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Mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher waren am Sonntag beim Hessentagsgottesdienst auf dem Fuldaer Domplatz mit dabei.

Mehr als 6.000 Besucherinnen und Besucher waren am Sonntag beim Hessentagsgottesdienst auf dem Fuldaer Domplatz mit dabei.

Fulda / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 15 Jun 2026

Einheit wachse dort, wo das Verbindende tiefer reiche als das Trennende, wo Menschen einander zuhören, Unterschiede ernst nehmen und gemeinsam Verantwortung übernehmen, so Hofmann und Gerber. Sichtbar werde diese Haltung auch im gemeinsamen ökumenischen Kirchenprogramm, mit dem das Bistum Fulda, die EKKW und die EKHN den Hessentag in Fulda erstmals gemeinsam gestalten. Mit dem großen Gottesdienst setzten die Kirchen einen zentralen geistlichen Akzent.

Ausgangspunkt der Predigt war die Erfahrung der ersten Christinnen und Christen, die in der Apostelgeschichte als „ein Herz und eine Seele“ beschrieben wird. Hofmann und Gerber betonten zugleich: Diese Gemeinschaft war kein konfliktfreier Idealzustand. Um das „Im Herzen eins sein“ müsse immer wieder gerungen werden.

Bischöfin Dr. Beate Hofmann (EKKW) und Bischof Dr. Michael Gerber (Bistum Fulda)

Bischöfin Dr. Beate Hofmann (EKKW) und Bischof Dr. Michael Gerber (Bistum Fulda)

Was Menschen verbindet: Vertrauen und Nähe

Bischöfin Hofmann verband das biblische Motiv mit Erfahrungen aus Freundschaft, Ehe und anderen nahen Beziehungen. Nähe lebe von Vertrauen und gegenseitiger Stärkung, komme aber nicht ohne Unterschiedlichkeit aus. „Im Herzen eins sein, das braucht auch Raum für Unterschiedliches in aller Gemeinsamkeit“, sagte Hofmann.

Gerber griff diesen Gedanken auf und sprach von Beziehungen „von Herz zu Herz“, die Menschen gerade in herausfordernden Zeiten tragen können. „Ohne diese Erfahrungen und Herzensmomente hätte ich meinen Weg so nicht gehen können“, sagte er mit Blick auf seine Krebserkrankung im vergangenen Jahr. Anhand der Emmaus-Jünger und von Glaubenszeugen wie Bonifatius machte Gerber deutlich: Christliche Gemeinschaft lebt nicht vom Einzelkämpfertum, sondern von tragenden Beziehungen.

Hessentagsgottesdienst am Sonntag auf dem Domplatz: Vor mehr als 6.000 Besucherinnen und Besuchern deuteten Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Bischof Dr. Michael Gerber in ihrer dialogischen Predigt das Leitwort „Im Herzen eins“ als Auftrag für Kirche und Gesellschaft.

Hessentagsgottesdienst auf dem Domplatz: Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Bischof Dr. Michael Gerber deuteten in ihrer dialogischen Predigt das Leitwort „Im Herzen eins“ als Auftrag für Kirche und Gesellschaft.

Gemeinsam ökumenisch unterwegs

Diese Perspektive übertrugen Hofmann und Gerber auf das Verhältnis der Kirchen. Hofmann erinnerte daran, dass evangelische und katholische Christinnen und Christen über Jahrhunderte durch unterschiedliche Lehrmeinungen, verschiedene Gottesdienstformen, Machtinteressen und kulturelle Unterschiede getrennt waren. Auch gewaltsame Auseinandersetzungen gehörten zu dieser Geschichte. Gerade vor diesem Hintergrund gewinne die gemeinsame ökumenische Erfahrung besonderes Gewicht: „Das, was uns verbindet, ist viel wichtiger als das, worin wir uns unterscheiden“, sagte Hofmann.

Gerber nahm diesen Gedanken mit Blick auf die gewachsene ökumenische Beziehung auf. Dass die Kirchen trotz einer langen Geschichte der Trennung und wechselseitiger Verletzungen heute Beziehungen „von Herz zu Herz“ lebten, sei für ihn ein Hinweis auf das Wirken des Heiligen Geistes. „Trennung und Spaltung haben nicht das letzte Wort, Gottes Geist überwindet Grenzen“, sagte der Bischof. Unterschiede könnten das Miteinander bereichern, wenn sie nicht gegeneinander ausgespielt würden.

Unterschiede aushalten, Zusammenhalt bewahren

Aus dieser ökumenischen Erfahrung heraus weiteten Hofmann und Gerber den Blick auf die Gesellschaft. Viele Menschen sehnten sich nach Gemeinschaft statt Streit und nach Zusammenhalt statt Egoismus, sagte Hofmann. Zugleich dürfe Einheit nicht mit Gleichförmigkeit verwechselt werden.

Gerber beschrieb die ökumenische Erfahrung der Kirchen als Botschaft in einer polarisierten Zeit. Gesellschaft brauche Debatte, Kritik, Streitkultur und den Wettstreit um die richtigen Ideen. Entscheidend sei, dass Verschiedenheit nicht in Spaltung umschlage.

Gemeinsame Werte als Fundament

Als gemeinsame Grundlage benannten Hofmann und Gerber, was Menschen und Kirchen tiefer verbindet als das, was sie unterscheidet: die Würde jedes Menschen, die Bewahrung der Schöpfung für künftige Generationen und den Glauben, dass jeder Mensch von Gott geschaffen, geliebt und beauftragt ist.

Gelebte Ökumene beim Hessentag

Was Hofmann und Gerber in ihrer Predigt entfalteten, wird beim Hessentag auch über den Gottesdienst hinaus sichtbar. Das gemeinsame Programm von Bistum Fulda, EKKW und EKHN zeigt eine gelebte Ökumene: in gemeinsamer Vorbereitung, an gemeinsamen Orten, in geteilter Verantwortung und gemeinsamem Handeln – in Gottesdiensten und Andachten, in Musik und Kultur, in Begegnung und Gespräch, in Segen und Seelsorge, sozialem Engagement und gastfreundlicher Präsenz mitten im Hessentagsgeschehen.

Segensgondel im Riesenrad

Auf dem Hessentag 2026 in Fulda gibt es eine Segensgondel im Riesenrad. Mit einer kirchlichen Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter steigt man gemeinsam ein und man lässt sich während der Fahrt einen persönlichen Segen zusprechen. Warum Pfarrer Bernd Spriestersbach auch mit seiner Frau in diese Gondel steigen will, erzählt er hier.

Vier Orte – ein Herz

Während des Hessentags gestalten die Kirchen vier besondere Orte, die alle das Herz als Symbol für Verbundenheit tragen:

Die „Herzmitte“ (Stadtpfarrkirche, Unterm Heilig Kreuz 1): Das pulsierende Zentrum der Hessentagskirche. Hier erleben Gäste wechselnde Multimedia-Inszenierungen: „Herzdame“ und „Herzkönig“. In der Live-Performance „Herzdame“ agiert die Musicaldarstellerin Debora Ochoa in verschiedenen Rollen, meisterhaft begleitet von Maurice Ravels legendärem „Bolero“, der sich Schlag für Schlag in einen modernen Pop-Song verwandelt. Multi-Screen-Video-Installationen, eigens entwickelte Musik sowie Licht- und Klangräume verbinden sich zu einer emotionalen Erlebniswelt, erläutert der dafür verantwortliche, renommierte Frankfurter Künstler Parviz Mir-Ali. Zudem strukturieren tägliche Orgelmusik (13.15 Uhr), Posaunenserenaden (17.15 Uhr) und der besinnliche „ImPuls zur Nacht“ (22.15 Uhr) den Tag.

Die „Himmelsbühne Herzklang“ (Fulda-Auen, St.-Laurentius-Straße): Ein Programm von über 67 Open-Air-Events und Konzerten wartet hier auf die Besucher. Auf der Himmelsbühne wird es Konzerte, Beiträge und ein Familienprogramm geben – mitgestaltet von Gemeinden, Chören, Bands, kirchliche Gruppen, Jugend- und Seniorenteams. Zahlreiche bekannte Künstlerinnen und Künstler versprechen gute Unterhaltung bei freiem Eintritt, unter anderem Marco Michalzik + Jonnes, das Musikkabarett Duo Camillo, Kindermusiker Herr H. und Liedermacher Clemens Bittlinger.

Die „Herzzeit“ (Severikirche, Severiberg 3): Wer eine Oase der Ruhe abseits des bunten Trubels sucht, findet hier seinen Platz zum Durchatmen. Sanfte Impulse aus Musik und Wort schenken Momente der Besinnung. Direkt hinter der Kirche lädt das Antoniuscafé mit Kaffee, Kuchen und einer Kinderecke zum Verweilen ein. Puppenspieler Andreas Wahler führt ein Programm für Kinder auf.

Der „Herzblick“ (Am Riesenrad, Am Rosengarten 5): Ein ganz besonderes Angebot ist der tägliche Segen im Riesenrad. Von 15 bis 19 Uhr (sowie beim Nacht-Special am Samstag, 20. Juni, von 19 bis 21 Uhr) können Fahrgäste in einer Segensgondel hoch über den Dächern einen persönlichen Segen empfangen.

Das Kirchenprogramm auf dem Hessentag beginnt am Freitag, 12. Juni, um 18 Uhr mit der Eröffnung der Hessentagskirche in der Stadtpfarrkirche.

Glaube zum Hören und Sehen

Auch in der Gestaltung des Gottesdienstes wurde das Leitwort „Im Herzen eins“ hör- und sichtbar: durch Herzenstexte aus der Bibel, eine Symbolhandlung mit den Liedblättern der Mitfeiernden, Herzensmomente mit Friedensgruß sowie das Vaterunser in Gebärdensprache.

Musikalisch gestalteten den Gottesdienst die Fuldaer Band „Mambo KingX“, ein ökumenischer Projektchor mit rund 120 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber und Bezirkskantor Tobias Wirth sowie ein ökumenischer Posaunenchor mit 160 Bläserinnen und Bläsern unter der Leitung von Landesposaunenwart Philip Schütz.

Besondere Akzente setzten Dennis Martin, Ethan Freeman und Peter Scholz mit Beiträgen aus dem Musical „Bonifatius“. Mit dabei waren auch Kinder aus Grundschulen, Kindertagesstätten und Kinderchören, die das eigens für den Hessentag komponierte Lied „Im Herzen eins“ sangen. Die Moderation übernahmen Pröpstin Sabine Kropf-Brandau und Elena Otto.

Ausblick: Gemeinsamer Abschluss des Hessentags

Den feierlichen Abschluss des kirchlichen Hessentagsprogramms bildet der Gottesdienst „Vom Kopf zum Herz“ am Sonntag (21. Juni) um 10 Uhr auf dem Universitätsplatz. Gestaltet wird er von Dekan Dr. Thorsten Waap und Dechant Stefan Buß. Die musikalische Leitung liegt bei Domkapellmeister Franz-Peter Huber und Bezirkskantor Tobias Wirth. Im Anschluss beteiligen sich die Kirchen mit einem kreativen Wagen am großen Hessentagsfestzug.

im-herzen-eins.info

Das gesamte Kirchenprogramm zum Hessentag 2026 im Überblick: Unter „Im Herzen eins“ laden vier besondere Orte – von der multimedialen Hessentagskirche über die Himmelsbühne bis zur Segensgondel im Riesenrad – zu Musik, Begegnung, Stille und Segen ein. Alle Termine, Mitmachangebote und Infos im Internet unter im-herzen-eins.info