.) und Dekan Martin Lückhoff (r.) übergaben Bischof Hazim Ghattas (Rum-Orthodoxe Kirche) medizinisches Gerät. (Foto: privat)

medio-Interview nach Libanonreise
Bischof Hein plädiert für höhere Flüchtlingskontingente

Kassel (medio). Während einer Libanonreise machte sich der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck vom 13. bis zum 17. September 2014 ein Bild von der aktuellen Lage vor Ort. Nach seiner Rückkehr schilderte Hein, der Christen aus der rum-orthodoxen Kirche im Libanon und in Syrien besuchte, ein Gefühl großer Hilflosigkeit angesichts der Auseinandersetzungen in Syrien, im lrak und im Libanon. Viele Menschen sähen kaum noch Hoffnung, in der Region ein Leben als Christen führen zu können. Der Bischof stellte im Interview mit der landeskirchlichen Medienagentur «medio!» fest: «Wir haben es mit einem fortschreitenden Exodus von Christen aus dem Gebiet zu tun, das einmal das Ursprungsgebiet des Christentums gewesen ist.»

Der Bischof überreichte während der Reise, bei der er vom Dekan des Kirchenkreises Hanau und Vorsitzenden des landeskirchlichen Antiochia-Ausschusses, Dr. Martin Lückhoff, begleitet wurde, Hilfsgüter und suchte das Gespräch mit syrischen Flüchtlingen.

Hein: Es ist notwendig, dass Deutschland mehr Flüchtlinge aufnimmt

Allein im Libanon hätten bereits 1,5 Mio. syrische Flüchtlinge Zuflucht gefunden, berichtete Bischof Hein im Interview weiter. 10 Prozent von ihnen seien Christen. Der Libanon selbst habe aber nur 4,5 Mio. Einwohner und sei daher kaum in der Lage, der Situation Herr zu werden. Für die Flüchtlinge gebe es keine dauerhaften Perspektiven in dem Land. «Das Einzige, was diese Menschen wollen, ist aus dem Libanon in andere Länder zu kommen. Und natürlich ist Deutschland ein besonders begehrtes Ziel», so Hein wörtlich. Die Diskussion über die Flüchtlingskontingente, die in Deutschland geführt werde, sei angesichts der Situation im Libanon «geradezu ein Witz». Es sei notwendig, dass Deutschland höhere Flüchtlingskontingente aus Syrien und dem Libanon aufnehme. Christliche Flüchtlinge sollten dabei in angemessener Weise berücksichtigt werden.

Für den Frieden beten und landeskirchliche Syrienhilfe unterstützen

Auf die Frage, was Menschen in den Gemeinden tun können, um den Menschen zu helfen zu helfen antwortet Hein: «Zunächst einmal das, was wir als Christen tun: inständig für den Frieden beten.» Der Wunsch der christlichen Kirchen im Orient sei ganz ausdrücklich «Please pray for us». Hein regte an, das Schicksal der Menschen im Vorderen Orient jeden Sonntag im Fürbittengebet vor Gott zu bringen.

Natürlich seien die Menschen auch auf Zuwendungen angewiesen, denn es mangele an Möglichkeiten, sofort und spontan helfen zu können: «Es geht darum, Menschen in unmittelbarer Not, die nichts mehr haben, ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen.» Dafür habe die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck die Syrienhilfe eingerichtet. Hein rief die Gemeindeglieder dazu auf, für die Syrienhilfe zu spenden, «damit unbürokratische Hilfe möglich ist.» (19.09.2014)

Weitere Foto-Eindrücke von der Besuchsreise

Nachgefragt...

Das Interview führte der Leiter des Medienhauses der EKKW, Pfarrer Christian Fischer, am 18.9.2014 in Kassel.

«Fischer: Herr Bischof, Sie haben in den letzten Tagen den Libanon besucht. Was sind die wichtigsten Eindrücke von Ihrer Reise?

Bischof Hein: Ich komme zurück mit einem Gefühl großer Hilfslosigkeit. Ich bin vielen Menschen begegnet, die angesichts der Auseinandersetzungen in Syrien, aber auch im Irak, ja im Libanon selbst, kaum noch Hoffnung sehen, für sich und für ein Leben als Christen in dieser Region. Wir haben es mit einem fortschreitenden Exodus von Christen aus dem Gebiet zu tun, das einmal das Ursprungsgebiet des Christentums gewesen ist.

Fischer: Was macht das Leben für Christen dort so aussichtslos?

Bischof Hein: Christen befinden sich immer zwischen allen Stühlen. Die Auseinandersetzungen in der Region sind neben bestimmten politischen Interessen auch bestimmt von dem religiösen Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten. Und dieser Konflikt reicht weit hinein bis in den Libanon. Man muss ganz deutlich sagen: Die Christen nehmen weder für die eine noch für die andere Seite Partei und geraten deswegen genau zwischen die Fronten.»

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Nachgefragt:

Lesen Sie hier das gesamte Interview mit Bischof Hein im Wortlaut:

Zum Interview...

Internetradio:

Bischof Martin Hein hat mit dem Leiter des Medienhauses der EKKW, Pfarrer Christian Fischer, über den Besuch im Libanon gesprochen:

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Aufruf:

Lesen Sie hier einen Aufruf des Höchsten Rates der Evangelischen Gemeinden in Syrien und im Libanon an alle evangelischen und protestantischen Kirchen und Organisationen weltweit:

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