In dem ökumenischen Gottesdienst in Bremen riefen die leitenden Geistlichen der evangelischen und katholischen Kirche zu gesellschaftlichem Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung auf. „Wahre Stärke gibt es, wo wir einander brauchen und uns gegenseitig etwas zutrauen“, sagte der Kirchenpräsident der Bremischen Evangelischen Kirche, Bernd Kuschnerus. In anstrengenden Zeiten dürfe sich die Gesellschaft die Zuversicht nicht nehmen lassen. Stattdessen müssten Menschen füreinander einstehen und Benachteiligte stützen. Nächstenliebe bedeute, Lasten gemeinsam zu tragen und die Fähigkeiten jedes Einzelnen anzuerkennen, sagte der Theologe mit Blick auf die Fabel der Bremer Stadtmusikanten: „Einer trage des Anderen Last, damit beginnt die Nächstenliebe.“
Warnung vor dem Recht des Stärkeren
Der Bischof des katholischen Bistums Osnabrück, Dominicus Meier, warnte vor einer Vereinsamung und Überforderung der Bürger in Zeiten des Umbruchs. „Dass Menschen wieder zur Stärke finden, darf nicht dem Zufall überlassen werden.“ Es dürfe keinesfalls die Haltung entstehen, dass jeder allein seines Glückes Schmied sei. Andernfalls entwickle sich das Zusammenleben zu einer Gesellschaft, in der nur noch das Recht des Stärkeren zähle.
An dem Gottesdienst unter dem Leitwort „Viele Gaben - ein Geist“ nahmen unter anderem die Spitzen der deutschen Verfassungsorgane, der Bundesländer und der Parlamente teil, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Im Anschluss war im benachbarten Konzerthaus „Die Glocke“ ein Festakt mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie dem amtierenden Bundesratspräsidenten und Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) vorgesehen.
Gottesdienst und Familientag am Point Alpha
Auch am Point Alpha in Osthessen wurde der Tag der Deutschen Einheit begangen. Die Gedenkstätte liegt direkt an der früheren innerdeutschen Grenze zwischen dem thüringischen Geisa und dem hessischen Rasdorf im Evangelischen Kirchenkreis Fulda.
Den Auftakt bildete am 3. Oktober ein ökumenischer Gottesdienst unter dem Motto „Was unsere Welt zusammenhält“. Die Festpredigt hielt der Jerusalemer Benediktinerpater Nikodemus C. Schnabel. Mitwirkende waren zudem Superintendent Christoph Ernst (Kirchenkreis Bad Salzungen-Dermbach), Dechant Markus Günther (Pastoralverbund Hessisches Kegelspiel), Dekan Dr. Thorsten Waap vom Evangelischen Kirchenkreis Fulda sowie die Pfarrer Roland Jourdan und Harald Krüger. Im Anschluss hatte die Point Alpha Stiftung zu einem Familientag mit Führungen, Grenzwanderungen, Musik und weiteren Angeboten eingeladen.
Innerdeutsche Grenze in Osthessen
Die innerdeutsche Grenze in Osthessen war während der deutschen Teilung einer der am stärksten gesicherten und geopolitisch brisantesten Abschnitte des Eisernen Vorhangs. Sie trennte Hessen in der Bundesrepublik Deutschland von Thüringen in der DDR und zerschnitt über Jahrzehnte historisch gewachsene Wirtschaftsräume, Verkehrswege und familiäre Beziehungen. Heute ist der ehemalige Todesstreifen Teil des Naturschutzprojekts Grünes Band und ein bedeutender Erinnerungsort.
Zentrale Schauplätze und Gedenkstätten
Rasdorf/Geisa: Die Gedenkstätte Point Alpha gilt als eines der bekanntesten Grenzmuseen Deutschlands. Der ehemalige US-Beobachtungsstützpunkt lag im sogenannten „Fulda Gap“, wo im Ernstfall ein Einmarsch von Truppen des Warschauer Pakts befürchtet wurde. Die Gedenkstätte zeigt originale Grenzanlagen, ein US-Camp sowie das „Haus auf der Grenze“.
Vacha/Philippsthal: Hier verlief die Grenze unmittelbar an bewohnten Ortschaften und quer durch die Werra-Region. Bekannt ist die Geschichte eines Hauses an der Werrabrücke, dessen Türen 1952 zugemauert werden mussten, weil die Grenze mitten durch das Gebäude verlief.
Audio-Box zum Thema
In Grebendorf bei Eschwege in Hessen hat Prälat i.R. Bernd Böttner seine gesamte Kindheit an der innerdeutschen Grenze verbracht, keine 2 Kilometer zu Thüringen. Er hat die eigentümliche Situation hautnah mitbekommen und beschreibt sie im Audio-Beitrag.
Tag der Deutschen Einheit
Am Tag der Deutschen Einheit wird die Wiedervereinigung der beiden mehr als 40 Jahre getrennten deutschen Staaten gefeiert. Sie wurde am 3. Oktober 1990 mit dem Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland nach Artikel 23 vollzogen. Der 3. Oktober ist bundesweit ein gesetzlicher Feiertag. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben frei, die meisten Geschäfte bleiben geschlossen.
Seit den 1960er-Jahren waren die Bundesrepublik Deutschland (BRD) im Westen und die Deutsche Demokratische Republik (DDR) im Osten durch eine streng gesicherte Grenze getrennt. Stacheldraht, Maueranlagen, Minen und Grenztruppen sollten Fluchtversuche verhindern. Der sogenannte Eiserne Vorhang trennte nicht nur Deutschland, sondern stand zugleich für die Teilung Europas in West und Ost.
Hunderte Menschen starben im Laufe der Jahrzehnte bei dem Versuch, aus der DDR zu fliehen. Am 9. November 1989 wurden die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten und die Übergänge der Berliner Mauer infolge der Friedlichen Revolution in der DDR dauerhaft geöffnet.
Deutsch-deutsche Teilung in Hessen

Auch die die Brücke über die Werra von Großburschla (Thüringen) nach Heldra (Hessen) ist historisch bedeutsam. Sie war während der deutsch-deutschen Teilung Bestandteil der innerdeutschen Grenze und diente zu DDR-Zeiten als Sperrwerk, um Fluchtversuche zu unterbinden. Im Wasser befanden sich Rechen als zusätzliche Barrieren, und das Ufer wurde von einem Beobachtungsturm überwacht. Heute symbolisiert die Brücke die Überwindung der einstigen Grenze. Vor Ort informiert eine Tafel über die Geschichte und Funktion der Grenzanlagen.
Das auf dieser Seite von Wikimedia verwendete Foto «Berlin, deutsche Vereinigung, vor dem Reichstag» stammt aus dem Bundesarchiv, Bild 183-1990-1003-400 / Grimm, Peer und wurde im Zuschnitt verändert. Das Foto steht unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 3.0
