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Seit 1975 wird der Internationale Frauentag auf Beschluss der Vereinten Nationen am 8. März begangen. Bis heute demonstrieren Frauen weltweit an diesem Tag für Gleichberechtigung. Unser Foto zeigt einen Demonstrationzug für Frauenrechte.

Seit 1975 wird der Internationale Frauentag auf Beschluss der Vereinten Nationen am 8. März begangen. Bis heute demonstrieren Frauen weltweit an diesem Tag für Gleichberechtigung. Unser Foto zeigt einen Demonstrationzug für Frauenrechte.

Kassel / Redaktion ekkw.de, epd
Veröffentlicht 06 Mär 2026
Portraitfoto von Bischöfin Dr. Beate Hofmann
«Ich stehe auf für Gleichberechtigung, um die weiter gerungen werden muss. Wer Frauenrechte stärkt, respektiert die Würde aller Menschen.»
Bischöfin Dr. Beate Hofmann

Rechtlicher Schutz wächst, Gewalt bleibt Realität

Die Vereinten Nationen wollen bis 2030 Geschlechtergleichheit und Selbstbestimmung für Frauen und Mädchen erreichen. Entscheidend sind wirksame Gesetze gegen geschlechtsspezifische Diskriminierung: Wo sie greifen, ist Partnerschaftsgewalt seltener. Zwar wurden zwischen 2019 und 2024 weltweit rund 100 Schutzgesetze verabschiedet oder reformiert, doch der rechtliche Schutz bleibt vielerorts lückenhaft, berichtet die Bundeszentrale für politische Bildung. In manchen Ländern gilt Sex ohne Einwilligung nicht als Vergewaltigung, teils dürfen Ehemänner Frauen das Arbeiten verbieten. Gewalt ist weiterhin weit verbreitet: In der EU hat fast jede dritte Frau körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt, weltweit werden täglich durchschnittlich 137 Frauen und Mädchen von Partnern oder Familienangehörigen getötet. 

www.unwomen.de

Der Internationale Frauentag hat seine Wurzeln in der Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts. 1910 beschlossen Frauen aus 17 Ländern auf einer internationalen sozialistischen Frauenkonferenz die Einführung eines jährlichen Aktionstags. Bereits 1911 fanden in mehreren europäischen Ländern und den USA erste Kundgebungen statt, damals noch am 19. März. Im Mittelpunkt standen das Frauenwahlrecht sowie bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für Arbeitnehmerinnen. Seit 1975 wird der Internationale Frauentag auf Beschluss der Vereinten Nationen am 8. März begangen. Bis heute demonstrieren Frauen weltweit an diesem Tag für Gleichberechtigung. In Berlin und Mecklenburg‑Vorpommern ist der 8. März gesetzlicher Feiertag.

Jede dritte Frau in Deutschland Opfer von Gewalt

Auch in Deutschland wird weiterhin jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer physischer oder sexualisierter Gewalt. Betroffen sind Frauen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen. Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben dabei zwei- bis dreimal häufiger Gewalt als der Bevölkerungsdurchschnitt: Schätzungen zufolge erfahren 70 bis 90 Prozent von ihnen im Erwachsenenleben psychische Gewalt. Laut aktuellen Erhebungen hat zudem fast jede zweite Frau in Deutschland bereits sexuelle Belästigung erlebt – am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder im digitalen Umfeld. Viele Betroffene melden Vorfälle nicht, weil sie berufliche Nachteile fürchten oder kein Vertrauen in die Strafverfolgung haben.

Gender Gap auf dem Arbeitsmarkt

Trotz gesetzlicher Gleichstellung bestehen für Frauen in Deutschland weiterhin strukturelle Benachteiligungen im Erwerbsleben. Der sogenannte Gender‑Gap‑Arbeitsmarkt vergleicht Löhne, bezahlte Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern. Laut Statistischem Bundesamt lag er 2025 unverändert bei 37 Prozent und stagnierte damit nach einem Rückgang im Vorjahr. Die Ungleichheit setzt sich im Alter fort: Der Gender‑Pension‑Gap betrug 2025 24 Prozent bei Frauen mit Hinterbliebenenrenten und 36 Prozent bei Frauen ohne entsprechende Ansprüche.

f³ – frauen fördern führung

Mit dem Projekt „f³ – frauen fördern führung“ setzt sich die Diakonie Hessen dafür ein, dass mehr Frauen Führungsaufgaben übernehmen. Hintergrund ist, dass zwar viele Frauen in der Diakonie arbeiten, sie aber in Leitungspositionen bislang deutlich seltener vertreten sind.

Seit 2021 wird deshalb erfasst, wie viele Frauen und Männer in den oberen Führungsebenen tätig sind. Auf dieser Grundlage entwickelt die Diakonie gezielte Angebote, um Frauen auf ihrem Weg in Führungspositionen zu unterstützen. Dazu gehören Fortbildungen, Austausch‑ und Netzwerktreffen sowie ein Mentorinnen‑Programm, bei dem erfahrene Führungskräfte Frauen begleiten. Ziel ist es, den Frauenanteil in leitenden Positionen in den kommenden Jahren auf 40 Prozent zu erhöhen.

Begleitet wird das Projekt von einem Beirat aus sechs Frauen, die aus unterschiedlichen Bereichen von Diakonie und Kirche kommen. Sie bringen ihre Erfahrungen und Fachkenntnisse ein und unterstützen das Projekt aus verschiedenen Perspektiven.

Frauen in höheren Positionen und Ämtern

Frauen sind in Führungspositionen in Deutschland weiterhin deutlich unterrepräsentiert. Weniger als jede dritte Führungskraft ist weiblich – ein Wert, der sich seit Jahren kaum verändert hat. In den 200 umsatzstärksten Unternehmen lag der Anteil von Frauen in Vorständen zuletzt bei 19 Prozent und stagnierte damit erstmals nach zuvor steigender Entwicklung. Ursachen sind unter anderem strukturelle Hürden wie berufliche Auszeiten für Kinderbetreuung oder Pflege sowie geschlechtsspezifisch geteilte Arbeitsmärkte, in denen frauendominierte Branchen meist schlechter bezahlt und sozial geringer bewertet werden.

Auch auf politischer Ebene zeigen sich weltweit Fortschritte: Der Anteil weiblicher Abgeordneter in nationalen Parlamenten stieg von elf Prozent im Jahr 1995 auf 27 Prozent. An der Staatsspitze bleiben Frauen jedoch die Ausnahme: Anfang 2025 waren weltweit nur 25 von 189 Staatsoberhäuptern weiblich, zwölf davon in Europa. In Deutschland sank der Frauenanteil im Bundestag nach der jüngsten Wahl von 35 auf 32 Prozent; international belegt Deutschland damit Rang 60 von 185.

Frauen im Pfarramt

In der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) wurden 1962 erstmals Frauen ordiniert – unter Vorbehalten und mit Auflagen: Eine Heirat bedeutete damals das automatische Dienstende. Erst 1980 wurden Pfarrerinnen und Pfarrer formal gleichgestellt.

Zu den prägenden Persönlichkeiten gehört Roswitha Alterhoff, die im Jahr 1980 die erste weiblichen Studienleiterin des Evangelischen Predigerseminars wurde. Sie avancierte später zur Dekanin (1986), Pröpstin (1990) und schließlich zur ersten Prälatin der Landeskirche im Jahr 2003. Von 2010 bis 2017 folgte ihr Marita Natt in diesem Amt. Seit 2019 ist Dr. Beate Hofmann Bischöfin der EKKW und bringt ihre weibliche Perspektive in die geistliche Leitung der Landeskirche ein. Eine weitere Spitzenposition hat seit 2022 Dr. Katharina Apel als Vizepräsidentin der Landeskirche inne.

Rund 40 Prozent der Pfarrstellen in der EKKW sind heute mit Frauen besetzt – ein Anstieg gegenüber nur acht Pfarrerinnen im Jahr 1963. Auch unter den Theologiestudierenden bilden Frauen mit einem Anteil von über 70 Prozent die Mehrheit. Die EKKW liegt damit über dem Durchschnitt vieler Landeskirchen. Dennoch zeigt der aktuelle Gleichstellungsatlas der EKD, dass insbesondere auf der mittleren Leitungsebene – etwa bei Dekaninnen – noch Handlungsbedarf besteht. In Kurhessen-Waldeck liegt der Frauenanteil hier bei unter 30 Prozent.