Weihnachten gilt als Fest der Familie, doch manche können nicht gemeinsam feiern. Dazu gehören Strafgefangene. Einer davon hat für uns darüber aus einer Justizvollzugsanstalt in Hessen geschrieben. Wir veröffentlichen seinen Text anonymisiert:
Weihnachten ist die Zeit der Liebe. Wir genießen in Freiheit die Weihnachtsmärkte und die lieblichen Gerüche der Glühwein- und Bratwurststände. Ich als Gefangener bekomme die Weihnachtszeit nur über Briefkontakt zu meinen Liebsten mit oder am Telefongerät.
Über den Fernseher und das Wetter bekomme ich wenigstens in geringem Maße Weihnachtsgefühle. Als Strafgefangener vermisse ich besonders zur Weihnachtszeit ausgiebigen Kontakt zu meinen Angehörigen.
Dadurch bleibt mir hauptsächlich der Kontakt zu den Mitgefangenen, welche dasselbe durchleben und Weihnachten mit gemischten Gefühlen angehen. Es ist sehr bitter, die Weihnachtstage im Haftraum zu verbringen, während die Menschen in Freiheit fröhlich in die Weihnachtssaison starten. Das bedeutet Schmerz und Sehnsucht für die meisten Strafgefangenen und mich.
Aber auch an uns wird am Heiligen Abend gedacht, indem wir eine kleine Tüte mit Keksen und Schokolade bekommen. Ich versuche, mit gemalten Weihnachtsbildern, Fotos von meinen Angehörigen und Weihnachtsfilm sowie TV-Sendungen Weihnachten in meinen Haftraum zu bekommen.
In der Kapelle der Justizvollzugsanstalt habe ich die Möglichkeit, den Gottesdienst mitzufeiern. Dieser ist thematisch immer perfekt ausgestaltet und erfüllt uns mit christlichen und dementsprechend auch weihnachtlichen Gefühlen. Ich kann dort mehrere Kerzen anzünden und für meine liebsten Menschen beten und an sie denken.
Mein Weihnachten ohne die vertrautesten Menschen, die ich habe, wird sehr einsam und eine nachdenkliche Zeit werden. Ich werde viele Briefe schreiben und mich Büchern und Weihnachtsgeschichten zuwenden.
Und ich spare mir meine Telefonzeit auf, um diese an diesen Tagen zu nutzen. So verbringen wir Gefangene Weihnachten physisch alle gleich; aber mental verbringt jeder einzelne Weihnachten individuell. Das bedeutet: Wir alle miteinander, aber auch jeder für sich selbst.
Frohe Weihnachten!
So wird in der JVA gefeiert
Kerzen, Weihnachtskugeln und Weihnachtsmänner aus Schokolade sind in den Zellen verboten, weil sie als Waffen- oder Drogenverstecke genutzt werden könnten, erläutert Frank Illgen, Gefängnisseelsorger in der JVA Kassel I. Am Heiligabend dürfen immerhin kleine Opferlichter in den Zellen leuchten, die von der Gefängnisseelsorge ausgegeben werden. Auch Weihnachtspäckchen seien im hessischen Strafvollzug nicht erlaubt, so Illgen: «Die Zusendung von Waren an Gefangene ist seit der Justizreform 2010 aus Sicherheitsgründen nicht möglich.» In Kurhessen-Waldeck sind fünf Pfarrer auf evangelischer Seite in der Gefängnisseelsorge aktiv (3,75 Stellen).

«Liebe ist alles!» als E-Paper
Die Weihnachtsausgabe des «blick in die kirche»-Magazins steht ganz im Zeichen der Liebe. Sänger und Schauspieler Vladimir Kornéev («Hundertdreizehn», «Polizeiruf 110») berichtet im Interview, wie Musik ihm half, das Stottern zu überwinden, was Liebe für ihn bedeutet und wie er den Verlust einer großen Liebe bewältigte. Das Heft stellt junge und alte, hetero- und homosexuelle Paare vor, erzählt von der Liebe zum Handwerk und blickt nach Indien. Es geht um die Rettung von 1.000 Jesidinnen und Jesiden aus dem Irak.
Und natürlich dreht sich das Heft um Weihnachten: Wie ist das in einem Gefängnis? Wie, wenn man alleine feiern will oder muss? Warum ist es trotz allem Streit schön, wenn die Familie sich an Weihnachten trifft? Und was steht noch einmal genau in der Bibel? Wie immer gibt es auch einen Hotelaufenthalt zu gewinnen – diesmal in Hanau inklusive Karten für die Brüder Grimm Festspiele.
Das «blick in die kirche-Magazin» ist die Publikumszeitschrift der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und liegt viermal im Jahr den Tageszeitungen auf dem Gebiet der Landeskirche kostenfrei bei. Die Druckauflage beträgt knapp 225.000 Exemplare, hinzu kommen E-Paper und Webseite.
