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Spielen und Vorlesen am Krankenbett: Nicole Hölzel ist eine der Ehrenamtlichen beim Sandmännchen-Projekt im Klinikum Kassel

Spielen und Vorlesen am Krankenbett: Nicole Hölzel ist eine der Ehrenamtlichen beim Sandmännchen-Projekt im Klinikum Kassel

Kassel / Anne-Kathrin Stöber, blick in die kirche
Veröffentlicht 25 Sep 2026

Eigentlich erstaunlich, wie oft bei diesem Treffen die Worte „Lächeln“ und „Dankbarkeit“ fallen. Denn es geht um ein ernstes Thema: Kinder und Krebs. Aber beim Traumsterne-Projekt des Vereins für krebskranke Kinder Kassel steht nicht die Krankheit im Vordergrund, sondern der Wunsch, erkrankten Kindern auf der Station im Klinikum einige schöne Minuten, einen entspannten Abend, ein wohliges Ins-Bett-geh-Gefühl zu verschaffen. 

„Wir freuen uns, wenn wir den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern,“ sagt Enrica Liese (24), Studentin der Sozialen Arbeit und eine der Ehrenamtlichen, die beim Projekt als „Sandmännchen“ mithelfen. Sandmännchen sind die Freiwilligen, wie auch Carolin Kreutzer (28), Grundschullehrerin, und Mona Zeuner (44), ansonsten im telefonischen Kundenservice tätig. Um 19 Uhr tauchen sie auf der Kinderkrebsstation auf, besuchen die Kinder, die dort Wochen oder Monate zubringen müssen – und lesen ihnen vor. 

Oder sie bieten an: „Wollen wir noch etwas spielen?“ Zuverlässig jeden Abend um dieselbe Zeit ist eine der Helferinnen oder Helfer vor Ort, spricht sich mit dem Pflegedienst ab, wie es den Kindern geht, wer Besuch bekommen kann und dann geht es nicht um Leiden und Schmerzen, sondern nur um einen positiven Tagesabschluss. Traumsterne in Form von kleinen Leuchtaufklebern werden jeden Abend verteilt, die leuchten dann im Dunkeln vom Schrank oder von der Wand. 

Claudia Röllke, Vorsitzende des Vereins und Mutter eines 2007 an Krebs erkrankten Sohnes, berichtet vom Beginn der Arbeit 2008. Die Idee: Den Kindern – und auch den Eltern, die oft ununterbrochen am Bett der Kinder verweilen – eine Atempause verschaffen. Ein Stück normales Leben. Zunächst, erinnert sich Röllke, habe man seitens der Station skeptisch reagiert. Verschiedene Leute, jeden Abend – bringt das nicht zu viel Unruhe? Das Gegenteil war der Fall. Inzwischen ist es eine Tradition, auf die sich die Kinder freuen. Unbelastete Minuten mit einem lieben Menschen, der freiwillig und voller Zuwendung ans Bett kommt und Zeit mitbringt.

Die Ehrenamtlichen werden nach schriftlicher Bewerbung mit Lebenslauf ausgewählt. Dann begleiten neue Sandmännchen die erfahrenen Kollegen an fünf Abenden auf dem Gute-Nacht-Gang, lernen die Situation auf der Station, die Pflegerinnen, auch manche Eltern kennen und können herausfinden, ob sie der Sache gewachsen sind. 

«Man wird dankbar für das eigene Leben.»
Carolin Kreutzer

Schwer kranke Kinder zu erleben – das ist etwas, das einen oft nicht loslässt. Aber, so berichtet es Mona Zeuner, man lerne auch, die Schicksale nicht zu sehr an sich heranzulassen. Erkenntnis: „Wir können das Schicksal nicht beeinflussen. Es nimmt seinen Gang.“ Aber einen schönen Abend, eine sanfte Stimmung – das können sie immer wieder hinkriegen. Carolin Kreutzer, die wie die anderen einen Abend pro Woche für die Kinder aufbringt, betont, wie viel Dankbarkeit sie empfinde – sie war selbst einmal an Krebs erkrankt. Und sie schätzt, wie viel Freude sie durch die Kinder erfahre, wie sehr der Kontakt auch im Verein zu ihrem Lebensgefühl beitrage. „Man wird dankbar für das eigene Leben“, sagt sie. Und stellt fest: „Nichts ist normal, jeder kann erkranken.“ 

Auch Claudia Röllke betont, dass das Kennenlernen der Familien und deren Dankbarkeit das eigene Wohlbefinden steigere: „Es kommt so viel zurück!“

Die Sandmännchen erhalten Supervision, bei Bedarf auch psychologische Betreuung. Im Verein fühlen sie sich aufgehoben. Und da der Anspruch besteht, tatsächlich jedem Kind auf Station jeden Abend eine Geschichte vorzulesen, gibt es immer wieder Bedarf an neuen Helfern bei den Traumsternen.

Der Verein für krebskranke Kinder Kassel e.V.
Internetseite des Vereins für krebskranke Kinder Kassel e.V.

Weitere Informationen zum Verein für krebskranke Kinder Kassel e.V. erfahren Sie auf der Internetseite des Vereins.

Interessenten für das Projekt melden sich gerne bei 
info@krebskranke-kinder-kassel.de

„Erzähl doch mal“ als E-Paper

„Geschichten können viel bewirken“, sagt Schauspieler Thomas Rühmann, bekannt aus der Serie „In aller Freundschaft“. Im Interview mit dem „blick in die kirche-Magazin“ spricht er über eine szenische Lesung, mit der er auch nach Kassel kommt, über seinen Blick auf den Glauben und die junge Generation. Unter dem Titel „Erzähl doch mal!“ dreht sich in der neuen Ausgabe alles um die Kraft des Erzählens. Gemeinsam mit unseren Leserinnen und Lesern besuchen wir eine Buch-Kita, lernen eine Vorleseinitiative für krebskranke Kinder kennen und lassen uns von einer Familie erzählen, wie sie mit zwei schwerstbehinderten Kindern lebt.

Zu Wort kommen außerdem Erzählprofis wie die Märchenerzählerin Gudrun Rathke und Pfarrer Enwood Longwe. Drei Grundschulkinder stellen ihre Lieblingsgeschichten aus der Bibel vor. Das Magazin fragt aber auch, wie sich mit problematischen biblischen Erzählungen umgehen lässt. Bei der Telefonseelsorge und in einem Altenheim zeigt sich, wie gut es tun kann, sich etwas von der Seele zu reden. Und schließlich geht es um Märchen, die sogar einen Gottesdienst prägen können. In der September-Ausgabe gibt es beim Gewinnspiel diesmal einen Hotelaufenthalt im Quellenhof in Bad Wildungen zu gewinnen.

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.