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Hunderttausende waren am 3. Oktober 1990 dabei, als vor dem Reichstags-Gebäude in Berlin die deutsche Wiedervereinigung gefeiert wurde. Unser Foto zeigt , wie dort an dem Tag die schwarz-rot-goldene Bundesfahne gehißt wurde.

Hunderttausende waren am 3. Oktober 1990 dabei, als vor dem Reichstags-Gebäude in Berlin die deutsche Wiedervereinigung gefeiert wurde. Unser Foto stammt aus dem Deutschen Bundesarchiv.

Bremen/Rasdorf, Redaktion ekkw.de, epd
Veröffentlicht 02 Okt 2026

Mit einem ökumenischen Festgottesdienst im Bremer St.-Petri-Dom beginnen am Samstag (3. Oktober) um 10 Uhr die offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit. Die Feier wird live im ZDF und über die Internetkanäle des Senders übertragen. An dem Gottesdienst unter dem Leitwort „Viele Gaben – ein Geist“ nehmen unter anderem die Spitzen der deutschen Verfassungsorgane, der Bundesländer und der Parlamente teil.

Zuhören und sich offen begegnen

„Wir leben in einer Zeit, in der demokratische Werte und die Unantastbarkeit der Menschenwürde leider nicht mehr uneingeschränkter gesellschaftlicher Konsens sind“, heißt es in einer gemeinsamen Grußbotschaft von Kirchenpräsident Bernd Kuschnerus und der Präses der Bremischen Evangelischen Kirche, Maria Esfandiari. Gerade deshalb sei es wichtig, zusammenzustehen. Wenn Menschen einander zuhörten und sich offen begegneten, zeige sich, dass sie mehr verbinde als trenne. Neben dem Festgottesdienst beteiligen sich die Kirchen deshalb auch mit einem umfangreichen Programm am Bürgerfest in Bremen.

Die offiziellen Feiern zum Tag der Deutschen Einheit werden jedes Jahr von einem anderen Bundesland ausgerichtet. Die Austragung ist an die Bundesratspräsidentschaft gekoppelt, die derzeit Bremen innehat. In diesem Jahr stehen die Feiern unter dem Motto „Viele Stärken – ein Land“.

Gottesdienst und Familientag am Point Alpha

Auch am Point Alpha in Osthessen wird der Tag der Deutschen Einheit begangen. Die Gedenkstätte liegt direkt an der früheren innerdeutschen Grenze zwischen dem thüringischen Geisa und dem hessischen Rasdorf im Evangelischen Kirchenkreis Fulda.

Den Auftakt bildet am 3. Oktober ein ökumenischer Gottesdienst unter dem Motto „Was unsere Welt zusammenhält“. Die Festpredigt hält der Jerusalemer Benediktinerpater Nikodemus C. Schnabel. Mitwirkende sind zudem Superintendent Christoph Ernst (Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach), Dechant Markus Günther (Pastoralverbund Hessisches Kegelspiel), Dekan Dr. Thorsten Waap vom Evangelischen Kirchenkreis Fulda sowie die Pfarrer Roland Jourdan und Harald Krüger. Im Anschluss lädt die Point Alpha Stiftung zu einem Familientag mit Führungen, Grenzwanderungen, Musik und weiteren Angeboten ein.

Innerdeutsche Grenze in Osthessen

Die innerdeutsche Grenze in Osthessen war während der deutschen Teilung einer der am stärksten gesicherten und geopolitisch brisantesten Abschnitte des Eisernen Vorhangs. Sie trennte Hessen in der Bundesrepublik Deutschland von Thüringen in der DDR und zerschnitt über Jahrzehnte historisch gewachsene Wirtschaftsräume, Verkehrswege und familiäre Beziehungen. Heute ist der ehemalige Todesstreifen Teil des Naturschutzprojekts Grünes Band und ein bedeutender Erinnerungsort.

Zentrale Schauplätze und Gedenkstätten

Rasdorf/Geisa: Die Gedenkstätte Point Alpha gilt als eines der bekanntesten Grenzmuseen Deutschlands. Der ehemalige US-Beobachtungsstützpunkt lag im sogenannten „Fulda Gap“, wo im Ernstfall ein Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts befürchtet wurde. Die Gedenkstätte zeigt originale Grenzanlagen, ein US-Camp sowie das „Haus auf der Grenze“.

Vacha/Philippsthal: Hier verlief die Grenze unmittelbar an bewohnten Ortschaften und quer durch die Werra-Region. Bekannt ist die Geschichte eines Hauses an der Werrabrücke, dessen Türen 1952 zugemauert werden mussten, weil die Grenze mitten durch das Gebäude verlief.

Audio-Box zum Thema

In Grebendorf bei Eschwege in Hessen hat Prälat i.R. Bernd Böttner seine gesamte Kindheit an der innerdeutschen Grenze verbracht, keine 2 Kilometer zu Thüringen. Er hat die eigentümliche Situation hautnah mitbekommen und beschreibt sie im Audio-Beitrag.

Tag der Deutschen Einheit

Am Tag der Deutschen Einheit wird die Wiedervereinigung der beiden mehr als 40 Jahre getrennten deutschen Staaten gefeiert. Sie wurde am 3. Oktober 1990 mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 vollzogen. Der 3. Oktober ist bundesweit ein gesetzlicher Feiertag. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben frei, die meisten Geschäfte bleiben geschlossen.

Seit den 1960er-Jahren waren die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten durch eine streng gesicherte Grenze getrennt. Stacheldraht, Maueranlagen, Minen und Grenztruppen sollten Fluchtversuche verhindern. Der sogenannte Eiserne Vorhang trennte nicht nur Deutschland, sondern stand zugleich für die Teilung Europas in West und Ost.

Hunderte Menschen starben im Laufe der Jahrzehnte bei dem Versuch, aus der DDR zu fliehen. Am 9. November 1989 wurden die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten und die Übergänge der Berliner Mauer infolge der Friedlichen Revolution in der DDR dauerhaft geöffnet.

Deutsch-deutsche Teilung in Hessen
Die Brücke über die Werra von Großburschla (Thüringen) nach Heldra (Hessen) war früher Teil der Grenze zwischen der BRD und der DDR.

Auch die die Brücke über die Werra von Großburschla (Thüringen) nach Heldra (Hessen) ist historisch bedeutsam. Sie war während der deutsch-deutschen Teilung Bestandteil der innerdeutschen Grenze und diente zu DDR-Zeiten als Sperrwerk, um Fluchtversuche zu unterbinden. Im Wasser befanden sich Rechen als zusätzliche Barrieren, und das Ufer wurde von einem Beobachtungsturm überwacht. Heute symbolisiert die Brücke die Überwindung der einstigen Grenze. Vor Ort informiert eine Tafel über die Geschichte und Funktion der Grenzanlagen.

Das auf dieser Seite von Wikimedia verwendete Foto «Berlin, deutsche Vereinigung, vor dem Reichstag» stammt aus dem Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-400 / Grimm, Peer und wurde im Zuschnitt verändert. Das Foto steht unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 3.0