Beide Kirchen nehmen aktiv Kontakt zu Mitgliedern auf, die 18 Jahre alt werden und weisen auf ihr Beratungsangebot hin. Mit einer Postkarte ermutigen sie die Angeschriebenen, sich sorgfältig mit einer Entscheidung für oder gegen den Wehrdienst auseinanderzusetzen. Damit wollen die Kirchen die jungen Menschen im Prozess der Gewissensbildung begleiten. Die Beratung der Kirchen ist ergebnisoffen und kostenlos.
Kirchen bauen Beratungsangebot aus
Bei den Beratungsangeboten sei eine steigende Nachfrage festzustellen, teilten die evangelischen Kirchen in Hessen mit. Ihr Beratungsangebot werde daher ausgebaut. In der Ausbildung von Beraterinnen und Beratern arbeiten die Kirchen mit der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) zusammen. Derzeit würden daran 30 Personen aus dem Bereich beider Kirchen teilnehmen. Zu der Ausbildungsgruppe gehörten unter anderem Pfarrpersonen sowie Gemeindereferent*innen und Gemeindereferenten, heißt es weiter. Koordiniert werde die Beratung durch das gemeinsame Zentrum Oekumene.
Wehrpflicht ist seit 15 Jahren ausgesetzt
Seit dem 1. Januar 2026 schreibt die Bundeswehr alle jungen Menschen kurz nach deren 18. Geburtstag an, um ihr Interesse an einem Dienst in der Truppe abzufragen und sie zu erfassen. Männer müssen den Fragebogen ausfüllen, Frauen ist es freigestellt. Die im Grundgesetz verankerte Wehrpflicht ist seit 2011 ausgesetzt. Allerdings soll auf freiwilliger Basis die Zahl der Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr erhöht werden.
Auch das Recht auf Kriegsdienstverweigerung ist im Grundgesetz geregelt. Dort heißt es im Artikel 4: „Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“ Über den schriftlichen Antrag beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr entscheidet das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben.
Für den Antrag werden ein tabellarischer Lebenslauf und eine umfassende Begründung der Gewissensentscheidung verlangt, den Dienst an der Waffe für sich auszuschließen, was wegen der ausgesetzten Wehrpflicht zunächst aber keine unmittelbaren Folgen hat.

Der neue Wehrdienst stellt viele junge Menschen vor eine wichtige Entscheidung. Auf deine‑meinung.info finden sie verständliche Infos zu Wehrdienst, Musterung und Kriegsdienstverweigerung sowie Videos, Materialien und persönliche Beratungsangebote. Die evangelische Kirche bietet dort einen neutralen, ergebnisoffenen Raum, um eigene Werte zu prüfen und den passenden Weg zu finden.
Kriegsdienstverweigerungen steigen
Die Zahl der Menschen, die den Kriegsdienst verweigern, steigt deutlich. War in den vergangenen Jahren mutmaßlich vor allem die veränderte Sicherheitslage nach dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 ein wesentlicher Grund, so haben sich die Antragszahlen mit dem Start der Wehrerfassung zum Jahresbeginn noch einmal stark erhöht.
Bis zum 31. Juli seien binnen sieben Monaten 8.302 Anträge beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln eingegangen, teilte eine Sprecherin mit. Das waren mehr als doppelt so viele wie im gesamten vergangenen Jahr, als es 3.879 Anträge gab.
