Philipp Huber hatte gerade noch seinen Koffer ins Zimmer stellen können, da löste der Handyalarm aus: 90 Sekunden bis zum möglichen Raketeneinschlag. Im Flur der École Biblique, der massive Mauern hat, versammelten sich die Menschen. Er bietet ein wenig Schutz, aber Huber sagt: „Bei einem direkten Treffer gibt es keine Sicherheit.“ Richtige Schutzräume hätten in Ost-Jerusalem nur wenige Häuser, berichtet er.
An den allerersten Alarm erinnert sich der 35-jährige Theologe genau, doch irgendwann gehörte die Sirene aus dem Handy fast zum Alltag. Huber, der demnächst seine erste Pfarrstelle in Borken übernimmt, war nicht zum ersten Mal in Israel. Die Zeit im Frühjahr dieses Jahres war sein dritter längerer Aufenthalt im Heiligen Land. Dass er in einer besonders kritischen Zeit dorthin kommen würde, sei ihm im Januar klargeworden. Da zeichnete sich der Iran-Krieg bereits am Horizont ab, kurz nach Hubers Ankunft begann er.
Eine Rakete schlug in der Nähe ein
Zwar werden die meisten Attacken vom Verteidigungssystem abgefangen, doch Huber erinnert sich auch an einen lauten Knall, als eine Rakete im jüdischen Viertel einschlug. Was die ständige Angst mit den Menschen macht, kann man sich aus der Ferne kaum vorstellen. Huber erzählt von Familien, die immer im Schutzraum übernachteten, vom Schlafdefizit und von einer Umfrage, nach der fast ein Drittel der Bevölkerung unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet – ähnlich wie oft bei Soldaten nach Kampfeinsätzen. „Das ist”, sagt der Israel-Kenner, „für die Zukunft der Gesellschaft gefährlich.“
Wie angespannt das Klima im Land ist, hat Huber ganz direkt mitbekommen. Ein Resultat der Politik nationalistischer Minister sei auch, dass der Hass gegen Christen wachse, sagt er. Weltweit durch die Medien ging der Angriff, mutmaßlich durch einen nationalreligiösen, jüdischen Fanatiker, auf eine Nonne. Wie Sicherheitskameras zeigen, griff der Mann die Ordensfrau scheinbar aus dem Nichts an und warf sie zu Boden. Es sei Glück gewesen, dass sie nicht mit dem Kopf auf einen Bordstein stürzte. Huber kennt die Frau, denn sie lebt in der École Biblique, wo er auch wohnte. Ihn beeindruckte, wie viel Solidarität sie aus der israelischen Zivilgesellschaft erlebte und sich dadurch gestärkt fühlte. So viel Unterstützung würde er sich in Deutschland nach Übergriffen gegen Juden wünschen.

Es sei ihm ein Anliegen, in Vorträgen und Gesprächen deutlich zu machen, wie vielfältig die israelische Gesellschaft sei und politisch kontrovers diskutiere. Zugleich sei die Bedeutung Israels als sicherer Ort für Jüdinnen und Juden singulär.
Hubers Hoffnung ist, dass die Christen im Heiligen Land eine Vermittlerrolle spielen könnten. Die Erlöserkirche in Jerusalem mit ihrem Kirchenvorstand, der bewusst Kontakte in die palästinensische wie die jüdische Gemeinschaft pflege, sei da vorbildlich. „Die Christen wollen einen gesellschaftlichen Kitt bilden“, sagt Phi-lipp Huber und weiß, wie undankbar und schwierig diese Rolle ist.

„Erzähl doch mal“ als E-Paper
„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.
Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.
Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.
