Foto: Bischof Martin Hein (l.) im Interview mit dem Leiter des Medienhauses der EKKW, Pfarrer Christian Fischer (Foto: medio.tv/Schauderna) Bischof Martin Hein (l.) im Interview mit dem Leiter des Medienhauses der EKKW, Pfarrer Christian Fischer (Foto: medio.tv/Schauderna)

medio-Sommerinterview 2016 mit Bischof Hein

Kassel (medio). Was hilft angesichts der Terroranschläge gegen die Angst und wie steht es um die Demokratie in Europa? Wie schätzt der Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck die Stimmungslage in Hessen nach der Aufnahme von Flüchtlingen ein? In einem Interview mit der landeskirchlichen Medienagentur «medio» hat Bischof Prof. Dr. Martin Hein kurz vor seinem Sommerurlaub zu diesen und weiteren aktuellen Fragen Stellung genommen. Hein berichtet in dem Interview auch, wie die Landeskirche das Jahr des Reformationsjubiläums 2017 feiern wird und was ihm als Mitglied im Deutschen Ethikrat in diesem Gremium zurzeit besonders am Herzen liegt.

Das Interview führte der Leiter des Medienhauses der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Pfarrer Christian Fischer, am 26. Juli 2016 in Kassel.

Lesen Sie hier das Interview im Wortlaut:

Fischer: Herr Bischof, ein Amoklauf in München, Anschläge in Würzburg, in Nizza, in Ansbach und in einer Kirche in Frankreich. Wird die Welt immer unsicherer?

Bischof Hein: Es scheint so, obwohl statistisch gesehen die Gefahr, durch andere Umstände ums Leben zu kommen, sehr viel größer ist. Aber das ändert nichts daran, dass wir es mit einer massiven Folge von zum großen Teil auch religiös motivierten Anschlägen zu tun haben, die uns Sorge machen.

Fischer: Die Grenzen, die man zwischen Terror und Amoklauf gezogen hat, scheinen immer mehr zu verschwimmen, die Angst aber bleibt. Wie mit dieser Angst umgehen?

Bischof Hein: Gegen die Angst hilft zunächst nur eines: realistisch hin zu schauen. Nicht alles kann im Leben abgesichert werden. Es ist völlig falsch, sich jetzt von öffentlichen Plätzen fern zu halten. Das würde unser Leben in eine Nische drängen, die unserem gesamten Lebensgefühl vollkommen widerspricht. Auf der anderen Seite ist es notwendig, deutlicher Polizeipräsenz zu zeigen, um damit eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Aber wir müssen ganz klar sagen: Eine letzte Sicherheit gibt es angesichts des entschlossenen Willens von Menschen, andere umzubringen, nicht. Die gibt es weder in Deutschland noch in Frankreich noch angesichts der oft ganz anders motivierten Attentate in den USA.

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