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Gedankenexperiment: Angenommen, es passiert über Nacht ein Wunder, Ihr Gefühl der Unfreiheit wäre weg, was wäre am nächsten Morgen anders?

Gedankenexperiment: Angenommen, es passiert über Nacht ein Wunder, Ihr Gefühl der Unfreiheit wäre weg, was wäre am nächsten Morgen anders?

Kassel / Salome Möhrer-Nolte, blick in die kirche
Veröffentlicht 26 Jun 2026

Frei sein – das gehört wohl schon immer zur Sehnsucht des Menschen. Frei von Verpflichtungen, frei von Sorgen. Die Sehnsucht nach Freiheit beinhaltet die Vorstellung, dass Beschwerendes wegfällt. Es geht also um «Freiheit von etwas». 

Wovon wären Sie gerne frei? Von Verantwortung, Abhängigkeiten, dem Kalender, Überforderung, von dem Druck, sich beweisen zu müssen? Was würde Ihnen dazu einfallen? Ich möchte mit Ihnen heute über eine kleine Erweiterung dieses Freiheitsbegriffs nachdenken. 

Wir könnten uns auch einmal die Frage stellen: Freiheit wozu? Wofür soll Raum entstehen? Was würden Sie mit diesem Freiraum anfangen? Vielleicht fallen Ihnen dazu Stichworte wie Kreativität, neue Ideen, Gestaltungsmöglichkeiten ein oder ganz basal: «um mich endlich mal wieder zu spüren»?

«Innere Freiheit ist wichtig, um Raum zu haben für all das, was dem Leben dient.»
Salome Möhrer-Nolte

In der Bibel spielt Freiheit übrigens eine zentrale Rolle, Gott zeigt sich an verschiedenen Stellen als Liebhaberin bzw. Liebhaber von Freiheit und als Befreier. Einmal heißt es sogar: «Ihr seid zur Freiheit berufen» (Galater 5,13). Ich liebe diesen Satz, weil er von Freiheit als unserer eigentlichen Bestimmung spricht. Freiheit ist unsere Berufung, auch wenn die Realität oft eine ganz andere ist. 

Wir fühlen uns häufig unfrei und nicht selbstbestimmt, wir werden gelebt, anstatt unser Leben zu gestalten. Und genau in dieser unserer Lebensrealität begegnet uns diese Berufung zur Freiheit. Berufung hat in der Regel einen Zweck, eine Idee, wozu man berufen ist. Wir sind zur Freiheit berufen, um als freie Menschen zu leben und zu handeln. Und um in unserem Umfeld frei und mit offenem Blick andere wahrnehmen zu können, Gutes in die Welt zu bringen und zu lieben. 

Was wäre anders, wenn wir innerlich wirklich frei wären? In der Telefonseelsorge stellen wir am Telefon ab und zu die sogenannte Wunderfrage. Wir würden bei einer Person, die sich in ihrem Leben in Zwängen und wenig selbstbestimmt erlebt, dann vielleicht fragen: Angenommen, es passiert über Nacht ein Wunder, Ihr Gefühl der Unfreiheit wäre weg, was wäre am nächsten Morgen anders? 

Dieses kleine Gedankenexperiment bewirkt oft Erstaunliches. Zum einen kommen Menschen dadurch fast spielerisch in Kontakt mit dem erwünschten Gefühl, in unserem Beispiel dem Gefühl der Leichtigkeit. Und zum anderen ist dann vielleicht zum ersten Mal seit langer Zeit auch Raum für neue Gedanken und für die Frage: Wofür wäre es gut, frei zu sein, was würde ich stattdessen tun, was würde ich anders machen? Dadurch entsteht häufig eine Ahnung davon, wie es auch sein könnte, und Lust auf kleine Veränderungsschritte. 

Die Telefonseelsorge

Das Team der Telefonseelsorge Nordhessen ist anonym und kostenlos rund um die Uhr erreichbar unter Tel. 0800 111 0 111 und online über www.telefonseelsorge-nordhessen.de (Mail- und Chatseelsorge) 

Die Telefonseelsorge Nordhessen ist auf Spenden angewiesen: IBAN: DE 62 5206 0410 0000 2140 35

In diesem Heft geht es viel um das Draußensein und das Freiheitserleben, das in der Natur möglich ist. Dieses besondere Sich-frei-Fühlen könnte uns daran erinnern, dass wir zur Freiheit berufen sind. Und das nicht nur zum Selbstzweck. Innere Freiheit ist wichtig, um Raum zu haben für all das, was dem Leben dient.

Nutzen wir doch solche besonderen Auszeiten wie Ausflüge in die Natur und Urlaube, um die Sehnsucht nach Freiheit in uns lebendig zu halten.

Titelbild der Ausgabe des blick in die kirche-Magazin „Ins Freie“
„Ins Freie“ als E-Paper

Passend zum Ferienbeginn führt das „blick in die kirche Magazin“ seine Leserinnen und Leser „Ins Freie“. Das ist einerseits ganz wörtlich gemeint: So hat die Redaktion ein Interview mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann im und über den Wald geführt und einen 14-Jährigen besucht, der Segelfliegen lernt. „blick in die kirche“ war auf Hessens größtem Campingplatz am Hanauer Bärensee zu Besuch, wo auch ein Team von „Kirche unterwegs“ aktiv ist. Eine Frau erzählt, wie sie auf die Idee kam, rückwärts zu pilgern, und Teilnehmende, warum sie im höheren Alter einen Pedelec-Fahrkurs besuchen.

Andererseits geht es auch um Freiheit. Eine Christin, die aus dem Iran stammt, erzählt von ihrer Flucht und ihr Ehrenamt in der evangelischen Kirche. Die Geschichte der Waldenser zeigt, dass auch vor Jahrhunderten schon Menschen wegen ihres Glauben ihr Heimatland verlassen musste – die Spuren der Waldenser sind bis heute zu finden.

Außerdem gibt es ganz konkrete Tipps zu besonderen Kirchen und Anlässen für die Freizeit und den Urlaub. Passend dazu berichtet eine Urlaubsseelsorgerin von ihrer Arbeit auf der Nordseeinsel Langeoog. 
Wie immer gibt es ein Preisrätsel: Diesmal ist ein Hotelaufenthalt mit Abendessen in Hanau zu gewinnen. 

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.