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Unser Foto zeigt Maryam Parikhahzarmehr als Prädikantin im Talar.

Unser Foto zeigt Maryam Parikhahzarmehr als Prädikantin im Talar. Im Hintergrund ist die Kapelle des Evangelischen Studiensemiars in Hofgeismar zu sehen, wo auch Teile der Ausbildung der Lektorinnen und Prädikanten stattfinden.

Kassel / Anne-Kathrin Stöber, blick in die kirche
Veröffentlicht 26 Jun 2026

Unser Treffen findet dort statt, wo Maryam Parikhahzarmehr einen guten Teil ihrer Zeit verbringt – an der Kasseler Uni, gegenüber der Bibliothek. Hier studiert die 45-jährige gebürtige Iranerin Religionspädagogik, vielmehr: hier verfasst sie ihre Doktorarbeit. Was sofort auffällt und auch Tage nach dem Gespräch präsent bleibt; das sind ihre wachen, großen Augen, die stets eine Portion Witz, Interesse oder Ironie spiegeln. 

In der bevölkerten Cafeteria versteht man sein eigenes Wort nicht, also bleiben wir draußen sitzen, zwischen zwei Regenschauern. Unwichtig – die Geschichte von Maryam Parikhahzarmehr fasziniert einen sofort. Seit 2014 ist sie in Deutschland, mit ihrem Mann und der älteren Tochter Armina, damals acht Jahre alt, von einer Stunde auf die andere geflohen aus ihrer geliebten Heimatstadt Shiraz, ihrem Heimatland Iran. 

Dort hatte sie als Lehrerin gearbeitet, jahrelang, bis sie zunehmend drangsaliert wurde – wegen «unangemessener Kleidung», nicht erfüllter religiöser Vorschriften und des Verdachts, eine andere Religion zu verfolgen – und ihr schließlich gekündigt wurde.

Ebenso bedrängt wurde ihr Ehemann Afshin, der für den Roten Halbmond – das Äquivalent zum Roten Kreuz – arbeitete. Als dieser im Einsatz nach einem Erdbeben heimlich beobachtet wurde, wie er mit Kollegen das Vaterunser betete, warnten ihn wohlmeinende Vorgesetzte; das Leben der christlichen Familie war bedroht. Über Nacht mussten die drei fliehen. 

Porträtfoto von Maryam Parikhahzarmehr
«Wenn man hinschaut, tut es weh.»
Maryam Parikhahzarmehr

Nun galt es, nach riskanter Flucht in einem fremden Land von vorne zu beginnen. Englisch beherrschte sie gut, ebenso Französisch – nun aber: Deutsch! Sie lächelt. «Es dauert», sagt sie. «Der Weg ist nicht einfach.» Wieder diese Verschmitztheit im Blick. Heute spricht sie brillant Deutsch, unterrichtet unter anderem Geschichte und evangelische Religion als verbeamtete Lehrerin an der Wolfhager Walter-Lübcke-Schule, nachdem sie zunächst als Praktikantin in den Flüchtlingsklassen der 2015er-Jahre angefangen hatte. 

Damals war sie in einer nordhessischen Kleinstadt gelandet, niemanden zur Seite. Die Tochter brauchte Unterstützung in der Schule, also stürzte sich die Mutter hinein in das Deutsche. Sie lässt sich nicht aufhalten, vielmehr greift sie jede Hand, die ihr geboten wird. So nahm sie das Angebot an, eine Lektoren-, dann Prädikanten-Ausbildung für die Evangelische Kirche zu absolvieren. 

Inzwischen predigt sie in ihrer Ausbildungsgemeinde in Emstal-Sand, und natürlich ist ihre Lebensgeschichte Teil der Botschaft, wenn auch nicht immer ausgesprochen. «Wir können uns nicht vorstellen, was im Iran geschieht», sagt sie. Es sei zu schrecklich, zu mörderisch, was das Regime dem eigenen Volk antue. «Wenn man hinschaut, tut es weh.» Aufklären, informieren, das immerhin könnten wir tun, hier in Deutschland. Dem Land, mit dem sie Freiheit verbindet: «Sicherheit, seine Meinung äußern dürfen, Religionsfreiheit!» 

Dass ihre Mittelstufenschüler begreifen, welchen Weg sie hinter sich hat, bezweifelt sie. Sie haben andere Sorgen, andere Ideen. Aber in ihrem PoWi-Kurs in der neunten Klasse stellt sie schon einmal die Frage: «Wisst ihr, wo ihr heute wärt, wenn Deutschland nicht befreit worden wäre von den Alliierten?» 

Von Europa komplett verlassen, so sehe sie den Iran heute. Sie promoviert über «Religiöse Identitätsbildung im Jugendalter», sie unterrichtet, sie steht auf der Kanzel – und wenn man ihr fehlerloses Deutsch erwähnt, lächelt sie ironisch. Wie schön wäre es, die Leute fragten nicht mehr danach, woher sie komme und wie gut sie spreche – sie sei doch nun deutsch und in jeder Hinsicht angekommen. 

Sie hat den höchsten Preis gezahlt, die Heimat verlassen, Karriere abgebrochen. Nun – so schreibt sie zum Tag der Menschenrechte für die Brückner-Kühner-Stiftung, träumt sie weiter von Gerechtigkeit und Frieden, von einer gerechten Welt für alle, ein Vorbild nicht nur für ihre Kinder. Ihre zweite Tochter, Artina, ist in Deutschland geboren, die große studiert inzwischen, wie die Mutter: hier an der Kasseler Uni Religionspädagogik.

Titelbild der Ausgabe des blick in die kirche-Magazin „Ins Freie“
„Ins Freie“ als E-Paper

Passend zum Ferienbeginn führt das „blick in die kirche Magazin“ seine Leserinnen und Leser „Ins Freie“. Das ist einerseits ganz wörtlich gemeint: So hat die Redaktion ein Interview mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann im und über den Wald geführt und einen 14-Jährigen besucht, der Segelfliegen lernt. „blick in die kirche“ war auf Hessens größtem Campingplatz am Hanauer Bärensee zu Besuch, wo auch ein Team von „Kirche unterwegs“ aktiv ist. Eine Frau erzählt, wie sie auf die Idee kam, rückwärts zu pilgern, und Teilnehmende, warum sie im höheren Alter einen Pedelec-Fahrkurs besuchen.

Andererseits geht es auch um Freiheit. Eine Christin, die aus dem Iran stammt, erzählt von ihrer Flucht und ihr Ehrenamt in der evangelischen Kirche. Die Geschichte der Waldenser zeigt, dass auch vor Jahrhunderten schon Menschen wegen ihres Glauben ihr Heimatland verlassen musste – die Spuren der Waldenser sind bis heute zu finden.

Außerdem gibt es ganz konkrete Tipps zu besonderen Kirchen und Anlässen für die Freizeit und den Urlaub. Passend dazu berichtet eine Urlaubsseelsorgerin von ihrer Arbeit auf der Nordseeinsel Langeoog. 
Wie immer gibt es ein Preisrätsel: Diesmal ist ein Hotelaufenthalt mit Abendessen in Hanau zu gewinnen. 

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.