Vier Jahre Krieg bedeuteten „vier Jahre Geschichten von Menschen, die Angst haben, die nachts aus dem Schlaf gerissen werden oder sogar aus dem Leben“, sagte Bischöfin Dr. Beate Hofmann gegenüber dem Medienhaus der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Es seien „vier Jahre Bilder von Menschen, die weinen, die frieren, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen“ – verbunden mit „Gefühlen von Ohnmacht und Verzweiflung“. Die drängende Frage laute: „Was können wir denn tun?“
Eine Antwort darauf sieht die Bischöfin im Engagement der St.-Josephskirche auf dem Rothenberg. Der Raum, in dem sich Kisten mit Kleidung, Decken und Lebensmitteln stapeln und zugleich gebetet werde, erzähle davon, „was Christinnen und Christen und Menschen aus der ganzen Welt tun können“. Dort werde praktische Solidarität geübt und füreinander gebetet. Für die Bischöfin zeigt das: „Wir stehen zu euch. Wir vergessen euch nicht und wir packen mit an, damit es bei euch Frieden wird und ihr eure Hoffnung nicht verliert“, so Hofmann.
Kirche als Ort von Arbeit und Gebet
Besonders beeindruckt habe sie, dass an diesem Ort das zusammenkomme, was für sie Kirche bedeute: „Arbeiten und Beten“. Es engagieren sich Menschen, „die tatkräftige Hilfe für Menschen in Not in der ganzen Welt leisten“, und zugleich sei es ein Ort des Gebetes und des gemeinsamen Gottesdienstes. „Und das so in eins zu sehen, das hat mich sehr beeindruckt“, so die Bischöfin.
Zusammenhalt über Religionen und Weltanschauungen hinweg
Pfarrer Stefan Krönung beschreibt St. Josef als einen Ort, an dem humanitäre Hilfe seit vielen Jahren geleistet werde. Aus seiner Gemeinde seien Transporte unter anderem nach Rumänien, Bosnien, in die Ukraine und zuletzt auch nach Kurdistan gegangen, berichtet der Pfarrer. Das Besondere sei das Miteinander: „Menschen aus allen Kulturen, Völkern und Nationen machen hier mit und das ist das Wunder schlechthin“, so Krönung.
In der Gemeinde wurden unterschiedlichste Menschen zusammenhalten: Christen, Katholiken, Muslime, ebenso Jesidinnen und Jesiden sowie Menschen, „die von Gott nichts halten“, so der Pfarrer. Sie alle engagierten sich gemeinsam – „für ihre Angehörigen, für ihre Nationen, für ihre Freunde, für ihre Bekannten“ – und erfahren zugleich, dass die Hilfe anderen auch ihnen selber gut tue.
Pfarrer Krönung zeigte sich zuversichtlich, „dass wir, wenn wir beten um den Frieden und die Wohlfahrt der Völker, erhört werden“. Sein Appell: „Bitte nicht aufhören. Friede für die Welt.“

Friedensgebet für die Ukraine
Fürbitte aus dem Friedensgebet „Nicht vergessen. Beten. Helfen.“ über Jesaja 55, 7–12a zum 4. Jahrestag des Krieges in der Ukraine von Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks
Gott des Lebens,
wir kommen vor dich mit unserer Angst,
mit unserer Trauer und mit unserer Hoffnung.
Der Krieg in der Ukraine bringt unermessliches Leid.
Drohnen am Himmel, Explosionen, Zerstörung und Tod
sind für viele Menschen Alltag geworden.
Alte Menschen, Familien, Kinder –
sie bleiben, obwohl das Leben schwer geworden ist.
Wir bitten dich für alle,
die ihre Heimat nicht verlassen wollen oder können.
Schenke ihnen Schutz, Kraft und Zuversicht
inmitten von Angst und Unsicherheit.
Wir bitten dich für die kleinen Gemeinden,
die wie ein Anker in stürmischer Zeit sind.
Für Pfarrerinnen und Pfarrer,
für Ehrenamtliche und Helfende,
die unter Kriegsbedingungen Lebensmittel verteilen,
Kranke versorgen, Kinder begleiten
und die Menschen zu Hause besuchen.
Segne ihre Hände und ihre Herzen.
Lass sie spüren, dass sie nicht allein sind.
Wir bitten dich für die „Kirche der Hoffnung“
und für alle Orte, die zerstört wurden.
Lass aus Ruinen Zeichen des Lebens wachsen,
Räume der Begegnung, des Trostes
und der Hoffnung für die Zukunft.
Wir bitten dich für die Kirchen in der Ukraine:
dass sie Werkzeuge des Friedens bleiben,
dass sie nicht trennen, sondern verbinden,
nicht hetzen, sondern heilen.
Gott, wir bitten dich um Frieden –
einen gerechten Frieden,
der Waffen zum Schweigen bringt
und Herzen verwandelt.
Stärke alle, die sich dem Hass verweigern.
Bewahre die Hoffnung der Menschen,
auch dort, wo der Krieg alles zu verschlingen droht.
Dir vertrauen wir die Ukraine an,
ihre Menschen, ihre Kirchen
und ihre Zukunft.
