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Überall in unseren Wäldern schlagen im Frühling gerade die Bäume ausund entwickeln Knospen udn Blätter. Unser Foto zeigt Bäume im nordhessischen Habichtswald.

Überall in unseren Wäldern schlagen im Frühling gerade die Bäume ausund entwickeln Knospen udn Blätter. Unser Foto zeigt Bäume im nordhessischen Habichtswald.

Kassel / Redaktion epd, ekkw.de
Veröffentlicht 17 Apr 2026

„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“ dichtete der Lübecker Lyriker Emanuel Geibel 1841 in seinem berühmten spätromantischen Gedicht. In einer späteren Version des gebürtigen Osnabrückers Justus Wilhelm Lyra (1822–1882) wurde es als Frühlings‑ und Wanderlied populär und gehört bis heute zum Kanon bekannter Volkslieder. Doch gilt das noch? Treiben die Bäume tatsächlich erst im Mai aus? Ein Blick auf aktuelle Erkenntnisse liefert Wissenswertes, Kurioses und Poetisches über die „grünen Lungen“, die für das Klima unverzichtbar sind.

Wie viele Bäume gibt es überhaupt in Deutschland?

Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Anhaltspunkte liefert die Bundeswaldinventur, die das Braunschweiger Thünen-Institut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei alle zehn Jahre erstellt. Nach der vierten und bislang jüngsten Hochrechnung, die im Oktober 2024 veröffentlicht wurde, stehen in Deutschlands Wäldern rund 100,4 Milliarden Bäume, die höher als 20 Zentimeter sind – überwiegend Kiefern, Fichten, Buchen und Eichen. „Die Bundeswaldinventur erhebt nur Daten über den Wald“, schränkt Nadine Kraft ein, Sprecherin des Bundesforschungsinstituts. Zu Bäumen außerhalb des Waldes, etwa in Parks, Siedlungen oder auf landwirtschaftlichen Flächen, treffe sie keine Aussagen.

Wann schlagen die Bäume aus?

Zunächst eine Begriffsklärung: Vom Ausschlagen spricht man, wenn sich im Frühjahr die ersten frischen Blätter, Triebe und Knospen entfalten. Der Mai eigne sich dafür heute kaum noch als Orientierung, sagt Anja Engels vom Deutschen Wetterdienst. Sie koordiniert in der Bundesanstalt mit Sitz im hessischen Offenbach die Phänologie, die bundesweit Daten zur Pflanzenentwicklung sammelt und auswertet. „Unsere phänologische Uhr zeigt aufgrund der Klimaerwärmung über die Jahre einen immer früheren Blattaustrieb“, erklärt die Expertin.

Das zeigt sich etwa bei der Rotbuche: In den 1990er-Jahren reichte die Blattentfaltung noch bis in den Mai hinein, inzwischen beginnt sie meist in der ersten Aprilwoche. Regional gibt es dabei deutliche Unterschiede. „Im Norden und Nordosten später, im Süden und vor allem im wärmeren Rheingraben früher.“ Hasel, Weiden und Birken treiben besonders früh aus, Rotbuchen und Eichen zählen zu den „Spätzündern“. Platanen halten sich vielerorts noch an das Lied und schlagen erst im Mai aus.

Ein Baum als Präsent?

Bäume spenden, Bäume verschenken und so die Aktion „7 Jahre – 700.000 Bäume“ unterstützen: Beides ist hier auf ekkw.de. Die Website bietet ein digitales Formular an, um mit wenigen Klicks einen finanziellen Beitrag zur Aktion zu leisten. Zugleich kann die Baum-Spende auch als Geschenk „verpackt“ werden: Wer möchte, kann parallel zur Spende eine druckbare Urkunde anfordern und dort den eigenen sowie den Namen des oder der Beschenkten angeben.

Beispiel-Urkunde

Sind Bäume für das Klima wichtig?

Ja. Bäume produzieren Sauerstoff und kühlen ihre Umgebung durch Schatten und Verdunstung. Sie filtern Schadstoffe aus der Luft, binden Kohlenstoff und wirken vor allem in Städten wie natürliche Klimaanlagen. Ein kräftiger Baum erzeugt ungefähr so viel Sauerstoff, wie bis zu zehn Menschen zum Atmen benötigen. Allerdings setzen Klimawandel, Dürreperioden, Sturmschäden und Käferbefall den Bäumen stark zu – auch in ihrer Funktion als Kohlenstoffspeicher. Nach Angaben des Thünen-Instituts wurden die Wälder im Zeitraum von 2017 bis 2022 sogar zu einer CO₂‑Quelle. Umso wichtiger ist der Umbau hin zu klimaresilienten Mischwäldern.

Mein Freund, der Baum

In Liedern stehen Bäume oft für Naturverbundenheit, Beständigkeit, Heimat und Erinnerung. So auch 1968 in einer Komposition der deutschen Schlagersängerin Alexandra. Mit ihrem melancholischen Chanson „Mein Freund, der Baum“ gelang ihr womöglich „der erste Öko-Song der Popgeschichte“, wie es 2009 im „Spiegel“ hieß. Weitere erfolgreiche Lieder über Bäume sind „Lemon Tree“ (Fools Garden), „Der Baum des Lebens“ (Rolf Zuckowski) und „Alt wie ein Baum“ (Puhdys).

Wie alt kann ein Baum werden?

Sehr alt, sagt der Dresdner Baumforscher Andreas Roloff. Er leitet ein Kuratorium innerhalb der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, einer Vereinigung für Baumkunde, das sich für den Schutz sogenannter Methusalembäume einsetzt. Ein Programm identifiziert und unterstützt solche „Nationalerbe-Bäume“ finanziell. Der älteste Baum Deutschlands steht Roloff zufolge im Oberallgäu: die Ureibe bei Steibis. „Sie dürfte glaubhaft 1.100 Jahre alt sein“, sagt der Forstbotaniker.

Etwas jünger ist die Sommer-Linde in Upstedt bei Hildesheim, ein weiterer „glaubhafter Tausender“. Die „Dicke Linde“ im emsländischen Heede zählt mit einem Stammumfang von mehr als 17 Metern zu den mächtigsten Bäumen Europas. Sie wurde im Oktober 2019 als erster „Nationalerbe-Baum“ ausgezeichnet.

Soziales und Poesie

Bäume umsorgen ihren Nachwuchs, pflegen Freundschaften, besitzen Gefühle und ein Gedächtnis – davon ist zumindest der Förster und Bestsellerautor Peter Wohlleben überzeugt. In seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ beschreibt er diese Zusammenhänge. Andere entdecken den Wald für ausgedehnte „Waldbäder“, etwa zum Stressabbau. Der Literaturnobelpreisträger Hermann Hesse verehrte Bäume als „eindringlichste Prediger“ und schrieb 1919 in poetischer Prosa: „Wenn wir traurig sind und das Leben nicht mehr gut ertragen können, dann kann ein Baum sprechen: Sei still! Sei still! Sieh mich an! Leben ist nicht leicht, Leben ist nicht schwer!“

7 Jahre – 700.000 Bäume

Mit der Aktion „7 Jahre – 700.000 Bäume“ will die EKKW dazu beitragen, dass neue Bäume wachsen und zugleich die Bedeutung des Waldes schärfen. Mehr als 67.000 Bäume sind im Rahmen der Aktion bereits gewachsen. Wichtiger als die mutige Zielmarge von 700.000 Bäumen sei es indes, Menschen wieder (neu) für den Wald zu sensibilisieren und zugleich auf seine überlebenswichtigen Funktionen und seine Bedrohung durch den Klimawandel aufmerksam zu machen, erläutert Bischöfin Dr. Beate Hofmann die Idee der Kampagne.