Trompetenklänge zur Begrüßung: „Immer wieder sonntags“ spielen Paul von Gils und seine Musikanten an der Talstation der Ettelsberg-Seilbahn in Willingen. „Was für ein Empfang“, staunt Christoph Ashauer und steigt mit seinen Begleiterinnen in die Gondel ein. Die führt auf den 838 Meter hohen Berg, wo an diesem Sonntagmorgen zum 31. Mal Alphornmesse gefeiert wird. Dieser ökumenische Freiluft-Gottesdienst lockt Jahr für Jahr Tausende Christen an.
Ashauer und seine Bekannten haben schon viel von der Alphornmesse gehört. „Wir wollten schon immer mal hierher, und deshalb haben wir spontan entschieden, dabei zu sein“, erzählt Tanja Schäfers aus Udorf in Ostwestfalen, 30 Kilometer von dem touristisch geprägten Willingen gelegen. Viele andere nehmen die Veranstaltung als sportliche Herausforderung an und wandern am frühen Morgen auf den Berg oder kommen per Fahrrad.
Viel Betrieb in und um Siggis Hütte
Die ersten der mehreren tausend Besucher suchen sich schon eine Stunde vor Beginn des Gottesdiensts einen Platz auf den Bänken inmitten der Willinger Hochheide. Währenddessen spielt eine Kapelle zünftige Musik in der rustikalen Hütte von Siggi von der Heide und seiner Familie, die die Alphornmesse jedes Jahr federführend organisiert. Bierkrüge und Pfefferbeißer, Kuchen und Kaffee werden bereits über die Theke gereicht.
Von der Heide betritt die Hütte und versammelt sich mit den Vertretern beider Kirchen, um gemeinsam zum Gipfelkreuz zu schreiten. Draußen schultert er das schwere Alphorn und bahnt sich seinen Weg durch die Menschen, gefolgt von Dudelsackklängen und den Predigern dieser Messe.
Unter den Besuchern sind auch Hubert und Anne Koch mit Marie-Theres und Heinz-Jürgen Peitz aus Geseke-Mönninghausen. „Wir schätzen den Gottesdienst in diesem besonderen Ambiente und mit den vielen Musikkapellen“, sagt Hubert Koch, der immer wieder zur Alphornmesse kommt. Ihnen und allen anderen Besuchern weht an diesem Spätsommer-Morgen ein kühler Wind um die Ohren.
Männerchor macht musikalischen Auftakt
„Der Wind weht, wo er will“, lautet das Motto des Gottesdiensts. Der katholische Pfarrer Bernd Conze führt nach einem musikalischen Auftakt des Sauerländer Männerchors 12 Räuber ins Thema ein. Die katholische Gemeindereferentin Angelika Schneider sagt: „Wir erleben in unserer Gesellschaft stürmische Zeiten.“
Eva Brinke, Dekanin des evangelischen Kirchenkreises Twiste-Eisenberg, bezeichnet die Alphornmesse als „frischen Wind für unsere Gottesdienstformate“. Gottes Geist werde im gemeinsamen Singen und Beten sowie in der Natur spürbar. Sie mahnt, die christlichen Werte zu leben. „Diese verbieten uns rassistisches und völkisches Gedankengut.“ Die evangelische Pfarrerin Bettina Diener würdigt die Alphornmesse als „lebendiges Zeichen der Verbundenheit“.
Die Willinger Alphornbläser wechseln sich mit befreundeten Musikgruppen und Alphornbläsern ab und sorgen damit für einen klangvollen Gottesdienst im hochgelegenen Waldeck-Frankenberger Upland. Die Menschen seien hier verbunden durch ihren Glauben und die Musik, sagt Dekanin Brinke. Gemeinsam beten sie das Vaterunser und singen zum Abschluss „Komm, Herr, segne uns“.
Unklar, wie es weitergeht
Von der Heide lege großen Wert darauf, sagt er, dass der Gottesdienst jedes Jahr ökumenisch ist: „Meine Frau ist katholisch und ich bin evangelisch. Da ist es mir wichtig, dass hier in der Natur, auf dem Berg, jeder zu seinem lieben Gott beten kann.“
Im Jahr 2028 wird Siggis Hütte nach mehr als 50 Jahren Betrieb durch die Familie von der Heide geschlossen. Viele fragen sich, wie es dann mit der Alphornmesse weitergeht. „Wer weiß, was in zwei Jahren ist“, sagt Ashauer. Umso wichtiger sei es ihm, in diesem Jahr dabei gewesen zu sein.
