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Willkommen in Waldensberg bei Hanau

Willkommen in Waldensberg bei Hanau

Waldensberg / Olaf Dellit, blick in die kirche
Veröffentlicht 26 Jun 2026

Nein, mit Kosmetik hat der Rougeweg nicht zu tun. Vielmehr erinnert die Straße im 430-Einwohner-Dorf Waldensberg an seine ungewöhnliche Geschichte, ebenso wie die Nachnamen Piston, Talon und Joffroy, die es noch im Ort gibt. Noch bis 1820 war Französisch hier Amts- und Unterrichtssprache. 

Gegründet wurde die Siedlung bei Hanau von Waldensern, Glaubensflüchtlingen aus dem Grenzgebiet zwischen Frankreich und Italien. Noch lange vor Martin Luther forderte der Kaufmann Petrus Waldes die katholische Kirche heraus. Er ließ die Bibel in die Landessprache übersetzen, jeder und jede sollte sie lesen können. 

Waldes soll sein Eigentum verschenkt haben, um als Wanderprediger umherzuziehen. Die Bewegung, die im 12. Jahrhundert entstand, nannte sich die «Armen Christi». Die reiche und mächtige katholische Kirche verstand das als Kampfansage, zumal die Waldenser auch die Marien- und Heiligenverehrung ablehnten. Sie wurden aus der Kirche ausgeschlossen und über Jahrhunderte verfolgt, gefoltert und vertrieben.

1698 schließlich wurden 69 Familien aus dem Chisone-Tal ausgewiesen; sie flohen zu Fuß über die Alpen. Ein niederländischer Gesandter verhandelte mit deutschen Fürsten, sodass an ganz unterschiedlichen Orten Ansiedlungen erlaubt wurden, in Waldensberg, aber beispielsweise auch bei Marburg, in Walldorf bei Frankfurt und in Nordhessen.

Heute kümmern sich Menschen mit viel Engagement darum, die Erinnerung an die Geschichte wachzuhalten, in Waldensberg sind sie im Waldenserverein organisiert. Dessen Vorsitzende Corina Bopp und ihr Mann Gerald halten Vorträge und führen fachkundig durchs Dorf. 

Das Wappen der Waldenser

Das Wappen der Waldenser zeigt eine brennende Kerze (oder Leuchter) auf einem Buch, umgeben von sieben Sternen. Es trägt das lateinische Motto «Lux lucet in tenebris» (Das Licht leuchtet in der Finsternis).

Zuerst geht es zur Kirche, in der das Wappen mit dem Satz «Lux lucet in tenebris» ins Auge fällt: Das Licht leuchtet in der Finsternis. Dieser Satz half den Waldensern durch schwere Zeiten, denn auch der Start war schwierig hier auf der Hochebene, erzählt Corina Bopp. Immer windig und ein paar Grad kälter als in der Umgebung sei es in Waldensberg. 

Von den Neuankömmlingen hielten es etliche nicht lange aus und siedelten nach Süddeutschland um. Die, die blieben, arbeiteten hart: auf dem Feld, in der Wollkämmerei und der Strumpfwirkerei. Die Wasserversorgung war nur eins von vielen Problemen, die zu bewältigen waren. Es dauerte einige Zeit, bis aus den provisorischen Baracken richtige Häuser wurden. 

In den Nachbardörfern wurden die «Welschen», wie sie genannt wurden, oft misstrauisch beäugt, nicht zuletzt, weil sie Land geschenkt bekommen hatten. Doch sie fügten sich immer mehr ein. Anfang des 19. Jahrhunderts hatte Waldensberg erstmals einen deutschen Pfarrer, das Französische wurde langsam abgelöst. Heute gehört die Gemeinde zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. 

Eine Katastrophe erlebte Waldensberg kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs. Abrückende SS-Truppen hatten sich im Dorf verschanzt und lieferten sich erbitterte Gefechte mit US-Truppen. Zwei Drittel des Dorfes wurden zerstört. Ein Gedenkstein vor der Kirche erinnert an diesen 2. April 1945, als auch acht Zivilisten getötet wurden. 

Bei einem Rundgang mit Corina und Gerald Bopp kann man viel über die Geschichte des kleinen Dorfes lernen. Sie zeigen den ältesten in Deutschland erhaltenen Waldenser-Grabstein aus dem Jahr 1744, das kleine Museum im August-Grefe-Haus, benannt nach dem Pfarrer, der sich damals für den Bau des Jugendhauses engagiert hatte.

Heute pflegt Waldensberg eine Partnerschaft mit dem Waldenserort Bobbio Pellice in Italien. Ein bisschen Stolz ist dem Ehepaar Bopp anzumerken, wenn es über das Dorf und seine Geschichte erzählt. Dabei stammt Gerald Bopp aus einem Nachbardorf. Er sagt: «Die Waldensberger sind ein anderes Volk» und meint das ganz positiv. Sie seien besonders offen. Es ist wohl das Erbe von Menschen, die in schweren Zeiten in der Fremde auf Hilfe angewiesen waren.

Titelbild der Ausgabe des blick in die kirche-Magazin „Ins Freie“
„Ins Freie“ als E-Paper

Passend zum Ferienbeginn führt das „blick in die kirche Magazin“ seine Leserinnen und Leser „Ins Freie“. Das ist einerseits ganz wörtlich gemeint: So hat die Redaktion ein Interview mit Bischöfin Dr. Beate Hofmann im und über den Wald geführt und einen 14-Jährigen besucht, der Segelfliegen lernt. „blick in die kirche“ war auf Hessens größtem Campingplatz am Hanauer Bärensee zu Besuch, wo auch ein Team von „Kirche unterwegs“ aktiv ist. Eine Frau erzählt, wie sie auf die Idee kam, rückwärts zu pilgern, und Teilnehmende, warum sie im höheren Alter einen Pedelec-Fahrkurs besuchen.

Andererseits geht es auch um Freiheit. Eine Christin, die aus dem Iran stammt, erzählt von ihrer Flucht und ihr Ehrenamt in der evangelischen Kirche. Die Geschichte der Waldenser zeigt, dass auch vor Jahrhunderten schon Menschen wegen ihres Glauben ihr Heimatland verlassen musste – die Spuren der Waldenser sind bis heute zu finden.

Außerdem gibt es ganz konkrete Tipps zu besonderen Kirchen und Anlässen für die Freizeit und den Urlaub. Passend dazu berichtet eine Urlaubsseelsorgerin von ihrer Arbeit auf der Nordseeinsel Langeoog. 
Wie immer gibt es ein Preisrätsel: Diesmal ist ein Hotelaufenthalt mit Abendessen in Hanau zu gewinnen. 

Das „blick in die kirche-Magazin“ ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt über 211.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.