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Marburg / Redaktion ekkw.de
Veröffentlicht 20 Aug 2026

Die bundesweite Feier beginnt um 14 Uhr mit einem Rahmenprogramm im Alten Botanischen Garten der Philipps-Universität Marburg (Pilgrimstein). Um 17 Uhr folgt ein ökumenischer Gottesdienst in der Elisabethkirche. Am Abend lädt die ACK im Haus „KA.RE“ (Biegenstraße 18) zu einem moderierten Gespräch über Biodiversität und die Verantwortung des Menschen für die Vielfalt der Schöpfung ein. Anschließend findet der ACK-Jahresempfang statt. Die Teilnahme an allen Programmpunkten ist kostenfrei und ohne Anmeldung möglich, teilte die ACK mit.

Marburg als Ort des Staunens und der Verantwortung

Dass die zentrale Feier 2026 in Marburg stattfindet, hat nach Angaben der Vorbereitenden auch mit dem besonderen Veranstaltungsort zu tun. Der Alte Botanische Garten mache die Vielfalt der Pflanzenwelt sichtbar und sei zugleich ein Ort, an dem Wissenschaft, Erholung und Staunen zusammenkämen. Pfarrer Dr. Martin Streck, Vorsitzender der ACK Hessen-Rheinhessen, schreibt im Gottesdienstheft zum Schöpfungstag, die ACK Hessen-Rheinhessen habe den Alten Botanischen Garten vorgeschlagen, um „auf die Vielfalt der Pflanzen in Gottes Schöpfung“ zu blicken und zugleich darauf, „dass sie bedroht ist“.

Blick in den Alten Botanischen Garten in Marburg. Im Hintergrund ist die Elisabethkirche zu sehen.

Blick in den Alten Botanischen Garten in Marburg. Im Hintergrund ist die Elisabethkirche zu sehen.

Warum der Alte Botanische Garten?

Für Pfarrer Dr. Martin Streck ist der Alte Botanische Garten in Marburg ein besonderer Ort für den Schöpfungstag. In dem historischen Garten werde sichtbar, wie groß die Vielfalt der Pflanzenwelt sei. Zugleich erinnere der Ort daran, dass Pflanzenarten und ganze Ökosysteme bedroht seien.

Streck verweist im Gottesdienstheft darauf, dass Menschen in die Natur eingreifen, Bodenschätze ausbeuten, Flächen versiegeln und Luft, Wasser und Erde verschmutzen. Mit jeder Pflanzenart, die aussterbe, gehe „ein wertvoller Schatz“ verloren, oft auch die Lebensgrundlage für andere Pflanzen oder Tiere.

Der Garten könne aber auch Hoffnung wecken. Vielfalt mache Anpassung und Stabilität möglich, schreibt Streck. Die Schöpfung sei verletzlich, trage aber die Kraft zur Erneuerung in sich, wenn Vielfalt bewahrt werde. Für den Schöpfungstag bedeutet das: Der Blick auf Pflanzen, Bäume und Lebensräume führt nicht nur zur Sorge um die bedrohte Natur, sondern auch zu Dankbarkeit, Verantwortung und Handlungsbereitschaft.

Dieser Gedanke prägt auch das weitere Programm. Führungen widmen sich unter anderem Heilpflanzen sowie besonderen Bäumen, ihrer Herkunft, Nutzung und Klimaresilienz. Am Abend steht das Gespräch unter dem Titel „Biodiversität bewahren: Verantwortung des Menschen für die Vielfalt der Schöpfung“. Gäste aus Politik, Kirche und Wissenschaft sollen dabei über den Schutz der biologischen Vielfalt ins Gespräch kommen. In die Diskussion treten Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg sowie Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Beauftragte für Schöpfungsverantwortung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es moderiert Matilda Franz von Eine Erde. Das ökumenische Netzwerk.

Portraitfoto von Dr. Martin Streck
«Die Schöpfung ist verletzlich, doch sie trägt die Kraft der Erneuerung in sich. Wo Vielfalt bewahrt wird, wächst die Chance, dass Leben auch unter veränderten Bedingungen fortbestehen kann.»
Pfarrer Dr. Martin Streck, Vorsitzender der ACK Hessen-Rheinhessen

„Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“

Das Leitwort des Schöpfungstags stammt aus dem Buch Hiob. Dort fragt Gott den leidenden Hiob nach der Weite der Erde und nach den Grenzen menschlichen Wissens. Die ACK versteht dieses Bibelwort als Einladung, die Schöpfung nicht nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Nutzbarkeit zu betrachten. Der Mensch sei Teil eines größeren Lebenszusammenhangs und nicht Besitzer der Erde, heißt es im Gottesdienstheft.

Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK in Deutschland, beschreibt im Vorwort des Heftes eine „heilsame Erschütterung unserer Perspektive“. Die Erde existiere nicht nur für den Menschen, sondern habe einen Eigenwert, weil sie Gottes Schöpfung sei. Die ACK wolle dazu einladen, „das Staunen neu zu lernen“. Denn nur was Menschen liebten und bestaunten, würden sie auch mit Leidenschaft schützen.

Der ökumenische Gottesdienst in der Elisabethkirche greift diese Perspektive auf. Nach Angaben der ACK werden unter anderem Impulse aus der orthodoxen Tradition aufgenommen. Es predigt Erzpriester Radu Constantin Miron von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland. Gottesdienst wird live gestreamt und in Gebärdensprache übersetzt.

Ökumenischer Tag der Schöpfung

Der Ökumenische Tag der Schöpfung wird seit 2010 jährlich von der ACK in Deutschland gefeiert. Er geht auf die Charta Oecumenica zurück, in der sich die europäischen Kirchen verpflichtet haben, einen ökumenischen Tag des Gebets für die Bewahrung der Schöpfung einzuführen. Im Mittelpunkt stehen das Lob Gottes als Schöpfer, die Umkehr angesichts der Zerstörung der Schöpfung und praktische Schritte zu ihrem Schutz.

Die zentrale Feier in Marburg ist zugleich Teil der ökumenischen Schöpfungszeit. Sie reicht vom 1. September bis zum 4. Oktober. In diesem Zeitraum können Gemeinden, ökumenische Initiativen und kirchliche Gruppen bundesweit eigene Gottesdienste, Veranstaltungen und Aktionen zum Schöpfungstag anbieten. Die ACK empfiehlt, den Tag ökumenisch und möglichst mit mehreren Konfessionen vor Ort zu feiern.

Das auf dieser Seite von Wikimedia verwendete Foto „Alter Botanischer Garten Marburg“ (Willow) wurde im Zuschnitt verändert und steht unter der Creative-Commons-Lizenz „CC BY-SA 3.0“.