Nach vielen Jahren der letzte Tag im Beruf, an dem es überraschend viel Wertschätzung und sogar Applaus gab. Am Abend greift er zum Telefon: „Weil ich niemanden habe, dem ich das erzählen kann, rufe ich Sie an.“ Es sind Momente wie dieser, die den Mitarbeitenden der Telefonseelsorge den Sinn ihrer Arbeit deutlich machen.
Von diesem Gespräch erzählt Pfarrerin Gerda Köhler-Pencz, die seit kurzem die Telefonseelsorge Main-Kinzig leitet. Diese feiert 2026 Jubiläum, sie besteht seit 50 Jahren. Im Jahr 1973 hatten sich evangelische und katholische Christinnen und Christen in Hanau gefragt: Was können wir gemeinsam für andere tun? Es war eine Zeit, die von hoher Arbeitslosigkeit und anderen Problemen geprägt war. Anfang 1976 war es soweit: 30 Ehrenamtliche waren ausgebildet und von 20 bis 8 Uhr erreichbar. Schon zwei Jahre später saß rund um die Uhr jemand am Telefon – bis heute. Sollte die Leitung mal nicht frei sein, wird an eine andere Telefonseelsorge weitergeleitet.
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7.700 Ehrenamtliche und 300 Festangestellte arbeiten bundesweit für die Telefonseelsorge. Mehr als 100 regionale Telefonseelsorgestellen bilden ein Netzwerk, getragen vom Verein Telefonseelsorge Deutschland. Träger sind die evangelische und die katholische Kirche. Anrufe bei der Telefonseelsorge sind grundsätzlich anonym und kostenlos. Die Mitarbeitenden unterliegen der Schweigepflicht. Inzwischen bietet die TS auch E-Mail- und Chatseelsorge an.
Wer sich für die Mitarbeit interessiert, kann sich an die regionale TS wenden, zum Beispiel in Nordhessen (Kassel), Fulda, Marburg, Frankfurt und Main-Kinzig. Kontaktdaten auf den Internetseiten.
Erreichbar ist die Telefonseelsorge bundesweit unter 0800/111 0 111. Die kostenlose App KrisenKompass (IOS und Android) wurde ebenfalls von der Telefonseelsorge entwickelt.
74 Ehrenamtliche hat die Telefonseelsorge Main-Kinzig. Wer sie sind, bleibt geheim. Anonymität ist ein Grundprinzip. Auch der Standort ist ein Geheimnis, vor allem zum Schutz der Mitarbeitenden. Diese erlernen über ein Jahr hinweg in 130 Stunden das Handwerkszeug, bevor sie ans Telefon dürfen; anfangs immer mit Praxisanleiter oder -anleiterin im Hintergrund.
Die Anlässe, warum Menschen die Hilfe der Telefonseelsorge suchen, sind vielfältig, der ganze „Blumenstrauß des Lebens", wie Pfarrerin Köhler-Pencz eine Ehrenamtliche zitiert. 10.500 Seelsorgegespräche verzeichnete die Telefonseelsorge Main-Kinzig im vergangenen Jahr. Bei fast einem Viertel der Anrufenden war Einsamkeit der Anlass, zum Telefon zu greifen. Streit in der Familie und der Beziehung, Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trauer, Gewalt, Stress und emotionale Erschöpfung – all das und viele andere Themen werden besprochen.
Am Telefon, sagt Köhler-Pencz, seien die Mitarbeitenden Einzelkämpfer. Umso wichtiger sei aber die stützende Gemeinschaft der Organisation. Und es ist entscheidend, mit den schwierigen Themen nicht alleine zu sein. Einmal im Monat treffen sich die Mitarbeitenden der Telefonseelsorge in festen Gruppen zur Supervision unter Profi-Anleitung.

Die Seelsorge am Telefon (und längst auch per Chat und Mail) basiert auf dem christlichen Menschenbild, erläutert Pfarrerin Gerda Köhler-Pencz. Den Grundgedanken formuliert sie so: „Wir sind füreinander da und meistern das Leben gemeinsam.“ Das christliche Fundament bedeute aber nicht, dass man am Telefon missioniere. Die Gespräche seien neutral. Wenn aber jemand ein Gebet oder einen Segen wünsche, sei das selbstverständlich möglich. Entscheidend sei stets der hohe Respekt den Anrufenden gegenüber.
Köhler-Pencz beschreibt die Aufgabe als „erfüllend und anspruchsvoll“. Kein Tag am Telefon sei wie der andere. Viele Mitarbeitende berichteten, dass sie nach einer Schicht voller Dankbarkeit nach Hause gingen. Dankbar, dass die eigenen Probleme im Vergleich kleiner erscheinen. Und dankbar, dass man in den Stunden bei der Telefonseelsorge wirklich etwas bewirkt hat.

„Erzähl doch mal“ als E-Paper
„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.
Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.
Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.
