Damit reagiert die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen. „Wir gehen stärker von den Fragen der Jugendlichen aus, etwa: Wer bin ich, was bin ich wert und wo will ich hin?“, sagte Dr. Michael Dorhs, Leiter des Referats für Schule und Unterricht im Landeskirchenamt der EKKW. Klassische Inhalte wie die Zehn Gebote oder das Abendmahl würden dabei nicht aufgegeben, sondern thematisch angebunden, etwa an Fragen von Gemeinschaft und Zusammenleben.

Die persönliche und religiöse Identitätsbildung stünden im Mittelpunkt. „Themen wie Mobbing, Deepfake oder Fragen nach dem eigenen Wert spielen im Alltag der Jugendlichen eine wichtige Rolle und sollen in der Konfirmandenzeit in einem geschützten Raum aufgegriffen werden“, sagte Dorhs. Daher öffne sich die Konfirmandenarbeit zunehmend auch für konfessionslose Jugendliche. Diese würden bewusst eingeladen, könnten teilnehmen und am Ende der Konfirmandenzeit einen Segen erhalten, auch falls sie sich nicht konfirmieren ließen.
Konfirmandenzeit stärker an das achte Schuljahr koppeln
Zugleich werde die Konfirmandenzeit künftig stärker an das achte Schuljahr gekoppelt. Damit wolle die Landeskirche die Zusammenarbeit mit Schulen erleichtern, erklärte Dorhs. Die Konfirmationen dürften sich dadurch zeitlich stärker in die Monate vor den Sommerferien verlagern. Insgesamt seien mindestens 60 Stunden Konfirmandenunterricht vorgesehen, ergänzt durch Freizeiten, Projekte und erlebnispädagogische Formate, die sich bewusst vom schulischen Lernen abheben sollten. „Wir wollen die Jugendlichen in ihrer Verwurzelung in der Kirche stärken“, sagte Dorhs.
Konfirmation

Zwischen Ostern und Pfingsten werden in den evangelischen Kirchen Konfirmationen gefeiert. In der Regel nehmen Jugendliche im 7. oder 8. Schuljahr daran teil, also im Alter von etwa 13 bis 15 Jahren. Bei der Konfirmation bekräftigen sie, was ihre Eltern und Patinnen oder Paten bei der Taufe für sie versprochen haben: ihren christlichen Glauben. Der lateinische Begriff „Konfirmation“ bedeutet so viel wie „Bekräftigung“ oder „Stärkung“.
Der Konfirmation geht eine Zeit der Vorbereitung voraus. Die evangelische Kirche spricht dabei heute meist von Konfirmandenarbeit und nicht mehr von Unterricht. Nach der Konfirmation können junge Menschen unter anderem ein Patenamt übernehmen und den Kirchenvorstand wählen.
Erstmals wurde die Konfirmation 1539 in einer Form gefeiert, die der heutigen ähnelt. Im 18. Jahrhundert setzte sie sich während des Pietismus in den evangelischen Landeskirchen allgemein durch.
Die EKKW setze verstärkt auf größere Gruppen, um Gemeinschaftserfahrungen zu fördern. Zugleich würden ehrenamtliche Teamerinnen und Teamer sowie multiprofessionelle Teams immer wichtiger, sagte Dorhs. „Konfirmandenarbeit ist ohne diese Unterstützung kaum noch denkbar.“ Solche Teams spielten eine wichtige Rolle, um christliche Werte zu vermitteln. Eine kirchliche Prägung von Zuhause aus sei nicht mehr selbstverständlich.
Die neuen Eckpunkte seien rechtlich für die Kirchengemeinden nicht bindend, sollen laut Dorhs aber landeskirchenweit Orientierung geben. „Wir stecken einen Rahmen ab, innerhalb dessen methodisch und didaktisch viel möglich ist.“ Die Umsetzung liege bei den Gemeinden, Kirchenvorständen und Pfarrkonferenzen.
