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Dauerte vom 21. bis 23. Oktober: Die Homberger Synode von 1526. Ein wichtiger Ort war die Homberger Stadtkirche St. Marien.

Dauerte vom 21. bis 23. Oktober: Die Homberger Synode von 1526. Ein wichtiger Ort war die Homberger Stadtkirche St. Marien.

Homberg (Efze) / ekkw.de, ekkw.media und epd
Veröffentlicht 26 Okt 2026

Reformationsgottesdienst in Homberg (Efze)

Am Reformationstag kehrt das Jubiläumsjahr „500 Jahre Reformation in Hessen“ noch einmal an seinen historischen Ausgangspunkt zurück: In der Stadtkirche St. Marien in Homberg (Efze), in der vor 500 Jahren die Homberger Synode tagte, wird am 31. Oktober der Abschluss des Festjahres gefeiert. Um 19 Uhr predigt Bischöfin Beate Hofmann im gemeinsamen Reformationsgottesdienst der Gemeinden des Kooperationsraums Homberg-Land.

Die Vereinigten Posaunenchöre gestalten den Gottesdienst musikalisch, außerdem wird eine Bachkantate aufgeführt. Anschließend sind alle Besucherinnen und Besucher zu Tee und Häppchen eingeladen.

Das Portraitfoto zeigt Bischöfin Dr. Beate Hofmann

Von der Beharrlichkeit neuer Ideen

In einem ausführlichen Beitrag zur Homberger Synode beschreibt Bischöfin Dr. Beate Hofmann das hessische Reformationsereignis von 1526 als ein „Lehrstück darüber, wie sich Kirche verändert“. Landgraf Philipp habe damals nicht allein entschieden, sondern Vertreter verschiedener gesellschaftlicher Gruppen – von Adligen über Städtevertreter bis hin zu Priestern und Mönchen – zu einem „freundlichen und christlichen Gespräch“ eingeladen. Damit habe er ein Beteiligungsprinzip begründet, das für die evangelische Kirche bis heute prägend sei: „Niemand entscheidet allein, sondern Leitung wird gemeinsam wahrgenommen.“

Hofmann betont, die Synode sei ein frühes Beispiel dafür, wie in komplexen Situationen neue Ideen entstünden, wenn möglichst unterschiedliche Menschen zusammenkämen. Die Beteiligten seien damals „Schritte ins Unbekannte“ gegangen, ohne zu wissen, wohin der Weg führe. Obwohl Martin Luther die aus der Synode hervorgegangene Kirchenordnung kritisch beurteilt und als „Haufen Gesetze mit so mächtigen Worten“ abgelehnt habe, hätten die neuen Gedanken dennoch Veränderungen ausgelöst: „Auch Ideen, die noch nicht in der Breite angenommen werden können, setzen trotzdem Veränderung in Gang.“

Landgraf Philipp habe trotz der lutherischen Kritik zentrale Impulse aufgegriffen und Bildung wie Diakonie gestärkt – etwa durch die Gründung der Universität Marburg 1527 sowie den Aufbau von Hospitälern aus ehemaligen Klöstern. Diese Einrichtungen seien zu „reformatorischen Keimzellen“ geworden.

Mit Blick auf die Gegenwart zieht Hofmann Parallelen: Auch heutige Kirche und Gesellschaft befänden sich in einer Zeit der Transformation. Wie vor 500 Jahren brauche es Beteiligung, Mut zu neuen Wegen und ein klares christliches Zeugnis, „die Botschaft von der Liebe Gottes, die allen Menschen gilt“.

Der vollständige Text von Bischöfin Hofmann vertieft diese historischen Linien und verbindet sie mit aktuellen Perspektiven kirchlicher Veränderung:

95 Glockenschläge erinnern an Luthers Thesen

Bereits am Nachmittag wird der Reformationstag in Homberg hörbar: Die evangelische Kirchengemeinde, der Türmer und dessen Adjunctus laden zum traditionellen Anschlagen der Reformationsglocke ein. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Kirchturm der Stadt- und Reformationskirche St. Marien.

Pünktlich um 15.17 Uhr soll die große Reformationsglocke 95-mal erklingen. Die Uhrzeit und die Zahl der Glockenschläge erinnern an das Jahr 1517 und an die 95 Thesen Martin Luthers. Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, zuzuhören, mitzumachen und mitzuzählen.

Das Leitmotiv „Reformation / Transformation / 1526-2026“ vermittelt die zentrale Botschaft des Reformationsjubiläums und setzt Signale für die Zukunft.

Das Leitmotiv „Reformation / Transformation / 1526-2026“

Von Wittenberg nach Homberg

Am 31. Oktober erinnern Protestantinnen und Protestanten weltweit an die Anfänge der evangelischen Kirche. Die 95 Thesen, die der Augustinermönch Martin Luther um den 31. Oktober 1517 von Wittenberg aus verbreitete, richteten sich gegen Missstände in der Kirche. Sie wurden zum Ausgangspunkt einer umfassenden christlichen Erneuerungsbewegung. Ob Luther die Thesen tatsächlich an die Tür der Wittenberger Schlosskirche schlug, ist historisch umstritten. Fest steht, dass die Thesen an diesem Tag veröffentlicht wurden.

Die Reformation war jedoch nicht das Werk eines Einzelnen. Viele Menschen griffen die neuen Gedanken auf, entwickelten sie weiter und setzten sie unter unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Bedingungen um. Auch Hessen ging einen eigenen reformatorischen Weg.

Vom 21. bis 23. Oktober 1526 berief Landgraf Philipp von Hessen Vertreter von Adel, Ritterschaft und Städten sowie Äbte, Pfarrer und Mönche zur Homberger Synode in die Stadtkirche St. Marien ein. Die Versammlung gab wichtige Impulse für die Einführung der Reformation und die Entstehung einer evangelischen Kirche in Hessen.

In den folgenden Jahren wurden Klöster aufgelöst und zum Teil in Armen- und Krankenhäuser umgewandelt. Aus Klostervermögen gründete Landgraf Philipp 1527 die Universität Marburg. Die hessische Reformation prägte auch die Art, wie evangelische Kirche bis heute geleitet wird: Entscheidungen sollten nicht von Einzelnen getroffen werden, sondern gemeinsam von Geistlichen und gewählten Vertreterinnen und Vertretern der Gemeinden. Zu ihren langfristigen Wirkungen gehört auch die Einführung der Konfirmation.

Homberger Synode: Was 1526 geschah

Das beginnende 16. Jahrhundert war eine Zeit großer Umbrüche. 2026 ist es genau 500 Jahre her, dass es in Homberg (Efze) ein Treffen gab, dessen Folgen bis heute spür- und sichtbar sind: die Homberger Synode.

Wir befinden uns im Jahr 1526, neun Jahre zuvor hatte der Theologe Martin Luther seine umstrittenen 95 Thesen veröffentlicht und die Reformation eingeleitet. Der erst 22 Jahre alte Landgraf Philipp von Hessen war von Luthers Ideen begeistert. Damals war es üblich, dass ein Landesherr seinen Untertanen ihre Religion vorschrieb. Doch Philipp fällte keine einsame Entscheidung, sondern ging einen anderen, völlig neuen Weg: Er ließ die Sache erstmal ausgiebig diskutieren.
 

Skulptur des Landgrafen Philipp von Hessen auf dem Homberger Marktplatz.

Skulptur des Landgrafen Philipp von Hessen auf dem Homberger Marktplatz.

Dazu lud er nicht nur Geistliche, sondern auch Vertreter der Ritterschaft und der Stände ein sich in Homberg zu versammeln, das verkehrsgünstig lag, ausreichend Herbergen bot und in der Stadtkirche Platz für diese Synode hatte. Sie dauerte vom 21. bis 23. Oktober und begann damit, dass 158 Thesen vorgetragen wurden, die der französische Theologe François Lambert vorbereitet hatte – und die auch an der Kirchentür ausgehängt wurden. Darüber wurde in den folgenden Tagen mit Gegenthesen gestritten. Schließlich stimmte die Homberger Synode Lamberts Plänen zu, die unter anderem die Selbstverwaltung der Kirchengemeinden, eine Kirchenführung nach dem Synodalprinzip (Laien und Geistliche entscheiden gemeinsam), die Auflösung der Klöster und die Einrichtung von Schulen für Mädchen und Jungen sowie die Gründung einer Universität enthielten.

Doch offenbar bekam Philipp Angst vor der eigenen Courage und suchte Rat bei Martin Luther selbst. Der fand die Veränderungen zu abrupt. Die Folge: Die Beschlüsse traten nie in Kraft. Und dennoch ging die Synode nicht wie das legendäre Hornberger Schießen aus, denn viele wichtige Impulse setzte der Landgraf doch um.

Ort des Geschehens: Die Homberger Stadtkirche St. Marien

Ort des Geschehens: Die Homberger Stadtkirche St. Marien

Die 37 hessischen Klöster wurden geschlossen und oft in Hospitäler umgewandelt, in Haina und Merxhausen gibt es sie als Kliniken bis heute. Volksschulen wurden vielerorts eingerichtet. Eine stolze Tradition begann 1527, als Philipp in Marburg die erste evangelische Universität Europas begründete. Sein Berater François Lambert wurde dort Professor, starb aber bereits 1530 an der Pest.

Die Homberger Synode liegt 500 Jahre zurück, doch die Idee, durch Rede und Gegenrede zu einer Entscheidung zu kommen, ist höchst modern. Ein guter Grund zu feiern.

Präses Dr. Michael Schneider (EKKW) und Präses Dr. Birgit Pfeiffer (EKHN) in der Homberger Stadthalle.

Präses Dr. Michael Schneider (EKKW) und Präses Dr. Birgit Pfeiffer (EKHN) in der Homberger Stadthalle.

Zwei Synoden beraten an historischem Ort

An die Tradition gemeinsamer Beratung knüpfte wenige Tage vor dem Reformationstag ein gemeinsamer Studientag der Synoden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau an. Die Synodalen kamen am 23. Oktober in Homberg zusammen und befassten sich mit Synodalität, Demokratiebildung und kirchlicher Transformation. Der Tag begann mit einem öffentlichen Gottesdienst in der Stadtkirche St. Marien.

Mit dem Studientag wurde am historischen Ort nicht nur an die Beratungen von 1526 erinnert. Die Synoden griffen zugleich die Frage auf, wie gemeinsame kirchliche Leitung unter den Bedingungen aktueller Veränderungen gestaltet werden kann.

Akademietagung beleuchtet Hessens besonderen Weg

Mit der Geschichte und den Folgen der hessischen Reformation beschäftigt sich vom 30. Oktober bis 1. November die Tagung „Hassia reformata – 500 Jahre Reformation in Hessen“ der Evangelischen Akademie Hofgeismar. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beleuchten das reformatorische Geschehen auf dem aktuellen Stand der Forschung.

Das Programm reicht von der Homberger Synode und den prägenden Personen der hessischen Reformation bis zu ihren Folgen für Kirche, Bildung und Gesellschaft. Themen sind unter anderem Landgraf Philipp von Hessen, die Reformatoren François Lambert und Adam Krafft, die Gründung der Universität Marburg, die Entstehung der evangelischen Kirche in Hessen, die Konfirmation sowie die Armenfürsorge und die Hohen Hospitäler.

Am Reformationstag gehört ein Gottesdienst in der Brunnenkirche zum Programm der Tagung. Er beginnt um 19.30 Uhr und wird vom früheren EKKW-Bischof Martin Hein gestaltet. Die Tagung endet am 1. November mit einem Ausblick auf Hessen 500 Jahre nach der Reformation.

www.synode500.de

Auf der Website zum Jubiläum ‚500 Jahre Reformation in Hessen‘ sind viele Hintergründe, Veranstaltungen und Materialien rund um die Homberger Synode von 1526 und ihre Bedeutung für Kirche und Gesellschaft zu finden.

Reformationstag erinnert an Aufbruch und Erneuerung

Der Reformationstag wurde erst lange nach den Ereignissen von 1517 zu einem festen Gedenktag. Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen legte den 31. Oktober im Jahr 1667 als Gedenktag fest. Durch die Reformationsjubiläen von 1717 und 1817 etablierte sich das Reformationsfest weiter. Während es früher auch der Abgrenzung gegenüber katholischen Christen diente, wird es heute zunehmend im Geist der Ökumene begangen.

Die Reformation veränderte nicht nur die Kirche. Die Verbreitung reformatorischer Schriften wurde durch den Buchdruck entscheidend beschleunigt. Reformatoren wie Martin Luther und Philipp Melanchthon setzten sich für eine bessere Bildung von Jungen und Mädchen ein. Luthers Bibelübersetzung war von dem Gedanken getragen, dass Menschen selbst Zugang zur Heiligen Schrift haben sollten. Zugleich prägte sie die Entwicklung der deutschen Sprache.

Das Ende des Jubiläumsjahres führt diese unterschiedlichen Perspektiven zusammen: die Erinnerung an das reformatorische Geschehen in Wittenberg und Homberg, die wissenschaftliche Beschäftigung mit seinen Folgen, die gemeinsame Beratung der beiden hessischen Synoden und die gottesdienstliche Feier. 500 Jahre nach der Homberger Synode geht es damit nicht nur um die Frage, woher die evangelische Kirche in Hessen kommt. Es geht auch darum, wie sie ihren Auftrag unter veränderten Bedingungen weiterführt.

2026
Gemeinsam reden, gemeinsam Kirche gestalten

Wie kann Kirche offen, geistlich und demokratisch in die Zukunft gehen? Mit dieser Frage haben sich die Landessynoden der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) am 23. Oktober bei einem gemeinsamen Studientag in Homberg (Efze) beschäftigt. EKKW-Synodenpräses Dr. Michael Schneider betonte die Bedeutung des Gesprächs: Wie Synoden miteinander reden, sei ein „Erfolgsprinzip“ für Kirche und Gesellschaft.

2026
Festakt läutet Jubiläumsjahr ein

Die Homberger Synode von 1526 bewegt bis heute: Zum Auftakt des Jubiläumsjahres haben die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau mit einem Festakt in Homberg (Efze) an das reformatorische Schlüsselereignis erinnert und seine Bedeutung für Kirche und Gesellschaft neu in den Blick genommen. Zahlreiche Gäste aus Kirche, Politik und Zivilgesellschaft feierten mit und würdigten die Bedeutung der wegweisenden Versammlung vor 500 Jahren.

Homberg und Schwalmstadt sind Reformationsstädte Europas

Homberg (Efze) und Schwalmstadt tragen ab sofort den Titel «Reformationsstadt Europas». Die Auszeichnung wird von der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) an Städte verliehen, die eine besondere Bedeutung für die Geschichte der Reformation haben oder sich aktiv mit ihrem reformatorischen Erbe auseinandersetzen. Am 2. Juni wurden die Ernennungsurkunden von GEKE-Generalsekretär Dr. Fischer überreicht.

2026
500 Jahre Reformation in Hessen

Am 21. Februar begann in Homberg (Efze) das Jubiläumsjahr „500 Jahre Homberger Synode“. 118 Veranstaltungen in Stadt und Region erinnern an den Startschuss für die Reformation in Hessen. Bischöfin Beate Hofmann beschreibt das Ereignis von 1526 als ein „Lehrstück darüber, wie sich Kirche verändert“. Wir stellen das Jubiläumsjahr vor und geben Hintergründe zur Reformation in Hessen.

blick
Die Sonnenuhren der Homberger Stadtkirche

Schatten statt Sekundenzeiger: In Homberg erzählen sechs Sonnenuhren von einer Welt ohne Sekundenzeiger. Die Stadtkirche St. Marien bewahrt diese Zeitzeugen, die einst Mönchen und Türmern Orientierung gaben. Ihr Schatten verrät bis heute, wie spät es ist – und lädt ein, innezuhalten und dem Rhythmus des Lichts zu folgen. Wir stellen die Besonderheiten der Kirche in der Reformationsstadt vor.

Richter: «Die Idee der Demokratie ist nicht tot. Sie lebt.»

Unter der Frage «Was stärkt die Demokratie?» stand der traditionelle Adventsempfang der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck am Freitagabend (5.12.). Dazu hatte Bischöfin Dr. Beate Hofmann nach Homberg (Efze) geladen – jenen Ort, an dem die evangelische Kirche in Hessen Gestalt angenommen hatte: Landgraf Philipp hatte Homberg vor 499 Jahren für die erste Synode in Hessen ausgewählt.