Meine Suche

Die Homberger Synode war ein bedeutendes reformatorisches Ereignis, das im Oktober 1526 in der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze) stattfand. Unser Foto zeigt den Innenraum der Kirche während des Festakts am 21. Februar 2026.

Die Homberger Synode war ein bedeutendes reformatorisches Ereignis, das im Oktober 1526 in der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze) stattfand. Unser Foto zeigt den Innenraum der Kirche während des Festakts am 21. Februar 2026.

Homberg (Efze) / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 22 Feb 2026

Mit einem Festakt an historischer Stätte, der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze), haben die beiden Kirchen am Samstag (21. Februar) das Jubiläumsjahr eingeläutet. Vor 500 Jahren diskutierten geistliche und weltliche Stände erstmals öffentlich und gemeinsam über Glauben, Kirchenordnung und Verantwortung – ein Novum in der Kirchengeschichte.

Gruppenfoto an historischem Ort in der Homberger Stadtkirche (1.R.v.l.): Bischof Dr. Michael Gerber (Bistum Fulda), Bischöfin Dr. Beate Hofmann (EKKW),  Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer (EKHN), Präses Dr. Michael Schneider (EKKW), Präses Dr. Birgit Pfeiffer (EKHN), Regierungspräsident Mark Weinmeister,  Vizepräsidentin Prof. Dr. Evelyn Korn (Philipps-Universität Marburg) sowie (2.R.v.l.): Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (SELK),  Dekanin Sabine Tümmler (Kirchenkreis Schwalm-Eder), Dr. Mario Fischer (Generalsekretär der GEKE, Wien), Dr. Jürgen Helm (Projektbeauftragter des Jubiläums), Bürgermeister Dr. Nico Ritz (Homberg Efze), Moderator Propst Dr. Volker Mantey

Gruppenfoto an historischem Ort in der Homberger Stadtkirche (1.R.v.l.): Bischof Dr. Michael Gerber (Bistum Fulda), Bischöfin Dr. Beate Hofmann (EKKW), Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer (EKHN), Präses Dr. Michael Schneider (EKKW), Präses Dr. Birgit Pfeiffer (EKHN), Regierungspräsident Mark Weinmeister, Vizepräsidentin Prof. Dr. Evelyn Korn (Philipps-Universität Marburg) sowie (2.R.v.l.): Bischof Hans-Jörg Voigt D.D. (SELK), Dekanin Sabine Tümmler (Kirchenkreis Schwalm-Eder), Dr. Mario Fischer (Generalsekretär der GEKE, Wien), Dr. Jürgen Helm (Projektbeauftragter des Jubiläums), Bürgermeister Dr. Nico Ritz (Homberg Efze), Moderator Propst Dr. Volker Mantey

Begrüßt wurden die Gäste durch Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz und von der geschäftsführenden Dekanin des evangelischen Kirchenkreises Schwalm-Eder, Sabine Tümmler, außerdem von den Spitzen der beiden aktuellen Landessynoden: Präses Dr. Michael Schneider von der Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und Präses Dr. Birgit Pfeiffer von der Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).

Schneider betonte das Nachdenken über das Prinzip der Synodalität. Den Vorwurf, den schon Martin Luther damals gemacht habe, gäbe es den Synoden gegenüber auch heute noch: „Die machen nichts als einen Haufen Gesetze.“ Pfeiffer lobte die „geschwisterliche Beratung und die Schwarmintelligenz“ einer Synode. Das Jubiläum sehe sie auch als Auftrag. 

Portraitfoto von Bischöfin Dr. Beate Hofmann, EKKW
«Damals wie heute ist in der evangelischen Kirche zentral: Wir gestalten Kirche gemeinsam.»
Bischöfin Dr. Beate Hofmann

„Die Homberger Synode zeigt uns, dass Kirche sich immer wieder neu organisiert und transformiert hat, wenn sich gesellschaftliche Rahmenbedingungen verändert haben. Das war vor 500 Jahren so, das ist jetzt so“, führte die Bischöfin der EKKW, Dr. Beate Hofmann, vor Augen. „Damals wie heute ist in der evangelischen Kirche zentral: Wir gestalten Kirche gemeinsam.“ Leitung und Ordnung der Kirche seien Aufgaben, an denen sich viele unterschiedliche Menschen beteiligen können und sollen. Vor 500 Jahren habe die evangelische Kirche in Hessen Gestalt angenommen. Zu dieser Gestalt gehörten Bildung und Diakonie von Anfang an dazu, erinnerte die Bischöfin. Sie ist überzeugt: „Das hat an Aktualität nichts verloren.“

Portraitfoto von Sabine Bertram-Schäfer, Pröpstin der EKHN
«Die Homberger Synode von 1526 markiert für die evangelischen Kirchen in Hessen eine wichtige Wegmarke unseres Selbstverständnisses.»
Sabine Bertram-Schäfer, Pröpstin der EKHN für die Propstei Nord-Nassau

Auch Sabine Bertram-Schäfer, Pröpstin der EKHN für die Propstei Nord-Nassau, hob den Wert des historischen Ereignisses hervor: „Die Homberger Synode von 1526 markiert für die evangelischen Kirchen in Hessen eine wichtige Wegmarke unseres Selbstverständnisses. Sie steht für den Mut, Kirche auf neue Grundlagen zu stellen – biblisch begründet, öffentlich verantwortet und im gemeinsamen Beraten“, erläuterte sie. Bemerkenswert sei, dass mit der Verbreitung des Buchdrucks und der Reformation Glaubensfragen von vielen öffentlich diskutiert wurden. Davon zeuge auch die Homberger Synode mit ihrem offenen Gespräch zwischen Theologie, politischer Verantwortung und gesellschaftlicher Wirklichkeit, machte Bertram-Schäfer deutlich und ergänzte: „Dieses reformatorische Grundprinzip prägt die evangelischen Kirchen in Hessen bis heute. Genauso wie ihr Engagement in Diakonie und Bildung.“

Portraitfoto von Dr. Mario Fischer, Generalsekretär der GEKE
«Menschen müssen an Entscheidungsprozessen partizipieren, um ihre eigene Selbstwirksamkeit zu erfahren.»
Dr. Mario Fischer, Generalsekretär der GEKE

Festredner Dr. Mario Fischer, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) aus Wien, betonte: „Die Reformation hat unser Leben verändert.“ Der einzelne Mensch habe eine neue Stellung vor Gott und in der Gesellschaft erhalten, schilderte er in seinem Impulsvortrag: „Fürsten setzten sich für Kirchenreformen ein, Gemeinden übernahmen die Armenfürsorge und städtische Räte gründeten Schulen.“ Dass Landgraf Philipp die Reformation nicht etwa von oben einsetzte, sei besonders bemerkenswert: „Menschen müssen an Entscheidungsprozessen partizipieren, um ihre eigene Selbstwirksamkeit zu erfahren“, hob Fischer hervor. Fünf durch die Homberger Synode hervorgerufene Anstöße gab er den Zuhörenden mit auf den Weg: die Partizipation in Entscheidungsprozessen, den Schutz von Gewissens- und Religionsfreiheit in einem Rechtsstaat mit respektvoller Streitkultur, die Sensibilität für den Sprachwandel, Orte, wo der gesellschaftliche Zusammenhalt diskutiert werden könne und den Wert von Bildung in Zeiten des Wissensüberflusses.

Impulsvortrag zum Nachlesen

Impulsvortrag von Dr. Mario Fischer anlässlich des Festakts "Homberger Synode – 500 Jahre Reformation in Hessen" in Homberg/Efze, 21. Februar 2026 - PDF-Dokument

Impulse aus Ökumene, Wissenschaft und Politik

Auf die Bedeutung der Homberger Synode gingen auch die weiteren, vom Propst des Sprengels Marburg, Dr. Volker Mantey, interviewten Podiumsgäste ein: In ökumenischer Verbundenheit sprach der Bischof des Bistums Fulda, Dr. Michael Gerber; außerdem gaben Regierungspräsident Mark Weinmeister, die Vizepräsidentin der Philipps-Universität Marburg, Prof. Dr. Evelyn Korn, sowie der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt D.D. Impulse.

Geistliches Vermächtnis der Homberger Synode

In der ersten Talkrunde benannte Bischöfin Hofmann als geistliches Vermächtnis der Homberger Synode vier Punkte:

Zum einen müsse sich Kirche im Hören auf das Evangelium gestalten. Sie entstehe zweitens im freien Diskurs, wie bei der Homberger Synode. Das brauche auch die Demokratie heute. Die Leitung der Kirche sei nicht Herrschaft, sondern gemeinsame Verantwortung aus christlicher Freiheit und dem Glauben. Und schließlich seien Bildung und Diakonie Aufgabe aller Christen und Christinnen.

Synodalität und Reformen in der katholischen Kirche

Ihr Amtsbruder Bischof Dr. Michael Gerber (Bistum Fulda) sagte, dass seine katholische Kirche die Synodalität wiederentdeckt habe. Er hoffe nun auf eine Verstetigung des „Synodalen Wegs“ auf nationaler Ebene, darum werde es auch bei der Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz gehen, die diese Woche in Würzburg tagt. Gerber verwies auf historische Vorläufer: So habe der heilige Franziskus bereits im 13. Jahrhundert 500 Menschen versammelt, die über die Ordensregeln der Franziskaner berieten und dem Papst vorlegten. Er sehe eine Verantwortung der katholischen Kirche, Reformbewegungen einzubinden und auf sie zu hören – das habe zu Luthers Zeiten auf katholischer Seite gefehlt.

Gerber setzte sich auch von der Idee ab, dass eine Nation Vorrang vor allem anderen habe und nannte in diesem Zusammenhang den US-amerikanischen Außenminister Marc Rubio. Es sei Aufgabe der Kirche, „emotionale Brücken“ in die ganze Welt zu bauen.

Reformation, Demokratie und Zusammenhalt

Regierungspräsident Mark Weinmeister, der von Moderator Mantey als eine Art Nachfolger des Landgrafen vorgestellt wurde, ging auf Luthers Gedanken des Allgemeinen Priestertums ein. Das spiegele sich in der Demokratie, wo jeder Mensch sich einbringen und eigene Gedanken entwickeln könne und solle. Von der Kirche erwarte er, dass sie Gräben überwinden helfe, so Weinmeister weiter. 

Lernende und streitende Kirche als Selbstverständnis

Nach einer Bach-Kantate, vorgetragen vom Barockorchester „La Visione“ sowie Solistinnen und Solisten unter der Leitung von Bezirkskantor Andrej Romanov gab es eine zweite Talkrunde. Für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau sagte Pröpstin Sabine Bertram-Schäfer, dass die Homberger Synode am Anfang des evangelischen Selbstverständnisses als „lernende und streitende Kirche“ gestanden habe. In Zeiten großer Veränderungen blieben Demokratie, Bildung und soziale Gerechtigkeit eine wichtige Verantwortung der Kirchen.

Prof. Dr. Evelyn Korn, Vizepräsidentin der Universität Marburg, sprach über das Leitbild ihrer Uni, das sich auf eine positive Gestaltung der Gesellschaft ausrichte. Forscher und Forscherinnen müssten Verunsicherungen verursachen und grenzenlos denken dürfen. Zugleich müssten sie aber darüber auch in der Lehre Rede und Antwort stehen. Als Beispiel nannte Korn die Künstliche Intelligenz. Im kommenden Jahr wird die Universität Marburg, die in der Folge der Homberger Synode gegründet wurde, 500 Jahre alt. Zu den Veranstaltungen anlässlich des Jubiläums lud Korn bereits jetzt ein. 

Lutherisches Bekenntnis als Chance

Der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt D.D., sprach auch eine Einladung aus. Über Himmelfahrt wird Homberg Austragungsort der SELKiade, einer großen Sportveranstaltung für Jugendliche der SELK. Er selbst sei dort als Schiedsrichter im Einsatz, sagte Voigt. Dann könne er endlich mal sagen, wo es langgeht, fügte er lächelnd hinzu.

Im Gespräch über das reformatorische Erbe betonte er, dass das lutherische Bekenntnis eine Chance sei, weil man wisse, wer man selbst ist. Die Botschaft der Kirchen sei gerade heute von „entscheidender Bedeutung“.

Zum Abschluss der Veranstaltung sagt Hombergs Bürgermeister Dr. Nico Ritz: „Das war ein guter Auftakt.“ Widersprechen würde da sicher niemand, der in der prächtigen Homberger Stadtkirche zu Gast war. 

www.synode500.de

Die Homberger Synode war ein bedeutendes reformatorisches Ereignis, das im Oktober 1526 in der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze) stattfand. Erstmals hatten Bürgerinnen und Bürger aktiv Mitsprache in kirchlichen und politischen Angelegenheiten. In der Versammlung diskutierten geistliche und weltliche Vertreter der Landgrafschaft Hessen, ob der protestantische Glaube einzuführen sei. Großer Fürsprecher war Landgraf Philipp I, der Initiator der Versammlung. Schließlich wurde die Landgrafschaft protestantisch, weil die Mehrheit Philipps Vorhaben unterstützte. Die infolge der Synode ausgearbeitete neue Kirchenordnung trat aber nie in Kraft, da sie dem Reformator Martin Luther als zu tiefgreifend erschien. Die Synode leitete jedoch bedeutende gesellschaftliche Veränderungen ein: Bildungsreformen, soziale Einrichtungen und neue Formen kirchlichen Lebens.