Vor dem Tor des Jugendverkehrsschulgeländes brettern zwei Zwölfjährige auf Fahrrädern spielerisch die Halfpipes hinauf, bleiben oben wie verhext stehen und rollen gewandt wieder hinunter. Hinter dem Tor treffen sich heute zwei Handvoll Leute, die zwei Generationen älter sind – und vor vielen Jahren mal ebenso gekonnt die große Freiheit auf dem Rad erlebt haben.
Fahrsicherheitstraining nennt sich der dreitägige Kurs, den der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) Kassel mehrmals jährlich anbietet. Wer sich hier angemeldet hat, besitzt ein Pedelec, ein Fahrrad mit Elektromotorunterstützung, hat die 60 hinter sich gelassen und begriffen, was das neue Fahrzeug für Herausforderungen bietet.
Manch einer ist bereits schlimm gestürzt. Andere kommen als Pärchen, der Mann geübter Radler, die Frau noch relativ neu im Geschäft – und wollen sich fit machen für gemeinsame Touren. Jutta hat auch schon einen Unfall hinter sich, will sich aber wieder aufs Rad trauen.
Gewagter in die Kurve
Heidrun Pittelkow, eine von vier zertifizierten ADFC-Trainern heute, leitet den Kurs. «Was erwartet ihr?», fragt sie ab. Die Antworten ähneln sich: Richtig bremsen lernen. In Kurven die Kontrolle behalten. Wissen, wann man schaltet. Die Zweirad-Biografien dieser Generation ähneln sich, wie Trainer Gerd Krumm bestätigt. Als Kind stolz und viel Rad gefahren. «Dann war man zwanzig und nutzte nur noch das Auto.» Und nun soll mit der Rente die Freiheit auf dem Rad wiederkommen.
Leider hat die jüngste Unfallstatistik gezeigt, dass diese nicht ohne Übung zu haben ist. Die Zahl der getöteten Radfahrer ist weiter gestiegen, Ursache: Anstieg der Pedelec-Nutzenden. 61,5 Prozent aller verunglückten Radfahrenden sind 65 und älter. Die ehrenamtlichen Trainer wollen vor allem eins: Mut machen. «Wenn du damit klarkommst, dann mach das so», ermuntern sie eine zögernde Teilnehmerin, die beim Aufsteigen und Anfahren noch ein wenig mit dem Fuß nachtippt. Dann erfährt sie, wie viel einfacher es läuft, wenn sie die Pedale zuvor auf die richtige Höhe bringt und vor dem Absteigen schon Gänge heruntergeschaltet hat. Noch ein Versuch – und sie erkennt: «Das geht schon viel besser.» Behutsam nehmen die Leiterin und die Trainer jedes Rad und jeden Radler unter die Lupe. Wo sitzen die Bremsen für vorne und hinten? Rechts ist hinten, links vorne. Aha. Wussten viele nicht.
Wer jetzt noch wackelig die Übungsstraße entlangfährt, weiß spätestens am zweiten Tag, dass der Sattel in gerader Position am besten sitzt und traut sich einen immer enger gestellten Hütchen-Parcours zu. Einige, die gestern «Angst verlieren» auf den Ziele-Zettel schrieben, legen sich gewagter in die Kurven.
Das Handwerkszeug bekommen sie hier, danach heißt es: üben. Wenn das Rad nur in der Garage steht, ist das Wissen nach zwei Jahren weg. Dreimal drei Stunden Schulung – ist das wirklich nötig? Ja, bestätigen sowohl Trainer wie Teilnehmende. Etwas selbst ausprobieren dürfen, «bis es sitzt», unter geschulter Aufsicht ist viel wert. «Ich bin gestern Abend schon sicherer nach Hause gefahren», berichtet Jutta. Ängstlich ist niemand mehr, aber der Respekt bleibt.
«Man muss verstehen», so Jutta, «was das Rad für ein Kraftklotz ist». Dann steht der Oldie-Radfahrkarriere nichts mehr im Weg. Außer vielleicht die ungeschulten anderen Verkehrsteilnehmer. Aber man lernt hier auch, diese vorausschauend einzubeziehen. Und niemals links abbiegen ohne Schulterblick!

„Ins Freie“ als E-Paper
Passend zum Ferienbeginn führt das „blick in die kirche Magazin“ seine Leserinnen und Leser „Ins Freie“. Das ist einerseits ganz wörtlich gemeint: So hat die Redaktion ein Interview mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann im und über den Wald geführt und einen 14-Jährigen besucht, der Segelfliegen lernt. „blick in die kirche“ war auf Hessens größtem Campingplatz am Hanauer Bärensee zu Besuch, wo auch ein Team von „Kirche unterwegs“ aktiv ist. Eine Frau erzählt, wie sie auf die Idee kam, rückwärts zu pilgern, und Teilnehmende, warum sie im höheren Alter einen Pedelec-Fahrkurs besuchen.
Andererseits geht es auch um Freiheit. Eine Christin, die aus dem Iran stammt, erzählt von ihrer Flucht und ihr Ehrenamt in der evangelischen Kirche. Die Geschichte der Waldenser zeigt, dass auch vor Jahrhunderten schon Menschen wegen ihres Glauben ihr Heimatland verlassen musste – die Spuren der Waldenser sind bis heute zu finden.
Außerdem gibt es ganz konkrete Tipps zu besonderen Kirchen und Anlässen für die Freizeit und den Urlaub. Passend dazu berichtet eine Urlaubsseelsorgerin von ihrer Arbeit auf der Nordseeinsel Langeoog.
Wie immer gibt es ein Preisrätsel: Diesmal ist ein Hotelaufenthalt mit Abendessen in Hanau zu gewinnen.
Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.

