Meine Suche

Unser Foto zeigt einen Davidstern in der heutigen Synagoge in Kassel

In Kassel begannen die gewaltsame Übergriffe auf jüdische Bürgerinnen und Bürger sowie auf jüdische Einrichtungen bereits am 7. November 1938. Mit den darauffolgenden Deportationen in die Vernichtungslager waren sie der Auftakt zum Versuch, jüdisches Leben systematisch zu vernichten. Unser Foto zeigt einen Davidstern in der heutigen Synagoge.

Kassel / Redaktion ekkw.de, epd
Veröffentlicht 04 Nov 2026

In den Novembertagen 1938 brannten unzählige Synagogen, jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und jüdische Bürger misshandelt und getötet. Drei Jahre vor Beginn der systematischen Massendeportationen und nach zahlreichen rechtlichen Diskriminierungen erhielt die Verfolgung der Juden mit den Ausschreitungen einen neuen Charakter.

Gedenken in Kurhessen-Waldeck

Zur Erinnerung an eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte finden in den Regionen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck Gedenkfeiern, Gottesdienste und Vorträge statt. Wir stellen ausgewählte Veranstaltungen vor:

7. November 2026

Kassel: Das Kasseler Friedensforum und die Kreisvereinigung Kassel der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten laden am Samstag, 7. November 2026, um 11 Uhr zu einer Gedenkkundgebung ein. Treffpunkt ist der Gedenkstein für die ehemalige Synagoge in der Unteren Königsstraße. Anschließend führt ein kurzer Mahngang zu Stolpersteinen am Pferdemarkt. Die Veranstaltung erinnert daran, dass die Novemberpogrome in Kassel bereits am 7. November 1938 begannen. Sie steht unter dem Motto „Im Gedenken der Opfer der Novemberpogrome: Keine Toleranz gegen Neofaschismus, Rassismus und Antisemitismus!“

Kassel: Am Samstag, 7. November 2026, findet um 22 Uhr in der Chorkirche der Martinskirche ein ökumenisches Friedensgebet zum Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 statt. Musik, literarische Texte, Gebete, Kerzen und Zeiten der Stille schaffen Raum für Erinnerung und Mahnung. Dazu läutet die Osanna-Glocke der Martinskirche. Die inhaltliche Gestaltung übernehmen Pfarrerin Dr. Insa Rohrschneider, Pastoralreferentin Beatrix Ahr und Dr. Jörg Westerburg. Kirchenmusikdirektor Eckhard Manz und Dr. Katja Seeberg gestalten das Friedensgebet musikalisch.

Marburg: Der Arbeitskreis Landsynagoge Roth informiert am Samstag, 7. November 2026, von 11 bis 14 Uhr mit einem Stand auf dem Heumarkt über seine Arbeit. Im Mittelpunkt stehen ein Porträt und ein Zitat des Holocaust-Überlebenden Herbert Roth. Der Infostand ist Teil des Marburger Rahmenprogramms zum Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 und wird in Kooperation mit der Stadt Marburg angeboten.

8. November 2026

Bad Hersfeld: Der Arbeitskreis Christlicher Kirchen und die Christlich-Jüdische Gesellschaft laden am Sonntag, 8. November 2026, um 15 Uhr zu einer Gedenkandacht auf dem Schillerplatz ein. Bad Hersfeld erinnert bereits an diesem Tag an die Novemberpogrome von 1938, weil die Synagoge der Stadt schon am 8. November 1938 niedergebrannt wurde.

Fulda: Das Kulturamt der Stadt Fulda lädt am Sonntag, 8. November 2026, um 19 Uhr zu einem Vortrag in das Forum Kanzlerpalais, Unterm Heilig Kreuz, ein. Unter dem Titel „Geschichte entdecken: Neue Website zum Alten Jüdischen Friedhof“ stellen Reini Binsteiner und Anja Listmann die neue Internetseite und ausgewählte Inhalte zur Geschichte des Friedhofs vor. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Homberg (Efze): Die Stadt Homberg (Efze) und der Ökumenische Arbeitskreis laden am Sonntag, 8. November 2026, um 13 Uhr zum Gedenken auf dem jüdischen Friedhof ein. Vorgesehen sind die Niederlegung eines Blumengestecks sowie Worte, Gebet und Stille. Männer werden gebeten, eine Kopfbedeckung zu tragen.

Kassel: Die Stadt Kassel und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit laden am Sonntag, 8. November 2026, um 15 Uhr zur Gedenkfeier an die Novemberpogrome von 1938 in den Bürgersaal des Kasseler Rathauses ein. Unter dem Titel „Angriffe auf die Erinnerungskultur“ spricht der Historiker Prof. Dr. Jens-Christian Wagner über die Herausforderungen für die Erinnerungskultur und die Gedenkstättenarbeit. Er geht der Frage nach, wie Bildungseinrichtungen und Gedenkstätten darauf reagieren können. Außerdem erläutert er, welche Bedeutung die Auseinandersetzung mit den nationalsozialistischen Verbrechen für die Demokratie und das gesellschaftliche Zusammenleben hat. Wagner ist Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Danach ist ein Gespräch mit dem Publikum vorgesehen. Zum Programm gehören außerdem ein Beitrag von Schülerinnen und Schülern der Arnold-Bode-Schule, ein Gedenkgebet von Rabbiner Shaul Nekrich und Musik der Camerata Kassel.

9. November 2026

Bebra: Die Stadt Bebra lädt am Montag, 9. November 2026, um 17 Uhr zu einer Gedenkfeier am neu gestalteten Gedenkort auf dem Rathausplatz ein. Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern der Brüder-Grimm-Gesamtschule wird an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Bebras erinnert, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt und ermordet wurden. Die Teilnehmenden legen Rosen für die Opfer nieder. Die Gedenkfeier setzt zugleich ein Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung.

Borken: Die Stadt Borken (Hessen) lädt am Montag, 9. November 2026, ab 18 Uhr zu einer Gedenkfeier anlässlich des 88. Jahrestags der Novemberpogrome ein. Vorgesehen ist ein Schweigemarsch vom jüdischen Friedhof zum Gedenkstein an der ehemaligen Synagoge in der Hintergasse.

Fulda: Am Montag, 9. November 2026, findet um 18 Uhr eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 statt. Erstmals kommen die Teilnehmenden dazu am Alten Jüdischen Friedhof in der Rabanusstraße zusammen. Das Gedenken erinnert an die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung während der nationalsozialistischen Herrschaft.

Hanau: Zum Gedenken an die Novemberpogrome zeigt die Stadt Hanau am Montag, 9. November 2026, um 20 Uhr das Bühnenprogramm „Annes Kampf: Anne Frank vs. Adolf Hitler“. Marianne Blum und Thomas Linke stellen Passagen aus dem Tagebuch von Anne Frank und aus Hitlers „Mein Kampf“ einander gegenüber. Die Collage mit Musik setzt sich mit Nationalsozialismus, Antisemitismus, Diktatur und Erinnerungskultur auseinander. Die Veranstaltung im Kulturforum Hanau, Am Freiheitsplatz 18 a, ist kostenfrei und barrierefrei. Weitere Informationen zur Veranstaltung

Hofgeismar: Das jährliche Gedenken des Stadtmuseums beginnt am Montag, 9. November 2026, um 18 Uhr in der Neustädter Kirche, Neustädter Kirchplatz 5. Im Mittelpunkt steht die jüdische Familie Kanter aus Sielen. Nachkommen der Familie berichten über ihre Familiengeschichte. Angehörigen der Familie gelang 1937 und 1938 die Flucht nach Bogotá. Der Chor „The Soundweavers“ gestaltet den Abend musikalisch. Veranstalter sind die Hessische Landeszentrale für politische Bildung, das Stadtmuseum Hofgeismar und die Evangelische Kirchengemeinde Hofgeismar.

Marburg: Die Universitätsstadt Marburg, die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und die Jüdische Gemeinde Marburg laden am Montag, 9. November 2026, um 19 Uhr zu einer Besinnungsstunde in den Garten des Gedenkens ein. Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und eine Vertreterin der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit sprechen zu den Teilnehmenden. Zum Abschluss trägt ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde die Gebete „Kaddisch“ und „El male rachamim“ vor. Bereits im Laufe des Tages können kleine Steine niedergelegt und Kerzen aufgestellt werden. Auf Blumen soll nach jüdischem Brauch verzichtet werden. Rund um den Gedenktag gibt es zudem ein kulturelles Erinnerungsprogramm. Weitere Informationen zum Gedenken in Marburg

Neukirchen: Die 33. Neukirchener Gedenkveranstaltung beginnt am Montag, 9. November 2026, um 9.30 Uhr am Gedenkstein vor der ehemaligen Synagoge in der Untergasse. Nach Glockengeläut, Stille und ersten Beiträgen gehen die Teilnehmenden gemeinsam zur Nikolaikirche. Dort gestalten die Steinwaldschule Neukirchen und die Melanchthonschule Steinatal das weitere Programm. Der Posaunenchor der Melanchthonschule übernimmt die musikalische Begleitung. Auch die evangelische und die katholische Kirchengemeinde wirken mit. Weitere Informationen zur Gedenkveranstaltung in Neukirchen

Vöhl: Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Vöhl und der Förderkreis Synagoge in Vöhl laden am Montag, 9. November 2026, zum Gedenken an die Novemberpogrome von 1938 ein. Das Friedensgebet mit Pfarrer Dr. Harald Wahl beginnt um 19.30 Uhr in der Martinskirche. Um 20 Uhr schließt sich eine Gedenkfeier in der ehemaligen Synagoge an. Dort werden die Namen der Vöhler Opfer des Holocaust verlesen und für jeden Menschen eine Kerze entzündet.

Wolfhagen: Die Stadt Wolfhagen lädt am Montag, 9. November 2026, um 16.30 Uhr zum Gedenken an die Opfer der Novemberpogrome von 1938 in das Cinema Wolfhagen ein. Gezeigt wird der Dokumentarfilm „Wir waren doch Nachbarn“ von Uli Wendelmann und Denis Kliewer. Der Film erzählt von jüdischen Familien und ihrer Ausgrenzung und Verfolgung im nationalsozialistischen Deutschland. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Austausch. Danach wird das Gedenken am Standort der ehemaligen Synagoge in der Mittelstraße fortgesetzt. Für die musikalische Begleitung sorgt Kai-Michael Schirmer, Leiter des ResiDance Orchestra Cassel, mit Klarinettenmusik. Der Eintritt ist frei. Wegen der begrenzten Zahl an Plätzen ist eine Anmeldung unter kino-wolfhagen.de möglich.

Ziegenhain: Am Montag, 9. November 2026, werden ab 10.45 Uhr in der Kasseler Straße 28 und in der Wiederholdstraße 27 Stolpersteine erneuert. Sie erinnern an Samuel und Malchen Heilmann sowie an Erna Strupp, verheiratete Wolffberg, die vom nationalsozialistischen Regime verfolgt wurden. Am Montag, 16. November, werden ab 8.30 Uhr in der Wiederholdstraße 1 erstmals Stolpersteine für die Familie Höxter verlegt. Die Familie musste Ziegenhain 1936 verlassen und konnte später über England in die USA fliehen. Ein Angehöriger der Familie nimmt an der Verlegung teil. Beide Veranstaltungen finden in Kooperation mit dem Schwalmgymnasium Treysa statt.

Wort zur Woche

Pfarrerin Anke Zimmermann aus Homberg (Efze) erinnert im «Wort zur Woche» an die Reichspogromnacht am 9. November 1938. Sie spricht über die Bedeutung des Gedenkens, die Stolpersteine als Zeichen gegen das Vergessen und warum es wichtig ist, auch heute gegen Antisemitismus einzutreten.

Goebbels gab Zeichen für Gewaltaktionen

Als Vorwand für die Übergriffe diente den Nationalsozialisten das Attentat des aus Hannover stammenden 17-jährigen Juden Herschel Feibel Grynszpan auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath am 7. November 1938 in Paris. Propagandaminister Joseph Goebbels nutzte die Gelegenheit, um bei einem Treffen von Parteiführern in München das Signal für die Gewaltaktionen in ganz Deutschland und Österreich zu geben.

In der Öffentlichkeit versuchte die NS-Führung, die Welle der Gewalt als «spontanen Ausbruch des Volkszorns» erscheinen zu lassen. Die Ausschreitungen begannen bereits am 7. November in Nordhessen und dauerten bis zum 13. November.

An den Gewalttaten beteiligten sich vor allem SA- und SS-Männer und Parteimitglieder, vielerorts aber auch Deutsche, die nicht den NS-Organisationen angehörten. Wissenschaftler gehen heute davon aus, dass während und infolge der Gewalt mehr als 1.300 Menschen getötet und mindestens 1.400 Synagogen stark beschädigt oder zerstört wurden.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten Einrichtungen und Eigentum jüdischer Bürger. Unser Foto zeigt die zerstörte Synagoge in Eschwege.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 zerstörten die Nationalsozialisten Einrichtungen und Eigentum jüdischer Bürger. Unser Foto zeigt die zerstörte Synagoge in Eschwege.

Enteignungen, Deportationen und Todeslager

Das öffentliche Leben der Juden in Deutschland kam nach den Pogromen völlig zum Erliegen. Nach den gewaltsamen Übergriffen begann auch die flächendeckende staatliche Enteignung jüdischen Besitzes. Drei Jahre später, im Jahr 1941, setzten die Deportationen deutscher Juden in die Todeslager ein.

Die Erinnerung an diese Verbrechen richtet den Blick heute bewusst auf die einzelnen Verfolgten und ihre Lebensgeschichten. Dafür stehen auch die Stolpersteine, die an früheren Wohnorten Namen und Lebensdaten sichtbar machen. Eine App erweitert diese Form des Gedenkens um einen digitalen Zugang.

Stolperstein für Julius Oppenheim und seine Familie auf der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel.

Stolperstein für Julius Oppenheim und seine Familie auf der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel.

Stolpersteine digital entdecken

Die App „Stolpersteine Digital“ ist jetzt auch in Hessen verfügbar und kann damit an vielen Orten in den Regionen der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck genutzt werden. Wer einen Stolperstein mit der Kamera des Smartphones scannt, kann die Lebensgeschichte des Menschen aufrufen, an den der Stein erinnert.

Die App bietet außerdem eine digitale Möglichkeit des Gedenkens. Mithilfe von „Augmented Reality“, auf Deutsch „erweiterte Realität“, lässt sich eine virtuelle Kerze am Stolperstein aufstellen. Auf dem Bildschirm erscheint die Kerze so, als stünde sie am wirklichen Ort.

Stolpersteine erinnern an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt, vertrieben, deportiert oder ermordet wurden. Die meist vor ihren früheren Wohnhäusern verlegten Steine tragen Messingplatten mit Namen und Lebensdaten. Das von Gunter Demnig begonnene Kunstprojekt umfasst inzwischen rund 116.000 Stolpersteine in mehr als 1.860 Städten und Gemeinden in 31 europäischen Ländern. Die App macht die Lebensgeschichten hinter diesem weit über Europa verteilten Mahnmal leichter zugänglich.

judentum-digital.de

Die Jüdische Gemeinde Hanau betreibt das Online-Angebot «Judentum digital», in dem für Interessierte eine digitale Gemeinde- und Synagogenführung bereitsteht, bei der die jüdische Religion sowie alltägliche Traditionen und Bräuche vor Ort beschrieben werden. Außerdem werden weitere religiöse, aktuelle und gesellschaftspolitische Aspekte des Judentums erklärt.