Einen ungewöhnlichen Ausweg hat Mina Bäuerlein aus einer Lebenskrise gefunden – und zwar zu Fuß. Sie arbeitete als Köchin in einem Hospiz, als sie an der Hand operiert werden musste und es zu Komplikationen kam. Der Job ging nicht mehr. Alles schien vorbei zu sein: keine Arbeitsstelle, kein Geld für die Miete und ihr jüngstes Kind zog aus. «Ich bin», sagt Bäuerlein, «aus allem rausgekippt.»
Aus der Existenzangst heraus entwickelte sie einen Plan: Sie löste ihren Hausstand auf, gab ihren Kindern, was diese haben wollten, warf weg und behielt nur so viel, dass es in einen viereinhalb Quadratmeter großen Kellerraum passte. Einige Gegenstände verschenkte sie gezielt, eine schwer kranke Freundin freute sich über eine Schale mit Räucherstäbchen. All das habe sich wie eine Befreiung angefühlt.
Dann lief Mina Bäuerlein in München los. Ihr Ziel war Hohwacht an der Ostsee, denn dort hatte sie sechs Jahre zuvor die Entscheidung getroffen, in der Trauer- und Sterbebegleitung zu arbeiten. Eigentlich wollte sie wild zelten, doch das ist verboten und erschien auch zu unsicher. So wurde aus der Wanderung ein Pilgerweg. Bäuerlein plante, in Pilgerherbergen zu schlafen. Spätestens seit Hape Kerkelings Buch ist der Jakobsweg, der im spanischen Santiago de Compostela endet, bekannt und populär. In Deutschland gibt es ein ganzes Bündel von Wegen, die in diese Richtung führen. Doch Mina Bäuerlein ging von Süden nach Norden, sie war eine Rückwärtspilgerin. Das erschwerte die Suche nach den Wegmarkierungen, die oft andersherum ausgerichtet sind.

Immer wieder werde sie gefragt, ob sie nicht Angst gehabt habe, so «alleine als Frau». Nein, sagt sie, erst recht nicht unterwegs auf dem Land. In den Städten sei das Aggressionspotenzial viel höher als in der Begegnung mit wandernden Menschen. Auch andere Sorgen verliefen sich: «Die Angst verliert sich völlig im Gehen.»
Mina Bäuerlein schwärmt von den freundlichen Begegnungen unterwegs. Ob das unerwartet üppige Frühstück in einem Pilgerquartier oder die überraschende Unterkunft in einer Kindertagesstätte nach einem erschöpfenden Sturm – ihr sei so viel Schönes begegnet. Und ihr sei noch einmal klarer geworden, wie wenig man selbst in der Hand habe, etwa bei einer schweren Krankheit: «Wir sind abhängig davon, dass Gutes sich fügt.»
Es gab unterwegs einige Momente des Zweifels, die Mina Bäuerleins Vertrauen und Glauben an eine göttliche Fügung aber nicht erschütterten. Sie sagt: «Ich habe nur Geborgenheit, Offenheit, Herzlichkeit, Interesse und Wertschätzung erlebt.»
Nicht ganz einfach war die Rückkehr. Die Strecke, die sie in vielen Wochen bewältigt hatte, flog im Zug an ihr vorbei. In München hatte sie zunächst keine Wohnung und wohnte bei Freunden und Bekannten, in 28 verschiedenen Unterkünften. Sie halbierte ihr Eigentum noch einmal – auf zwei Quadratmeter Keller.
Heute arbeitet Mina Bäuerlein wieder. Doch ihr Leben ist anders als vor der Pilgertour. Kein Wunder, dass sie nach einiger Zeit wieder lospilgerte, diesmal allerdings mit einem Fahrrad plus Anhänger. Sie wollte die Menschen wiedertreffen, die ihr so viel Gutes geschenkt hatten.
Ihre Geschichte hat Mina Bäuerlein im Buch «Die Rückwärtspilgerin oder: Von einer, die auszog, das Leben zu küssen» aufgeschrieben (Ovis Verlag 2025, 144 Seiten, 20 Euro).
In Kooperation mit dem Verlag verlosen wir fünf Exemplare. Schreiben Sie bis 18. Juli 2026 eine Karte oder E-Mail mit dem Stichwort «Pilgerin». Unter den richtigen Einsendungen werden die Bücher verlost.
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(Der Rechtsweg ist ausgeschlosen.)

Buchtitel «Die Rückwärtspilgerin oder: Von einer, die auszog, das Leben zu küssen» von Mina Bäuerlein

„Ins Freie“ als E-Paper
Passend zum Ferienbeginn führt das „blick in die kirche Magazin“ seine Leserinnen und Leser „Ins Freie“. Das ist einerseits ganz wörtlich gemeint: So hat die Redaktion ein Interview mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann im und über den Wald geführt und einen 14-Jährigen besucht, der Segelfliegen lernt. „blick in die kirche“ war auf Hessens größtem Campingplatz am Hanauer Bärensee zu Besuch, wo auch ein Team von „Kirche unterwegs“ aktiv ist. Eine Frau erzählt, wie sie auf die Idee kam, rückwärts zu pilgern, und Teilnehmende, warum sie im höheren Alter einen Pedelec-Fahrkurs besuchen.
Andererseits geht es auch um Freiheit. Eine Christin, die aus dem Iran stammt, erzählt von ihrer Flucht und ihr Ehrenamt in der evangelischen Kirche. Die Geschichte der Waldenser zeigt, dass auch vor Jahrhunderten schon Menschen wegen ihres Glauben ihr Heimatland verlassen musste – die Spuren der Waldenser sind bis heute zu finden.
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Wie immer gibt es ein Preisrätsel: Diesmal ist ein Hotelaufenthalt mit Abendessen in Hanau zu gewinnen.
Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.
