Sommerzeit, Urlaubszeit – was für viele die ersehnten Wochen des Jahres sind, kann auch problematisch sein. Da ist man auf eine Insel gereist, hat schier endlos freie Tage und einen strahlenden Strand vor sich, aber im Gepäck stecken die alten Probleme.
Einen pflegebedürftigen Partner zu Hause? Sorgen wegen der Kinder? Eheprobleme, eine schwere Krankheit, belastende Arbeitsverhältnisse ... das ist alles nicht weg, sondern gerät schnell an die Oberfläche, wenn der Mensch zur Ruhe kommt. Zugleich ist er aber auch zugänglich für Austausch, Rat, Gemeinschaft.
„Alle zeigen sich mehr und bringen eine große Offenheit mit“, hat Kerstin Grenzebach beobachtet. Die 62-jährige Vollmarshäuser Pfarrerin ist bereits fünf Mal als „Kurpastorin“ auf der Nordseeinsel Langeoog im Einsatz gewesen. Dort übernimmt sie in der evangelischen Kirchengemeinde für einige Wochen die Gottesdienste für Touristen und Einheimische, auch Taufen, Trauungen, Goldene Hochzeiten, Segnungen – und bietet darüber hinaus verschiedene Seelsorge-Formate an.
Was ist das Besondere an diesen Inselzeiten? Bereits der erste Sonntagsgottesdienst sei „knallvoll“, sagt sie. Hundert Leute, bunt gemischt. Und gleich am ersten Tag gibt sie auch bekannt, dass man sie nicht nur bei Morgenmeditationen am Strand treffen kann, sondern dass sie sich auch gern auf einem Spaziergang anhört, was die Menschen auf dem Herzen haben. „Und dann geht das Dating los“, ergänzt sie scherzhaft. Meist seien es Frauen, die anfragten. Männer täten sich schwerer, kämen allenfalls gemeinsam mit ihrer Frau.

Gerade in diesem Frühjahr, als sie für drei Wochen auf Langeoog war, sei ihr wieder einmal klar geworden, „wie dankbar wir Christen sein können: Wir können überall sofort Gemeinschaft finden.” Natürlich im Gottesdienst, aber auch darüber hinaus. So wenden sich nicht nur solche Gäste an sie, die daheim fest kirchlich verwurzelt sind, sondern auch jene, die nur und gerade hier Kontakt zur Kirche suchen – hier, wo man sich neu und frisch begegnet, aber dann wieder seiner Wege zieht.
Für alle hat sie offene Ohren; auch wenn sie selbst zum täglichen Sportkurs geht und dort Gottesdienstbesucher wiedertrifft. Schnell wird aus der Tür-und-Angel-Begegnung ein intensives Gespräch. Besonders gefällt der ansteckend aktiven Kerstin Grenzebach, dass sie so auch Kontakte der Urlauber untereinander in Gang bringt – rasch stellen sich gemeinsame Interessen und Lebensfragen heraus. Es gibt sogar Urlauber, die immer dann auf die Insel kommen, wenn sie dort Dienst hat und die diese Kirchengemeinde als die ihre betrachten.
Das Außergewöhnlichste, erzählt die Pfarrerin, war im vergangenen Jahr die Bitte einer Familie mit vier Generationen, eine besondere Abschiedsfeier für den kürzlich verstorbenen Senior zu halten. Am Strand, wo er selbst immer so gern verweilt hatte. „Wir standen da – und rund um uns herum tobte das Leben”, erinnert sie sich.
Für sie selbst sind die Inselzeiten zum einen entlastend, denn sie kann sich ganz der Seelsorge widmen und das geben, was ihr selbst Freude macht. Zum anderen sind viele Kontakte kurz und sehr intensiv; hier, wo die Welt sich einerseits verkleinert, aber sich innerlich vergrößert. Da gilt es, die Probleme auch wieder loszulassen. „Ich kann das ganz gut trennen“, sagt sie. „In dem Moment da sein – und dann wieder weitergehen.“
Ihr gehe es da wie oft den Urlaubern, sie lerne sich selbst noch einmal neu kennen mit jeder Begegnung, jedem Austausch. Ihr Rat für einen gelingenden Urlaub? „Eine autofreie ostfriesische Insel“, sagt sie lachend. Und offen sein für das, was kommt.

„Ins Freie“ als E-Paper
Passend zum Ferienbeginn führt das „blick in die kirche Magazin“ seine Leserinnen und Leser „Ins Freie“. Das ist einerseits ganz wörtlich gemeint: So hat die Redaktion ein Interview mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann im und über den Wald geführt und einen 14-Jährigen besucht, der Segelfliegen lernt. „blick in die kirche“ war auf Hessens größtem Campingplatz am Hanauer Bärensee zu Besuch, wo auch ein Team von „Kirche unterwegs“ aktiv ist. Eine Frau erzählt, wie sie auf die Idee kam, rückwärts zu pilgern, und Teilnehmende, warum sie im höheren Alter einen Pedelec-Fahrkurs besuchen.
Andererseits geht es auch um Freiheit. Eine Christin, die aus dem Iran stammt, erzählt von ihrer Flucht und ihr Ehrenamt in der evangelischen Kirche. Die Geschichte der Waldenser zeigt, dass auch vor Jahrhunderten schon Menschen wegen ihres Glauben ihr Heimatland verlassen musste – die Spuren der Waldenser sind bis heute zu finden.
Außerdem gibt es ganz konkrete Tipps zu besonderen Kirchen und Anlässen für die Freizeit und den Urlaub. Passend dazu berichtet eine Urlaubsseelsorgerin von ihrer Arbeit auf der Nordseeinsel Langeoog.
Wie immer gibt es ein Preisrätsel: Diesmal ist ein Hotelaufenthalt mit Abendessen in Hanau zu gewinnen.
Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.
