Ein Bild, so heißt es, sage mehr als tausend Worte. Aber vielleicht ist es auch ganz anders: Ein Bild erzählt eine Geschichte ganz anders, als Worte es können. Zumindest, wenn es ein gutes Bild ist. Einer, der sprechend fotografieren kann, ist Reinhard Keller, Pfarrer in Jesberg.
Keller fotografiert schon seit Jahrzehnten, anfangs mit Dias und eigenem Schwarz-Weiß-Labor. Seit 2001 engagiert er sich bei dem Zusammenschluss „Blaue Linse Marburg“. 2025 lautete dort das Thema für die Jahresausstellung schlicht: Leben. Er sei kein Porträtfotograf, sagt Keller, doch ihm fiel etwas anderes ein: Hände; und zwar Hände, die schon viel geschafft haben.
Als Seelsorger hat Reinhard Keller natürlich viel im örtlichen Seniorenheim zu tun. Von der Heimleitung bekam er die Erlaubnis für sein Fotoprojekt. Und natürlich mussten die alten Menschen verstehen, dass und wofür sie fotografiert wurden, und einwilligen.
Für die Jahresausstellungen der „Blauen Linse” sind Serien gefragt, keine Einzelbilder. So fotografierte der Pfarrer im DRK-Seniorenzentrum Kellerwald Bewohnerinnen und Bewohner nach den immer selben Regeln. Die wichtigste: Es sind ausschließlich die Hände der Menschen zu sehen – und immer in schwarz-weiß.
Herausgekommen sind beeindruckende Fotografien. Man glaubt, den Händen die vielen Lebensjahre anzusehen, die hinter ihnen liegen. „Das Leben hinterlässt Spuren“, sagt Keller, und das sieht man.
Zu jedem der 23 Bilder, die dann auch im Seniorenheim ausgestellt wurden, könnte er eine Geschichte erzählen, denn die Fotos entstanden während eines Gesprächs, oft fast beiläufig.
Da sind die Hände einer sterbenden Frau zu sehen, die auf die Frage, ob er sie fotografieren dürfe, fröhlich gesagt hatte: „Ich helfe Ihnen gerne.“ Sie sei eine Frau voller Lebensfreude gewesen, die er oft pfeifen hörte, erinnert sich Pfarrer Keller.
Eine andere alte Frau erzählte von ihrem Schlaganfall und wie sie über die Zeit anzunehmen lernte, dass ihr in der rechten Hand jetzt die Kraft fehlt. Gleichzeitig, sagt Keller, habe sie mit links ein sehr deutliches Schriftbild entwickelt.
Und so sind die Lebensgeschichten in die Falten der Hände eingewoben. Das ahnt man auch als Beobachter, der die Leute nicht kennt. Noch mehr sprechen die Hände zu Bekannten der Fotografierten. Die Pflegerinnen und Pfleger hätten sofort erkannt, wer da abgebildet ist, erzählt Pfarrer und Fotograf Keller.

„Erzähl doch mal“ als E-Paper
„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.
Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.
Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.



