Der Tatort in der Nähe des Kulturforums mit Philharmonie und Neuer Nationalgalerie ist am Sonntag weiträumig abgesperrt. Die Polizei ist auch Stunden nach dem Anschlag weiter mit großen Trupps im Tiergarten unterwegs und mit der Tatortarbeit beschäftigt. „Unfallforschung“ steht auf einem der Fahrzeuge hinter der Absperrung.
Gebet in den Sozialen Medien

Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten, ihren Angehörigen sowie allen, die das Geschehen beim CSD in Berlin miterleben mussten.
Der CSD steht für die Würde jedes Menschen, für Vielfalt, Respekt und die Freiheit, ohne Angst leben zu können. Wo Menschen, die friedlich für diese Werte zusammenkommen, Opfer von Gewalt werden, sind wir als Gesellschaft herausgefordert, gemeinsam für Menschlichkeit und Zusammenhalt einzustehen.
Unser Dank gilt allen Einsatzkräften, den Helferinnen und Helfern sowie den Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die den Betroffenen in dieser schweren Zeit beistehen.
Wir beten um Trost für die Trauernden, um Heilung für die Verletzten und um Kraft für alle, die helfen.
(Post auf der EKKW-Facebook-Seite vom 26.7.2026)
Sirenen und Polizei
Zwei junge Männer stehen etwas abseits und blicken zum Ort, an dem in der Nacht ein Mensch getötet und weitere 29 teils schwer verletzt wurden. Das Paar hatte am Samstag noch den CSD gefeiert und an der Pride-Parade mit hunderttausenden weiteren Menschen teilgenommen. Sie seien gerade dabei gewesen, sich etwas zu essen zu holen, und wollten zurück zum Fest am Brandenburger Tor, erzählt der 27-jährige Jamie. Da hätten sie überall Sirenen gehört und das massive Polizeiaufgebot bemerkt.
„Wir haben dann beschlossen, nach Hause zu gehen“, sagt der junge Mann, der extra aus Belgien zum CSD angereist ist: „Uns war klar, dass etwas passiert sein muss, weil so viel Polizei da war.“ Später hätten sie dann von dem Anschlag erfahren und seien geschockt gewesen. Am Sonntag sei er auf dem Weg zur Rückreise nach Belgien mit seinem Freund zum Tatort gefahren, um dort seiner tief empfundenen Anteilnahme mit Opfern und Angehörigen Ausdruck zu verleihen.

Ein improvisiertes Kondolenzbuch aus großen weißen Papierblöcken liegt auf dem Boden. „Laut für die Liebe“ steht dort und: „Das darf nicht sein.“
Viele kämpfen mit den Tränen
Einschüchtern lassen werde er sich nicht, sagt Jamie: „Nächstes Jahr werde ich wieder hier sein, wir werden weiter für unsere Rechte kämpfen.“ Er habe nicht vor, diesen Kampf aufzugeben. „Der CSD ist eine Feier der Liebe und auch 2027 notwendig“, betont er. An seinem grauen Sweatshirt klebt ein kleines Herz in Regenbogenfarben.
Die Menschen, die den Tatort besuchen, blicken ernst, erschüttert, mit Trauer auf das Geschehen. Viele wollen nicht reden und kämpfen mit den Tränen, ihnen fehlen die Worte. „Das ist alles so traurig“, sagt ein Mann und geht wieder fort, mehr bringt er nicht heraus.
Anteilnahme und Entsetzen
Die Tat löste in Gesellschaft und Politik Entsetzen und breite Anteilnahme aus:
Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesiche Oberlausitz, Christian Stäblein sagte, queeres Leben und Lieben wohne „im Herzen dieser Stadt“. Dies ließen sich die Menschen in Berlin nicht nehmen. „Das Herz dieser Stadt ist Freiheit, ist Vielfalt, ist Achtung“, sagte er. Was immer der Täter habe erreichen wollen, „er wird es nicht erreichen“. Gewalt im Namen der Religion auszuüben, sei Gotteslästerung, betonte der Bischof.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte im nordrhein-westfälischen Hamm: „Diese Tat ist ein Angriff auf unsere offene Gesellschaft, auf unsere Art zu leben und zusammenzuleben.“
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) sprach von einem Anschlag auf „die Art und Weise unseres Zusammenlebens“. „Damit muss Schluss sein“, betonte er. An der Andacht in der Marienkirche nahmen neben Merz und Hubig weitere Mitglieder der Bundesregierung teil, darunter Bildungsministerin Karin Prien (CDU).
Großer Schmerz
Neben den Kondolenzseiten steht Alva Träbert vom LSVD-Bundesvorstand, einem Dachverband der queeren Community. Sie sei nicht in der Nähe gewesen, als der Anschlag geschah, sagt sie. Die Nachricht davon habe sich jedoch wie ein Lauffeuer verbreitet. „Der Schmerz darüber ist groß“, sagt sie. Auch weil der Anschlag nicht wirklich überraschend gekommen sei. Seit Jahren weise der Verband auf wachsende Hassgewalt gegen die queere Community hin.
„Unsere Forderungen werden nicht ernst genommen“, sagt Alva Träbert: „Wir sehen, dass das einen Preis hat.“ Der Verband werde nicht nachlassen, einen besseren Schutz für die queere Community zu fordern. Demokratie und Vielfalt müssten gestärkt werden, betont sie und sagt: „Die Community steht fest zusammen, heute und in Zukunft.“
Hintergrund
Die Gewalttat beim CSD in Berlin wurde mit einem Auto und Stichwerkzeugen verübt. Sie wird von Polizei und Generalstaatsanwaltschaft als islamistischer Anschlag eingestuft. Tatverdächtig ist ein 21 Jahre alter Mann, der bereits polizeibekannt ist. Er wurde bei einem Polizeieinsatz am Sonntag in einer Kleingartenanlage in Spandau tödlich verletzt.
Die auf dieser Seite von Wikimedia verwendeten Fotos „Blick auf das Brandenburger Tor nach dem Terroranschlag auf den CSD am 25. Juli 2026“ (Orator) und „Niedergelegte Blumen einen Tag nach dem Anschlag auf den Berliner CSD 2026“ (Wildtierreservat) wurden im Zuschnitt verändert. Die Fotos stehen unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international“.
