Zudem fordert die EMS, die Grundlagen für ein friedliches Zusammenleben zu schaffen und die Menschenrechte zu wahren, heißt es in einer Mitteilung aus der vergangenen Woche. Die Organisation mit Sitz in Stuttgart zeigt sich besorgt über die Massenflucht aus dem verwüsteten Südlibanon, das Leid im Gazastreifen und die zunehmende Siedlergewalt im Westjordanland. Davon seien auch viele Partnerkirchen betroffen. Rechtsextreme Kräfte in der israelischen Regierung förderten ein Klima des Hasses.
Kritik an israelischer Haftpraxis
Die EMS kritisiert den Einsatz der sogenannten Administrativhaft durch israelische Behörden scharf. Dabei werden Menschen ohne Anklage inhaftiert. Die Organisation fordert die Freilassung von Natalie Abu Dayyeh, einer evangelisch-lutherischen Christin aus Ramallah. Sie sei nach Angaben der EMS gemeinsam mit anderen Studentinnen nachts aus einem Studentenwohnheim heraus verhaftet worden.
Gleichzeitig verurteilt die EMS die Gewalt militanter Gruppen wie der Hamas und der Hisbollah. Diese habe großes Leid über die Region gebracht. Die notwendige Entwaffnung solcher Organisationen könne nur durch eine Stärkung internationaler Mechanismen wie der UN-Mission UNIFIL gelingen.
Der Fall Natalie Abu Dayyeh

Natalie Abu Dayyeh ist eine evangelisch-lutherische Christin aus Beit Jala bei Bethlehem. Nach Informationen von Pfarrer Dr. Andreas Götze vom Zentrum Oekumene der EKHN und EKKW wurde sie am 2. Juni gegen 2 Uhr nachts gemeinsam mit weiteren Studentinnen vom israelischen Militär in einem Studierendenwohnheim in Birzeit bei Ramallah festgenommen. Abu Dayyehs Familie gehört nach Götzes Angaben seit Generationen zur evangelisch-lutherischen Gemeinde in Beit Jala. Sie ist Absolventin der deutsch-palästinensischen Schule Talitha Kumi und Studentin der Medien- und Kommunikationswissenschaften an der Birzeit-Universität.
Bischof Dr. Imad Haddad von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL) forderte in einer Erklärung vom 2. Juni ihre sofortige Freilassung. Die Kirche stehe solidarisch an der Seite der Familie sowie der Gemeinden in Beit Jala und Birzeit. In der Erklärung heißt es: „We are deeply shocked and horrified by this news.“
Nach Angaben Götzes wurde ein für den 9. Juni angesetzter Gerichtstermin im Ofer-Gefängnis bei Ramallah, in dem sich Natalie Abu Dayyeh befinden soll, verschoben. Die Familie habe Abu Dayyeh bis dahin nicht persönlich sehen können. Götze sieht den Fall als Beispiel dafür, dass auch christliche Familien und Gemeinden von der angespannten Lage im Westjordanland unmittelbar betroffen sind. Zugleich verweist er auf die Kritik an der sogenannten Administrativhaft, bei der Menschen vom israelischen Militär ohne Anklage festgehalten werden können.
Appell an die Bundesregierung
An die deutsche Politik richtet die EMS die Forderung, vorhandene Handlungsmöglichkeiten beherzter zu nutzen. Dazu gehöre eine völkerrechtlich fundierte Bewertung der Kämpfe. Außerdem müssten die deutschen Gesetze zum Export von Rüstungsgütern konsequent angewendet werden.
www.ems-online.org

Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) e.V. ist eine Gemeinschaft von Kirchen und Missionsgesellschaften auf drei Kontinenten. 25 evangelische Kirchen und fünf Missionsgesellschaften in Europa, Afrika, Asien und dem Nahen Osten bilden ein internationales Netzwerk langfristiger Partnerschaften. In Deutschland gehören der EMS die evangelischen Landeskirchen in Baden, Hessen und Nassau, Kurhessen-Waldeck, der Pfalz und Württemberg sowie die Evangelische Brüder-Unität (Herrnhuter Brüdergemeine) und die Deutsche Ostasienmission (DOAM), die Basler Mission – Deutscher Zweig (BMDZ) und der Evangelische Verein für die Schneller Schulen (EVS) an.
