Unverschämt! Da geht schon alles schief und dann ruft der Igel auch noch: „Stell dich nicht so an.“ Da kann man sich schon mal aufregen, findet der Grolltroll, der nicht umsonst so heißt. Groll und Wut sind seine Spezialitäten, aber er lernt auch, um Entschuldigung zu bitten. Neun Kinder sitzen im Kreis und hören Erzieherin Annalena Bacher aufmerksam zu, wie sie aus dem trolligen Buch vorliest.
Die kleine Szene ist keine Ausnahme, sondern gehört zum Konzept der evangelischen Kindertagesstätte „Auf der Baus“ in Treysa, die stolz das Siegel Buch-Kita trägt. Gefördert von einer Stiftung und diversen Buchverlagen, wird dieses nach bestimmten Kriterien vergeben. Von 260 Bewerbungen seien 2024 bundesweit 61 Kitas prämiert worden, erläutert Lena Susdalzew, Leiterin der Kita in Treysa. Das Prädikat darf die Kita drei Jahre lang tragen, dann kann sie sich erneut bewerben.
Herzstück in Treysa ist ein gar nicht mal so großer Raum. Außer der Fensterfront ist fast jeder freie Zentimeter mit Bücherregalen besetzt. Diese sehen ein wenig anders aus als man das vielleicht kennt. Hier stehen nicht Buchrücken an Buchrücken, vielmehr sind die Titelseiten der bunten Bücher zu erkennen. Die Regalwände lassen sich seitlich verschieben. Sortiert sind die Bücher in Kategorien wie „Alltag“ und „Lustiges“ – jeweils mit einem eigenen Symbol versehen, sodass die Orientierung leicht fällt.
Die Treysaer Kita arbeitet ohne feste Gruppen und mit Bildungsräumen, einer davon ist die Bücherei. Die Einrichtung mit Kindergarten und Krippe hat 112 Plätze für Kinder, die von 20 Fachkräften betreut werden. Für die Bücherei sind neben Annalena Bacher Fabienne Zuber und Jessica Huber verantwortlich.
Ein Raum mit Büchern ist natürlich noch keine Leseförderung und reicht auch nicht für ein Siegel. Dazu gehört viel mehr. Ein Element ist der wöchentliche Büchertausch: Freitags können die Kinder – und auch Eltern – ein Buch mit nach Hause nehmen und in der kommenden Woche gegen ein anderes eintauschen.
Regelmäßig wird vorgelesen. Wenn die Kinder gerade ein Thema beschäftige, biete es sich an, dazu ein Buch herauszusuchen und daraus vorzulesen, sagt Annalena Bacher. Daneben gibt es geplante Termine, wie das regelmäßige Vorlesen in der „Ruhestunde“, die aber keine ganze Stunde, sondern eher 20 Minuten dauert.

Besondere Veranstaltungen werden mit Büchern unterstützt, etwa das Apfelprojekt. Dafür spendet der örtliche Rotary-Club reichlich Äpfel, die zu Saft, Kuchen und Brei verarbeitet werden oder als Apfeldruck für Kunstwerke dienen. „Und dazu, sagt Kitaleiterin Susdalzew, „gibt es viele tolle Bücher.“
Wichtig sind der Kita auch zweisprachige Bücher, die beispielsweise auch in Bulgarisch, Türkisch, Ukrainisch und Russisch verfasst sind. Beim Vorlesetag würden Bücher zunächst in der jeweiligen Muttersprache und dann in Deutsch vorgetragen. Kinder mit Migrationsgeschichte entwickelten sich sprachlich oft sehr schnell und gut.
Und noch ein Aspekt sei neben der Sprach- und Leseförderung ganz wichtig: das Zuhören. Damit, sagt Susdalzew, täten sich viele Kinder schwer. Dagegen hilft es, eine Geschichte zu hören oder sich selbst ein Buch zu nehmen, sich hinzusetzen und es zu lesen.
Die Tür zur Bücherei stehe dafür offen. Grundsätzlich werde den Kindern vertraut, dass sie gut mit den Werken umgehen, die dort stehen. Über den kleinen Raum mit den vielen Regalen, den kleinen und großen, den fröhlichen und traurigen Geschichten, sagt Lena Susdalzew: „Die Bücher erdrücken nicht, sie inspirieren.“

„Erzähl doch mal“ als E-Paper
„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.
Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.
Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.
