Zwischen September 2025 und März 2026 wurden Teile des künftigen Gesangbuchs in rund 550 evangelischen Kirchengemeinden in Deutschland und Österreich erprobt. Die Teilnehmenden konnten Lieder, Psalmen und Texte ausprobieren und ihre Erfahrungen zurückmelden.
Die Ergebnisse fallen überwiegend positiv aus. Viele Befragte schätzen insbesondere die Vielfalt der Inhalte. Klassische Choräle stehen neben neueren geistlichen Liedern, Psalmen und spirituellen Texten. Die Verbindung von Vertrautem und Neuem wird von vielen als Bereicherung empfunden, teilte die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mit.
Erfahrungen aus 30 EKKW-Gemeinden
Auch 30 Gemeinden aus der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) beteiligten sich an der Erprobung. Sie kamen aus allen Regionen der Landeskirche, darunter Wolfhagen, Marburg, Bebra und Nidderau. Kirchenmusikdirektor Peter Hamburger hatte die Rückmeldungen aus den Gemeinden bereits im Januar als wichtigen Teil des Projekts bezeichnet (Wir berichteten hier). Das neue Gesangbuch solle Bewährtes bewahren und zugleich neue Lieder aufnehmen, die vielerorts bereits gesungen werden. Die Testphase sollte zeigen, wie sich die Entwürfe im praktischen Einsatz bewähren.
Hinweise für die weitere Überarbeitung
Neben Zustimmung gab es auch konkrete Verbesserungsvorschläge. Sie betreffen unter anderem die Auswahl einzelner Lieder, den Noten- und Textsatz sowie redaktionelle Bearbeitungen bekannter Choräle. Nach Angaben der EKD sollen diese Hinweise nun in die weitere Arbeit am Gesangbuch einfließen.
Die EKD-Ratsvorsitzende, Bischöfin Kirsten Fehrs, wertet die Rückmeldungen als wichtiges Signal. Ein Gesangbuch begleite Menschen oft über viele Jahre. Deshalb sei es ermutigend, dass viele Teilnehmende darin Lieder und Texte für ihren Glauben finden. Zugleich helfe die Kritik dabei, das Werk weiter zu verbessern.
Neue Möglichkeiten für Gottesdienst und Andacht
Positiv bewertet wurde auch die neue Konzeption des Gesangbuchs. Die stärkere Verbindung von Liedern, Psalmen und Texten eröffnet nach Einschätzung vieler Befragter zusätzliche Möglichkeiten für Gottesdienste, die Gemeindearbeit und persönliche Andachten. Viele Teilnehmende beschreiben das Gesangbuch als lebensnah und ansprechend.
Besonders bemerkenswert ist das Urteil jüngerer Menschen. Ihre Bewertungen lagen insgesamt über dem Durchschnitt aller Befragten. Für die EKD ist dies ein Hinweis darauf, dass das neue Gesangbuch auch für kommende Generationen attraktiv sein könnte.
Arbeit am Nachfolger des bisherigen Gesangbuchs
Der Rat der EKD hatte 2017 gemeinsam mit den evangelischen Landeskirchen beschlossen, ein neues Evangelisches Gesangbuch zu erarbeiten. Seit 2020 arbeitet eine rund 70-köpfige Kommission aus den Landeskirchen, Fachverbänden und der Evangelischen Kirche in Österreich an der Neuausgabe. Unterstützt wird die Arbeit von einem ehrenamtlichen Liedausschuss, der rund 17.000 Liedvorschläge geprüft hat.
Anlass für die Neugestaltung sind unter anderem veränderte Gottesdienstformen, neue liturgische Entwicklungen und die wachsende Vielfalt geistlicher Musik. Das derzeitige Evangelische Gesangbuch stammt aus den 1990er Jahren.
Das neue Evangelische Gesangbuch

Auf den ersten Blick wirkt das neue Gesangbuch deutlich lebhafter als die bisherigen Ausgaben: Auf blauem Untergrund ist ein nach rechts oben geöffneter Kreis mit sechs Segmenten in Nuancen von Blau, Rot und Grün zu sehen. Unübersehbar darunter steht in Weiß der Titel „Evangelisches Gesangbuch“. Auf der Rückumschlagseite ist Platz für Logos der Landeskirchen oder auch Prägungen. Der farbige Kreis stellt sich beim Aufschlagen des neuen Buches als wesentliches Gestaltungselement dar. Seine Segmente symbolisieren die sechs großen Themenrubriken, zu denen der Tagesverlauf, der Jahreskreis, Gottesdienst, Psalmen sowie Lebens- und Weltzeit gehören.
Bei der noch bevorstehenden Endauswahl für das neue Gesangbuch geht es nicht nur um musikalische Aspekte. Eine Ethikkommission soll noch einige bekannte Lieder prüfen, deren Autoren in Verruf geraten sind – beispielsweise durch ihre Rolle während des NS‑Regimes oder wegen erhobener Missbrauchsvorwürfe.
Das neue Gesangbuch soll zudem eine weitere „Baustelle“ beseitigen – nämlich eine juristische: Vielerorts bewegen sich Kirchengemeinden rechtlich im Abseits, wenn sie Texte und Melodien auf Liederzetteln drucken, die nicht im Gesangbuch stehen. Für die Nutzung aller Lieder aus dem Gesangbuch sollen künftig sämtliche Rechte vorliegen.

