Die Kampagne richtete sich an alle Wahlberechtigten in Hessen und begleitete darüber hinaus auch die Landtagswahl in Rheinland‑Pfalz am 22. März. Unabhängig vom Ausgang der Wahlen machen die Kirchen deutlich, dass ihr Anliegen über den Wahltag hinausreicht: Es geht um die Stärkung demokratischer Grundwerte im Alltag und um eine politische Kultur, die von Respekt, Solidarität und Offenheit geprägt ist.
Dank an Wähler, Engagierte und Wahlhelfer
Bischöfin Dr. Beate Hofmann dankte nach dem Wahltag allen Bürgerinnen und Bürgern, die ihr Wahlrecht wahrgenommen haben. „Mein Dank gilt allen, die gestern gewählt und einen Beitrag zur Stärkung der Demokratie geleistet haben“, sagte sie. Zudem dankte die Bischöfin den ehrenamtlich Engagierten in der Kommunalpolitik: „Ihnen danke ich für ihre Bereitschaft, in den kommenden fünf Jahren Verantwortung für das Gemeinwohl und die Demokratie zu übernehmen“, erklärte Hofmann gegenüber dem Medienhaus der EKKW. Besonders hob sie den Einsatz der Wahlhelferinnen und ‑helfer hervor, die mit ihrem Engagement die Organisation und Durchführung der Wahl ermöglicht hätten.

Klare Werte – keine Wahlempfehlungen
In einer gemeinsamen Mitteilung zur Kampagne betonten die Kirchen bereits im Februar, dass sie bewusst auf parteipolitische Empfehlungen verzichtet haben. Stattdessen formulierten sie eine klare wertebasierte Haltung: gegen Ausgrenzung, Menschenfeindlichkeit und jede Form von Extremismus – und für eine offene, gerechte und solidarische Gesellschaft. Demokratie, so der Tenor, brauche Engagement auch jenseits von Wahlen.
Zugleich verweisen die Kirchen auf die gemeinsame Verantwortung für das gesellschaftliche Klima, in dem politische Entscheidungen getroffen werden. Mit der Kampagne wollten sie Orientierung geben, Mut machen und zu einem respektvollen Umgang in politischen Debatten beitragen.

Aufstehen für…
…Menschenwürde
…Demokratie
…Vielfalt
…Offenheit
…Frieden
…Solidarität
…Freiheit
…Menschenrechte
…Zusammenhalt
…Versöhnung
…Gerechtigkeit
Wir stehen auf...
Die christlichen Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz stehen gemeinsam auf – für die Würde aller Menschen in unserem Land und für eine Stärkung unserer Demokratie. Menschenverachtende, extremistische, populistische und demokratiefeindliche Positionen widersprechen diesem Verständnis – sie haben in unseren Kirchen keinen Platz.
… für die uneingeschränkte Geltung der universalen Menschenrechte, für den Schutz des menschlichen Lebens von Beginn an, für Toleranz, Gleichberechtigung, Vielfalt und Offenheit.
Jede Form von Menschenverachtung, Antisemitismus, Rassismus, Muslimfeindlichkeit, Homophobie oder anderer Diskriminierung widerspricht unserem Glauben ebenso wie Bestrebungen, Grundrechte nur bestimmten Bevölkerungsgruppen zuzugestehen oder Menschen aus unserer Gesellschaft auszugrenzen oder gar auszuschließen.
… für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.
Freiheit, Gewaltenteilung, Kontrolle von Macht und gleiche Rechte für alle sind unverzichtbare Grundlagen unseres Gemeinwesens. Wir wenden uns entschieden gegen autoritäres Denken, die Verächtlichmachung demokratischer Institutionen und Prozesse sowie gegen Versuche, das Vertrauen in unsere Demokratie systematisch zu untergraben.
… für eine Gesellschaft, die geprägt ist von Verantwortung füreinander, für unser unmittelbares Umfeld, für Europa und für die Welt.
Nationalistische Überhöhungen, völkisches Denken, Geschichtsrelativierung und ethnisch definierte Zugehörigkeit lehnen wir ab. Deutschland ist Teil eines geeinten Europas und trägt globale Verantwortung für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung.
… für eine Wirtschafts- und Sozialpolitik, die sich an den Prinzipien der christlichen Gesellschaftslehre orientiert.
Wir setzen uns ein für soziale Gerechtigkeit, Inklusion und die aktive Gestaltung der Zukunft – gegen Ausgrenzung, Spaltung, die Leugnung des Klimawandels und soziale Hetze.
… für einen politischen Stil, der verbindet statt spaltet.
Angstmacherei, Feindbilder, populistische Kommunikationsstrategien, Anwendung von Gewalt und jede Form der Zusammenarbeit mit verfassungsfeindlichen Kräften widersprechen unserem Verständnis eines verantwortungsvollen, demokratischen und christlich geprägten Miteinanders.

Zeigen gemeinsam Flagge: Leitende Geistliche der christlichen Kirchen in Hessen und Rheinland-Pfalz, darunter Bischöfin Beate Hofmann von der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (3.v.l.)
Beteiligung und Sichtbarkeit
Die Kampagne „Aufstehen für …“ war am Aschermittwoch (18. Februar) gestartet. Seither stellten die beteiligten Kirchen ihren Gemeinden, Pfarreien und Einrichtungen umfangreiche Materialien zur Verfügung – darunter Plakate, Banner, Sticker und Postkarten. Viele Menschen beteiligten sich zudem mit eigenen Aktionen oder Statements für Demokratie und Menschenwürde, auch in den sozialen Medien.
Breite ökumenische Zusammenarbeit
Getragen wurde die Kampagne von zahlreichen katholischen und evangelischen Kirchen in Hessen, Rheinland‑Pfalz und den angrenzenden Regionen. Beteiligt waren unter anderem die katholischen Bistümer Fulda, Limburg, Mainz, Paderborn, Speyer und Trier sowie die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, die Evangelische Kirche der Pfalz, die Evangelische Kirche im Rheinland und die Evangelische Kirche von Kurhessen‑Waldeck. Auch die Arbeitsgemeinschaften Christlicher Kirchen Südwest und Hessen‑Rheinhessen unterstützten den gemeinsamen Aufruf.
www.aufstehen-fuer.de
Begleitend ist eine zentrale Internetseite online gegangen. Dort finden sich Informationen zur Kampagne, Grafiken, Videobotschaften sowie Wahlaufrufe. Im Mittelpunkt steht dabei eine positive und ermutigende Ansprache unter der Leitfrage: „Wofür stehst du auf?“
