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Tochter und Vater: Christiane Ehrengruber (29) ist gerade zur Pfarrerin ordiniert worden, ihr Vater Ralf Gebauer (60) ist seit 2012 Dekan des Kirchenkreises Schmalkalden

Tochter und Vater: Christiane Ehrengruber (29) ist gerade zur Pfarrerin ordiniert worden, ihr Vater Ralf Gebauer (60) ist seit 2012 Dekan des Kirchenkreises Schmalkalden

Schmalkalden / blick in die kirche
Veröffentlicht 26 Jun 2026

Zwei Generationen, zwei Perspektiven auf Freiheit, ihre Grenzen und das, was wirklich erdet. Darüber sprechen Dekan Ralf Gebauer und seine Tochter, Pfarrerin Christiane Ehrengruber.

Ralf Gebauer: Wenn ich über Freiheit nachdenke, frage ich mich: Meinen wir überhaupt dasselbe? In der Generation meiner Eltern bedeutete Freiheit vor allem: wachsende Spielräume und Möglichkeiten. Für meine eigene Generation galt das zuerst auch noch – bis mit den Jahren immer deutlicher wurde, dass das nicht unbegrenzt weitergehen kann. Ein Hoffnungsmoment war dann die Wiedervereinigung: Eine Grenze fiel – friedlich. Für viele ein Gefühl von Weite und Freiheit. Und doch hat dieses Erlebnis in Ost und West ganz unterschiedliche Spuren hinterlassen. 

Christiane Ehrengruber: Vielleicht ist genau das der Punkt: Ich bin mit dieser «Weite» aufgewachsen – und merke jetzt, wie wenig selbstverständlich sie ist. Freiheit und Demokratie sind kostbar, aber auch zerbrechlich. Gleichzeitig ist Freiheit für mich sehr persönlich. Für mich liegt sie im Aufbruch – im Reisen, im Unbekannten. Für andere kann genau das Angst bedeuten. Was für mich nach Freiheit schmeckt, fühlt sich für sie vielleicht wie Unsicherheit an.

Ralf Gebauer: Vielleicht beginnt Freiheit genau dort: wenn wir die Perspektive wechseln – und gemeinsam danach suchen, was uns frei fühlen lässt. Die Antworten können verschieden sein. In der Bibel heißt es: «Du stellst meine Füße auf weiten Raum.» Dieser Satz verschiebt für mich den Blick: Freiheit ist nichts, was wir uns selbst erarbeiten müssen. Sie wird uns von Gott geschenkt.

Christiane Ehrengruber: Und in diesem weiten Raum sind wir nicht allein. Gerade weil Freiheit so weit ist, braucht sie auch Halt. Auf meinen Reisen bedeutet das: ein Handy, ein Pass, Dinge, die Sicherheit geben. Und vielleicht auch Gott, weil Gott mitgeht und uns hilft, Grenzen zu erkennen und zu achten – nicht als Einschränkung, sondern als Schutz für uns und für andere. Gleichzeitig merke ich, wie unterschiedlich wir Freiheit erleben. Für andere kann genau mein Freiheitsgefühl Überforderung sein.

Ralf Gebauer: Und ich merke, bei mir ist es umgekehrt: Was dich einengt, hätte für mich etwas Beruhigendes. Vielleicht liegt Freiheit manchmal auch darin, das jeweils Fremde auszuprobieren – und voneinander zu lernen. Hilfreich ist für mich dabei der Gedanke, dass wir diesen Raum gar nicht selbst herstellen oder sichern müssen. 
Gott ist es, der den freien Raum herstellt und trägt – wir selbst können das nicht. Und vielleicht ist das auch gut so. Denn wo Freiheit sich nur ausdehnt, ohne begrenzt zu werden, kann sie zerstörerisch werden. Grenzen sind nicht nur Einschränkung. Sie können auch Schutz sein.

Christiane Ehrengruber: Gleichzeitig erlebe ich oft das Gegenteil: dass Menschen nicht nur Mühe haben, ihre eigene Freiheit zu begrenzen, sondern auch anderen ihren Freiraum nicht gönnen. Dass schnell verurteilt wird, was anders ist – gerade in öffentlichen Debatten.

Ralf Gebauer: Ja, das beobachte ich auch. Wenn Menschen sich eine falsch verstandene Freiheit nehmen – sei es in der Sprache, im Umgang miteinander oder in der Radikalisierung –, dann wird der Raum für alle enger.

Christiane Ehrengruber: Dabei ist der Gedanke eigentlich alt: Meine Freiheit endet da, wo ich die Freiheit anderer einschränke. Oder biblisch gesagt: in der Liebe zum Nächsten. Und das bedeutet nicht nur, mich selbst zu begrenzen – sondern auch, anderen ihren Raum zu lassen. Und auszuhalten, dass sie ihn anders füllen als ich.

Ralf Gebauer: Genau darin liegt für mich die Stärke des Psalmwortes: «Du stellst meine Füße auf weiten Raum.» Der Raum wird nicht von uns gemacht und nicht von uns gesichert. Er ist uns gegeben – und darin sind wir gemeinsam unterwegs.

Christiane Ehrengruber: Und vielleicht heißt das ganz konkret: einander Freiheit zu lassen. Unterschiedliche Wege auszuhalten. Und darauf zu vertrauen, dass dieser weite Raum trägt – auch dann, wenn er sich für jede und jeden anders anfühlt. Mal nach Fernweh. Mal nach einem stillen See.

Titelbild der Ausgabe des blick in die kirche-Magazin „Ins Freie“
„Ins Freie“ als E-Paper

Passend zum Ferienbeginn führt das „blick in die kirche Magazin“ seine Leserinnen und Leser „Ins Freie“. Das ist einerseits ganz wörtlich gemeint: So hat die Redaktion ein Interview mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann im und über den Wald geführt und einen 14-Jährigen besucht, der Segelfliegen lernt. „blick in die kirche“ war auf Hessens größtem Campingplatz am Hanauer Bärensee zu Besuch, wo auch ein Team von „Kirche unterwegs“ aktiv ist. Eine Frau erzählt, wie sie auf die Idee kam, rückwärts zu pilgern, und Teilnehmende, warum sie im höheren Alter einen Pedelec-Fahrkurs besuchen.

Andererseits geht es auch um Freiheit. Eine Christin, die aus dem Iran stammt, erzählt von ihrer Flucht und ihr Ehrenamt in der evangelischen Kirche. Die Geschichte der Waldenser zeigt, dass auch vor Jahrhunderten schon Menschen wegen ihres Glauben ihr Heimatland verlassen musste – die Spuren der Waldenser sind bis heute zu finden.

Außerdem gibt es ganz konkrete Tipps zu besonderen Kirchen und Anlässen für die Freizeit und den Urlaub. Passend dazu berichtet eine Urlaubsseelsorgerin von ihrer Arbeit auf der Nordseeinsel Langeoog. 
Wie immer gibt es ein Preisrätsel: Diesmal ist ein Hotelaufenthalt mit Abendessen in Hanau zu gewinnen. 

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.