Der gebürtige Kasseler ist künftig für die Kirchenkreise Hofgeismar‑Wolfhagen, Werra‑Meißner, Kaufungen und den Stadtkirchenkreis Kassel zuständig. Als Propst – vergleichbar mit einem Regionalbischof – ist er Ansprechpartner und Seelsorger für Pfarrpersonen, haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende, Kirchenvorstände und Synodale. Zugleich will er ein offenes Ohr für die Anliegen der Menschen in der Region haben.

„Ich freue mich darauf, eine Vermittlerrolle zwischen Vision und Praxis, zwischen Stärkung geistlicher Identität und strategischem Umbau im Sprengel Kassel leben zu können: mit echter Liebe zur nordhessischen Vielfalt“, sagt Mecke. Er sieht sich als Coach und Netzwerker, der theologische und spirituelle Impulse setzt. Wichtig sei ihm eine Leitungshaltung, die wertschätzt und andere ermutigt, ihre Gaben einzubringen.
Zuversicht trotz knapper werdender Ressourcen
Mit Respekt, aber auch der Grundüberzeugung, dass sich aus der Not eine Tugend machen lässt, will Norbert Mecke die neue Aufgabe angehen. „Der Rückgang von Mitteln und Personal stellt manches, was wir tun und wie wir es tun, infrage.“ Deshalb brauche es eine Antwort, warum und wozu es Kirche gibt. Eben die sei zentral für alles: „Unser Alleinstellungsmerkmal ist, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat weiterzugeben. Und das ist ein Zuversicht-Booster“, blickt der künftige Propst optimistisch nach vorn – zugleich auch mit leichter Wehmut zurück: Von Melsungen aus habe er viel Herzblut in seinen Kirchenkreis gesteckt und die Kreativität der Haupt- und Ehrenamtlichen sowie das Beziehungsgeflecht vor Ort zu schätzen gewusst. Ebenso die enge Zusammenarbeit mit Dekanin Sabine Tümmler (Fritzlar-Homberg) und Dekan Christian Wacher (Schwalmstadt-Ziegenhain), mit denen er die Leitungsverantwortung im größten Kirchenkreis der EKKW geteilt hat. Bei ihnen wisse er den Kirchenkreis Schwalm-Eder in guten Händen.

Norbert Mecke (Mitte) mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Stadtdekan Dr. Michael Glöckner vor dem Haus der Kirche in Kassel
Erfahrungen, die Mecke mitbringt
Ab August wird Norbert Mecke für den Norden der EKKW verantwortlich sein. Was er für sein neues Amt mitbringt? „Verkündigungsleidenschaft, Freude an Menschen und Organisationsgeschick, systemisches Denken, Erfahrungen aus dem Pfarramt in Landgemeinden, in der Kleinstadt, dem Dekansamt im größten Kirchenkreis der Landeskirche und der Begleitung unseres landeskirchlichen Reformprozesses“, listet der neue Propst auf. Vor allem aber bringe er Elan, Lust und Humor mit. Er ergänzt augenzwinkernd: „Einen kräftigen Schuss Humor und über uns selbst lächeln zu können, brauchen wir schließlich als Top-Skill in unserer Kirche – es geht schließlich um die frohe Botschaft!“

Norbert Mecke
Zu Person: Norbert Mecke ist in Kassel geboren und aufgewachsen. Nach seinem Abitur am Goethe-Gymnasium hat er seinen Zivildienst im CVJM-Kassel geleistet und danach in Tübingen und Marburg Theologie studiert. Sein Vikariat hat er in Marburg-Ockershausen absolviert. Nach der Ordination führte ihn die erste Pfarrstelle 1997 ins Kirchspiel Holzhausen/Reinhardswald im damaligen Evangelischen Kirchenkreis Hofgeismar. 2013 wurde Mecke Dekan im Kirchenkreis Melsungen, der 2020 im Kirchenkreis Schwalm-Eder aufging.
Norbert Mecke ist Mitglied der landeskirchlichen Steuerungsgruppe Reformprozess, stellvertretender Landessynodaler und Rundfunksprecher: Seine geistlichen Impulse sind seit 2008 auf verschiedenen Wellen des hr zu hören. Mitgewirkt hat er ferner in der Kammer für Mission und Ökumene und bei landeskirchlichen Konzepten zu den Themen IT, Innovation und Interne Kommunikation. Ferner leistet er Vorstandsarbeit im Diakonischen Werk Schwalm-Eder und hat den Vorsitz in verschiedenen Stiftungen inne. Unter anderem war Mecke im Vorstand des Jugendkongresses „Christival 2002“ in Kassel. Mecke ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern.
Interview mit Norbert Mecke zum Propstamt
Das Propstamt im Sprengel Kassel ist zunächst auf sechs Jahre befristet – ein Novum in unserer Landeskirche. Irritiert Sie das?
Norbert Mecke: Stimmen, die das Amt grundsätzlich infrage stellen, nehme ich ernst – nicht weniger aber die Aufgabenstellungen, die ich mit dem Amt derzeit und in naher Zukunft verbunden sehe. Genau in dieser Dialektik verstehe ich die landessynodal beschlossene Stellenbefristung. Im Dekansamt hat mir geholfen, selbst Betroffener ergebnisoffener Struktur- und Veränderungsprozesse zu sein. Das war sicher nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber wichtiger Erfahrungshorizont für Empathie, Lernfeld für Beweglichkeit und Faktor für Glaubwürdigkeit: auch Leitung ist vom Wandel betroffen und „gestaltet“ ihn nicht allein für andere. Darin liegt keine Schwächung, sondern eine Ressource.
Was macht das Amt aus?
Mecke: Das Propstamt ist aus meiner Sicht allem voran ein geistliches Amt. Die „geistliche Leitung eines Sprengels“ umfasst die seelsorgerliche, theologisch-fundierte, deutende und kommunikativ wache Begleitung von Menschen mehrerer im Wandel befindlicher Regionen. Die Stärke des Amtes liegt dabei in seiner Freiheit. Als relativ „unregelmäßiges Verb“ innerhalb der Kirchenleitungsstruktur ist eine Pröpstin oder ein Propst einerseits anfassbare Kirchenleitung vor Ort, andererseits aber weder dienstvorgesetzt noch mit Haushaltshoheit ausgestattet. Dem Propstamt unserer Landeskirche – bei all seinem Eingespannt-Sein in eine Fülle von Gremien, Ausschüssen und Beiräten – wohnt „von Alters her“ inne, nicht organisatorischen Druck, sondern geistliche Verankerung zu stärken, in verfahrenen Situationen zu stützen und Räume für das Wachsen von Neuem zu eröffnen.
Das reizt Sie?
Mecke: Ja. Das Amt ist ein „Dazwischen-Amt“. Es bewegt sich in Spannungen und ist so etwas wie ein „Transmissionsriemen“: zwischen landeskirchlich-kirchenleitender und „mittlerer“ Ebene, zwischen Reformprozessen, deren Kommunikation sowie Umsetzungen und regio-lokalen Adaptionen und zwischen unterschiedlichen Handlungslogiken. Pröpstinnen und Pröpste müssen Menschen im Gespräch halten. Mit wachsender Personalknappheit und dem künftigen Rahmen hauptamtlicher Versorgung werden Konflikte und Herausforderungen zunehmen – somit auch Vermittlungsaufgaben persönlicher und regionaler Art: Ein Propst bewegt sich zwischen Seelsorger, Coach, Netzwerker und theologischem wie spirituellem Impulsgeber.
Kirche bewegt sich gerade in herausfordernden Zeiten. Schreckt das nicht?
Mecke: Ich habe großen Respekt vor den Aufgaben. Meine Grundüberzeugung bleibt aber: In mancher scheinbaren aktuellen Not steckt eine Tugend. Der Rückgang von Mitteln und Personal stellt manches, was wir tun und wie wir es tun, infrage. Dafür nötigt es aber zur Antwort, warum und wozu es Kirche gibt – und die ist zentral für alles: Unser „unique selling point“ ist, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat weiterzugeben. Und das ist ein Zuversicht-Booster. Ich liebe die Schönheit des Glaubens in seinem protestantischen Gewand: dass wir heiter Fragment sein dürfen.
Was ist Ihnen dabei besonders wichtig?
Mecke: Mit einer Körpersprache unterwegs zu bleiben, die immer mehr Aufbruch als Nachtrauern, Willkommen-Sein als Abgrenzung und Ermöglichung als Reglementierung an den Tag legt. Ich freue mich darauf, eine Vermittlerrolle zwischen Vision und Praxis, zwischen Stärkung geistlicher Identität und strategischem Umbau im Sprengel Kassel leben zu können: mit echter Liebe zur nordhessischen Vielfalt!
Haben Sie dafür ein biblisches Leitbild?
Im Epheserbrief ist davon die Rede, dass alle kirchlichen Ehren- und Hauptämter eingesetzt sind, damit Menschen „zugerüstet werden zum Werk des Dienstes“, also damit jede und jeder gut und gestärkt einen Ort für Engagement findet. So soll Gemeinde und Kirche in Liebe auf Christus ausgerichtet wachsen. Es geht auch im Propstamt nicht um mich, sondern um eine Leitungshaltung, die andere wertschätzend fördert und ermutigt, Gaben einzubringen.
Was bringen Sie dafür mit?
Mecke: Verkündigungsleidenschaft, Freude an Menschen und Organisationstalent, systemisches Denken, Erfahrungen aus dem Pfarramt in Landgemeinden, in der Kleinstadt, dem Dekansamt im größten Kirchenkreis der Landeskirche und der Begleitung unseres landeskirchlichen Reformprozesses. Vor allem aber bringe ich Elan, Frische, Lust mit - und nicht zuletzt: Humor. Einen kräftigen Schuss Humor und über uns selbst lächeln zu können, brauchen wir schließlich als Top-Skill in unserer Kirche – es geht schließlich um die frohe Botschaft!
Sprengel der Landeskirche
Die EKKW ist unterteilt in drei Regionen: in den Sprengel Hanau-Hersfeld, den Sprengel Marburg und den Sprengel Kassel. Die Sprengel gliedern sich in 14 Kirchenkreise, denen Dekaninnen und Dekane vorstehen. In den Kirchenkreisen liegen die jeweiligen Kirchengemeinden, die von den Kirchenvorständen geleitet werden. Zum Sprengel Kassel zählen mehr als 200.000 Kirchenmitglieder. Der EKKW gehören insgesamt annähernd 665.000 Menschen in rund 550 Gemeinden an.
Der Sprengel Kassel reicht vom Wolfhager Land im Westen über Kaufungen, Witzenhausen und Eschwege bis in den Ringgau im Osten hinein. Von Norden erstreckt er sich von Bad Karlshafen und Hofgeismar über das Kasseler Stadtgebiet bis nach Baunatal. Zum Sprengel gehören die Kirchenkreise Hofgeismar-Wolfhagen, Kaufungen, Werra-Meißner und der Stadtkirchenkreis Kassel.
