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Bibelstunde im Ev. Altenhilfezentrum in Korbach

Bibelstunde im Ev. Altenhilfezentrum in Korbach

Korbach / Olaf Dellit, blick in die kirche
Veröffentlicht 25 Sep 2026

Am Ende der guten halben Stunde liegt in der Mitte des Andachtsraums ein Lebensweg – dargestellt durch ein Tuch, Kerzen, Steine und Schilder mit Lebensstationen. Pfarrerin Merle Blum hat ihn in der Bibelstunde im Evangelischen Altenhilfezentrum in Korbach gelegt.

Einmal im Monat lädt die Seelsorgerin, die drei Alteneinrichtungen betreut, zur Bibelstunde ein. Diesmal sind 23 Bewohnerinnen und Bewohner gekommen. Die Ankunft, bei den meisten mit Rollator oder Rollstuhl, nimmt einige Zeit in Anspruch. Die Pfarrerin nutzt das, um schon einmal persönliche Worte zu wechseln.

In der Andacht bringe sie immer Gott und die Bibel ins Spiel, erläutert Merle Blum, der Fokus liege aber auf den persönlichen Anknüpfungspunkten. Diesmal liest sie nach Begrüßung und Lied eine Märchengeschichte vor, in der es um einen Wegweiser geht. Blum schlägt daraus den Bogen zu den Zehn Geboten und Jesus Christus als Wegweiser für das Leben.

„Ich versuche, die Menschen zum Erzählen zu bringen“, sagt die Pfarrerin über die Bibelstunden im Altenzentrum. Diesmal funktioniert das über den Lebensweg. Sie fragt nach Lebensstationen und hat dazu Zettel vorbereitet, die ausgelegt werden. Auf dem letzten steht „Verlust“.

Häufig, hatte Blum vorher erklärt, bringe sie Gegenstände als Gesprächsanlass mit. Diesmal sind es Teelichte für schöne Erlebnisse, Steine für Schweres, Blütenblätter für liebe Menschen und bunte Glassteine für Momente, in denen Gottes Gegenwart spürbar war. Wenn jemand aus dem Kreis etwas nennt, legt die Pfarrerin den entsprechenden Gegenstand auf die passende Stelle im Lebensweg.

Es kommt einiges zusammen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass hier grob geschätzt an die 2.000 Lebensjahre sitzen. Einer berichtet von der gefährlichen Herz-Operation, die doch gut ausging. Eine Frau erzählt: „Ich habe meine Tochter verloren und musste ihr versprechen, die Kinder nicht im Stich zu lassen.“ Der kleine Stein kann allenfalls andeuten, wie schwer diese Zeit gewesen sein muss.

Dazu gesellen sich schöne Erinnerungen, wie die der Frau, die als Mädchen gerne mit Freunden in der Weser schwamm und sich an ein Schiff hängte, das sie ein Stück den Fluss hinaufzog.

Hier sitzt auch die Generation, die noch prägende Erinnerungen an den Krieg hat. Eine erzählt vom Glücksmoment, als der Vater nach langer Zeit aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückkehrte. Krieg, Flucht und Vertreibung seien oft Thema, sagt Pfarrerin Blum. Manchmal komme dann bisher Verschlossenes zutage.

Pfarrerin Merle Blum
«Texte, die vor langer Zeit gelernt wurden, gerade auch die Liturgie, sind oft tief im Gedächtnis verankert.»
Pfarrerin Merle Blum

Die bekannten Lieder „Danke für diesen guten Morgen“ und „Lobe den Herren“ werden diesmal gemeinsam gesungen. Einige in der Runde benötigen etwas Hilfe, sie im Gesangbuch mit den dünnen Seiten zu finden, aber alle singen mit. Auch das Vaterunser geht ihnen leicht über die Lippen. Texte, die vor langer Zeit gelernt wurden, gerade auch die Liturgie, seien oft tief im Gedächtnis verankert, sagt Blum.

Während sich der Andachtsraum im Altenzentrum Korbach leert, bleibt das Tuch zurück. Doch hier liegt mehr als ein Tuch, ein paar Steine und einige Teelichte: Erinnerungen und Geschichten aus 23 Lebenserzählungen.

„Erzähl doch mal“ als E-Paper

„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.

Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.