Die bundesweite Feier begann um 14 Uhr mit einem Rahmenprogramm im Alten Botanischen Garten der Philipps-Universität Marburg (Pilgrimstein). Um 17 Uhr folgte ein ökumenischer Gottesdienst in der Elisabethkirche. Am Abend veranstaltete die ACK im Haus „KA.RE“ (Biegenstraße 18) ein moderiertes Gespräch über Biodiversität und die Verantwortung des Menschen für die Vielfalt der Schöpfung. Anschließend fand der ACK-Jahresempfang statt.
Barrierefreier Gottesdienst – Übertragung per Livestream
Im ökumenischen Gottesdienst am Schöpfungstag aus der evangelischen Elisabethkirche in Marburg und bei den anderen Veranstaltungen in der Schöpfungszeit wurde deutlich: Gottes Schöpfung ist viel größer und vielfältiger, als wir Menschen verstehen können“, sagte Pfarrer Michael Böttcher, Beauftragter für Schöpfungsverantwortung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Klimagerechtigkeit in der EKKW. im Vorfeld des Tages. Er ergänzte: „Am Schöpfungstag feiern nicht nur die Kirchen in ökumenischer Verbundenheit, sondern die Kirchen loben Gott gemeinsam mit allem, was lebt.“
Nach Angaben der ACK wurden im Gottesdienst unter anderem Impulse aus der orthodoxen Tradition aufgenommen. Es predigte Erzpriester Radu Constantin Miron von der Griechisch-Orthodoxen Metropolie von Deutschland. Der Gottesdienst wurde auch per Livestream mit einer Übersetzung in Gebärdensprache via YouTube übertragen. Vor Ort gab es einen Service in Brailleschrift und der Gebärdensprachdolmetscher.
Marburg als Ort des Staunens und der Verantwortung
Dass die zentrale Feier 2026 in Marburg stattfand, hat nach Angaben der Vorbereitenden auch mit dem besonderen Veranstaltungsort zu tun. Der Alte Botanische Garten mache die Vielfalt der Pflanzenwelt sichtbar und sei zugleich ein Ort, an dem Wissenschaft, Erholung und Staunen zusammenkämen. Pfarrer Dr. Martin Streck, Vorsitzender der ACK Hessen-Rheinhessen, schreibt im Gottesdienstheft zum Schöpfungstag, die ACK Hessen-Rheinhessen habe den Alten Botanischen Garten vorgeschlagen, um „auf die Vielfalt der Pflanzen in Gottes Schöpfung“ zu blicken und zugleich darauf, „dass sie bedroht ist“.

Dr. Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW), auf deren Gebiet die Feier stattfindet, lenkt den Blick auf den Klimawandel: „Die Hitze und Dürre der vergangenen Wochen lassen uns neu erkennen, wie zerbrechlich und gefährdet unser Leben auf der Erde ist. Wer über die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung staunt, wird achtsamer mit ihr umgehen“, so die Bischöfin. Dazu lade der Tag der Schöpfung ein.

Blick in den Alten Botanischen Garten in Marburg. Im Hintergrund ist die Elisabethkirche zu sehen.
Warum der Alte Botanische Garten?
Für Pfarrer Dr. Martin Streck ist der Alte Botanische Garten in Marburg ein besonderer Ort für den Schöpfungstag. In dem historischen Garten werde sichtbar, wie groß die Vielfalt der Pflanzenwelt sei. Zugleich erinnere der Ort daran, dass Pflanzenarten und ganze Ökosysteme bedroht seien.
Streck verweist im Gottesdienstheft darauf, dass Menschen in die Natur eingreifen, Bodenschätze ausbeuten, Flächen versiegeln und Luft, Wasser und Erde verschmutzen. Mit jeder Pflanzenart, die aussterbe, gehe „ein wertvoller Schatz“ verloren, oft auch die Lebensgrundlage für andere Pflanzen oder Tiere.
Der Garten könne aber auch Hoffnung wecken. Vielfalt mache Anpassung und Stabilität möglich, schreibt Streck. Die Schöpfung sei verletzlich, trage aber die Kraft zur Erneuerung in sich, wenn Vielfalt bewahrt werde. Für den Schöpfungstag bedeutet das: Der Blick auf Pflanzen, Bäume und Lebensräume führt nicht nur zur Sorge um die bedrohte Natur, sondern auch zu Dankbarkeit, Verantwortung und Handlungsbereitschaft.
Programm der Schöpfungszeit 2026 in Marburg und Umgebung
Flankiert wird der Ökumenische Schöpfungstag von einem abwechslungsreichen Programm:
5. September, 15.30 Uhr: Franz von Assisi - die Schöpfung preist den Schöpfer, Vortrag von Prof. Dr. Dr. h.c. Volker Leppin, KA.RE. Marburg, KHG-Saal, Biegenstraße 18A
6. September, 10.30 Uhr: Staunen über Gottes Schöpfung. Gottesdienst für Kleine und Große. Gemeindezentrum/CVJM-Haus, Am Schulgarten 6, Leidenhofen
6. September, 16 Uhr: Church of the Wild - die Natur hält die Predigt. Einen Gottesdienst der anderen Art verspricht die „Wilde Kirche“. Ihr Anspruch: 'Wir feiern Gottesdienst nicht in, sondern mit der Schöpfung. Bei jedem Wetter und durchs Jahr hindurch.', Treffpunkt: Lindenhof, Alter Ebsdorfer Weg 10, Dreihausen
12. September, 14.30 Uhr: Natur im Garten - Workshop mit Gartenbegehungen, Treffpunkt: Lindenhof, Alter Ebsdorfer Weg 10, Dreihausen
22. September, 17.30 Uhr: Digitaler Umwelttalk: Es blüht und summt auf Kirchengrund. Beim „Umwelttalk“ geht es darum, wie Kirchengrundstücke naturnah gestaltet werden können. Referentin Christina Ullrich ist Planerin und Gestalterin von naturnahen Lebensräumen. Mit ihren Arbeiten sowie Vorträgen und Workshops hat sie bereits vielen Menschen Lust gemacht, ihr Grundstück natürlich aufblühen zu lassen. Zur Online-Anmeldung…
27. September, 12 Uhr: Walderntedankfest, Gottesdienst auf dem Christenberg
3. Oktober, 17 Uhr: 800 Jahre Heimgang des Hl. Franziskus, Hl. Messe mit Bischof Michael Gerber (Bistum Fulda), Franziskanerkloster Kirchhain St. Elisabeth, Biegenstr. 2
Bei Rückfragen zu den einzelnen Veranstaltungen steht Ihnen Umweltpfarrer Michael Böttcher gerne zur Verfügung.
Dieser Gedanke prägte auch das weitere Programm. Führungen widmeten sich unter anderem Heilpflanzen sowie besonderen Bäumen, ihrer Herkunft, Nutzung und Klimaresilienz. Am Abend standen das Gespräch unter dem Titel „Biodiversität bewahren: Verantwortung des Menschen für die Vielfalt der Schöpfung“. Gäste aus Politik, Kirche und Wissenschaft kamen dabei über den Schutz der biologischen Vielfalt ins Gespräch. In die Diskussion traten Dr. Thomas Spies, Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Prof. Dr. Thomas Nauss, Präsident der Philipps-Universität Marburg sowie Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt, Beauftragte für Schöpfungsverantwortung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland. Es moderierte Matilda Franz von Eine Erde. Das ökumenische Netzwerk.

„Hast du erkannt, wie weit die Erde ist?“
Das Leitwort des Schöpfungstags stammt aus dem Buch Hiob. Dort fragt Gott den leidenden Hiob nach der Weite der Erde und nach den Grenzen menschlichen Wissens. Die ACK versteht dieses Bibelwort als Einladung, die Schöpfung nicht nur unter dem Gesichtspunkt ihrer Nutzbarkeit zu betrachten. Der Mensch sei Teil eines größeren Lebenszusammenhangs und nicht Besitzer der Erde, heißt es im Gottesdienstheft.
Reverend Christopher Easthill, Vorsitzender der ACK in Deutschland, beschreibt im Vorwort des Heftes eine „heilsame Erschütterung unserer Perspektive“. Die Erde existiere nicht nur für den Menschen, sondern habe einen Eigenwert, weil sie Gottes Schöpfung sei. Die ACK wolle dazu einladen, „das Staunen neu zu lernen“. Denn nur was Menschen liebten und bestaunten, würden sie auch mit Leidenschaft schützen.
Ökumenischer Tag der Schöpfung
Der Ökumenische Tag der Schöpfung wird seit 2010 jährlich von der ACK in Deutschland gefeiert. Er geht auf die Charta Oecumenica zurück, in der sich die europäischen Kirchen verpflichtet haben, einen ökumenischen Tag des Gebets für die Bewahrung der Schöpfung einzuführen. Im Mittelpunkt stehen das Lob Gottes als Schöpfer, die Umkehr angesichts der Zerstörung der Schöpfung und praktische Schritte zu ihrem Schutz.
Die zentrale Feier in Marburg ist zugleich Teil der ökumenischen Schöpfungszeit. Sie reicht vom 1. September bis zum 4. Oktober. In diesem Zeitraum können Gemeinden, ökumenische Initiativen und kirchliche Gruppen bundesweit eigene Gottesdienste, Veranstaltungen und Aktionen zum Schöpfungstag anbieten. Die ACK empfiehlt, den Tag ökumenisch und möglichst mit mehreren Konfessionen vor Ort zu feiern.
Das auf dieser Seite von Wikimedia verwendete Foto „Alter Botanischer Garten Marburg“ (Willow) wurde im Zuschnitt verändert und steht unter der Creative-Commons-Lizenz „CC BY-SA 3.0“.
