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Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der EKKW, und die Hessische Integrations-Ministerin Heike Hofmann im Deutschen Hugenottenmuseum.

Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der EKKW, und die Hessische Integrations-Ministerin Heike Hofmann im Deutschen Hugenottenmuseum.

Bad Karlshafen, Olaf Dellit
Veröffentlicht 08 Jul 2026

Zum Geschäftsbereich von Ministerin Heike Hofmann (SPD) gehört auch das Thema Integration, dazu passt die Geschichte einer erfolgreichen Integration von vielen tausend Glaubensflüchtlingen: den Hugenotten.  „Die Stadt hat eine lange Geflüchtetengeschichte“, sagte Bad Karlshafens Bürgermeister Marcus Dittrich. Fachkundig geführt wurden die Gäste von Dr. Andreas Flick, Museumsleiter und Präsident der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft in Personalunion. 

Anhand von Bildern, Schautafeln und Exponaten skizzierte er die Geschichte der reformierten Protestanten, die in Frankreich unterdrückt und verfolgt wurden. Ihre Kirchen wurden zerstört, viele wurden gefoltert und getötet oder zur Flucht gezwungen. Die Geschichte ist reich an grausamen Details, wie das Massaker nach einer Hochzeit, die eigentlich Frieden zwischen den Konfessionen stiften sollte: Es ging als „Bartholomäusnacht“ in die Geschichte ein.  

Acht Hugenottenkriege

Es gab acht Hugenottenkriege, in denen, wie Flick betonte, die protestantischen „Glaubenskrieger“ nicht weniger grausam gewesen seien als ihre katholischen Widersacher. Erst das Edikt von Nantes sorgte für Frieden, wenn auch nur vorübergehend. Denn Ludwig IX (der „Sonnenkönig“) widerrief es nach knapp 90 Jahren wieder.  

Oft wird Geschichte an einem Einzelschicksal besonders greifbar, so wie bei Marie Durand. Als 19-Jährige wurde die Hugenottin verhaftet und in einen Wehrturm gesperrt. Sie weigerte sich, ihren Bruder Pierre zu verraten, der als protestantischer Prediger auf der Fahndungsliste stand. Während ihrer langen Haft im feuchten und dunklen Gefängnisturm soll sie ihren Mitgefangenen Mut gemacht und sie im Glauben gestärkt haben. Nach 38 Jahren Haft wurde Marie Durand freigelassen und starb acht Jahre später. Auf dem Brunnenrand im Gefängnis fand man den eingeritzten Schriftzug „resister“ (widerstehen), der Durand zugeschrieben wird. Ein Faksimile ist im Hugenottenmuseum zu besichtigen.

Integration Geflüchteter fördern

Dem Museum wie der Hugenotten-Gesellschaft sei es ein Anliegen, nicht nur auf die Geschichte zu blicken, sagte Andreas Flick. So gebe es heute wie damals Menschen, die wegen ihres Glaubens fliehen. Im Museum werden beispielhaft koptische Christen, Uiguren und Jesiden genannt. Die Hugenotten-Gesellschaft beteilige sich daher auch bewusst an Veranstaltungen und Initiativen, die die Integration geflüchteter Menschen fördern.

Deutsches Hugenotten-Museum

Das Hugenottenmuseum in Bad Karlshafen wurde 1980 in einer ehemaligen Tabakfarbik gegründet. Auf drei Stockwerken erwartet die Besucher und Besucherinnen Exponate zur Geschichte der Hugenotten in Frankreich und Deutschland.
Bis Ende Oktober hat das Hugenottenmusem von 11-17 Uhr geöffnet. Montags und donnerstags bleibt es geschlossen. 

Museum ringt um Existenz

Im Abschlussgespräch berichtete Flick von der schwierigen Situation des Museums, das sich allein durch das Eintrittsgeld nicht finanzieren lasse.  Zwar stehe Bad Karlshafen, wie auch Bürgermeister Dittrich sagte, touristisch recht gut dar, zugleich sei aber die Anzahl von Gruppen, die das Museum besuchen, rückläufig. „Wir ringen um die Existenz“, sagte der Museumsleiter. Ministerin Hofmann versprach, beim Wirtschaftsministerium wegen Unterstützungsmöglichkeiten nachzufragen.

So endete nach eineinhalb Stunden ein informativer Besuch der beiden Hofmanns im Hugenottenmuseum. Eine, die Bischöfin von Kurhessen-Waldeck, trug dazu ein besonderes Erbstück ihrer Familie als Anhänger um den Hals: ein Hugenottenkreuz.