Ausgangspunkt ihrer Predigt war die Frage: „Was hält unser Land zusammen?“ Die Antwort des Apostels Paulus sei scheinbar einfach, fordere die Menschen aber durchaus: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.“ Hofmann widersprach einem missverständlichen, passiven Verständnis von Liebe. Diese dulde nicht einfach alles, sondern sei eine aktive Kraft, die laut der Theologin Luise Schottroff „mit Ausdauer und Widerstandskraft“ hoffe.
Predigt „Liebe als Haltung“ als PDF

Predigt von Bischöfin Dr. Beate Hormann beim Jahresempfang der evangelischen Kirchen in Thüringen 19. Mai 2026 in Erfurt, Predigttext: 1. Kor 13
Die Bischöfin verband diese biblische Perspektive mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen. Liebe, christlich verstanden, sei „kein romantisches Gefühl, sondern eine Haltung radikaler Menschlichkeit“, geprägt von Empathie, Solidarität und Fürsorge. Gerade in Krisenzeiten zeige sich, dass Zusammenhalt und gegenseitige Unterstützung möglich sind. Dabei blickte die Bischöfin besonders auf die Menschen in Kriegsgebieten wie der Ukraine oder im Libanon. Diese Liebeshaltung sei nicht nur für das persönliche Leben entscheidend, sondern auch für das politische Miteinander: Ohne eine solche Form der Liebe gebe es keine demokratische Zusammenarbeit, keinen Kompromiss und keine Hoffnung.
Gegen Hass und Spaltung
Zugleich betonte Hofmann die Konsequenzen eines solchen Verständnisses: Liebe bedeute nicht, jede Meinung zu teilen oder Grenzen aufzugeben, wohl aber, jedem Menschen seine Würde zuzugestehen. Sie widerspreche Hass, Abwertung und Spaltung. „Wo Liebe so verstanden und gelebt wird, werden Menschen nicht in sozialen Medien öffentlich gedemütigt und beschimpft. Wo Liebe so verstanden wird, muss sich nicht eine ganze Welt vor den Launen der Potentaten fürchten. Liebe so verstanden ist eine Anti-Trump-Agenda“, so Bischöfin Hofmann.
Austausch und Verständigung
Nach der Andacht kamen die rund 250 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft im „Haus der Versöhnung“ des Augustinerklosters zusammen. An Stehtischen wurde die Idee der sogenannten #VerständigungsOrte erprobt. Die Leitfrage gab Landesbischof Friedrich Kramer von der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) vor: „Was hilft gegen das Misstrauen?“
Kramer warb dafür, Vertrauen bewusst zu stärken. Deutschland und die Welt erlebten derzeit eine Welle des Misstrauens, sagte er. Viele Zusammenhänge seien so komplex geworden, dass sie Verunsicherung hervorriefen. Als Beispiele nannte er Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz sowie globale Krisen. Diesem Gefühl müsse Vertrauen entgegengesetzt werden. „Denn ohne Vertrauen können Menschen nicht leben“, sagte der Landesbischof.
Kirchen als Orte des Mutes
Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hob in seinem Grußwort die besondere Rolle der Kirchen hervor. Sie seien Räume, „in denen Mut wachsen kann, in denen Menschen zusammenkommen“. Ihre Unabhängigkeit sei ein hoher Wert, der geschützt werden müsse. Zugleich erinnerte Voigt an die friedliche Revolution von 1989: Schon damals seien Kirchen keine Zuschauer gewesen, sondern Orte, an denen Menschen Mut fassten. Auch heute könnten sie Antworten auf Fragen geben, die die Politik allein nicht beantworten könne. Das betreffe etwa die diakonische Arbeit oder die Frage nach dem Sinn des Lebens.
Evangelische Kirche in Mitteldeutschland
Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland entstand 2009 aus dem Zusammenschluss zweier Landeskirchen. Ende 2025 gehörten ihr nach eigenen Angaben rund 552.000 Mitglieder in mehr als 3.100 Kirchengemeinden und 30 Kirchenkreisen an. In Thüringen sind derzeit etwa 25 Prozent der Bevölkerung Mitglied einer der beiden großen christlichen Kirchen. Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck ist durch den Evangelischen Kirchenkreis Schmalkalden mit Thüringen verbunden.
Schmalkalden – Kurhessische Exklave in Thüringen

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW) ist mit Thüringen durch den Evangelischen Kirchenkreis Schmalkalden verbunden. Die Thüringer Exklave der hessischen Landgrafen wurde bereits 1525 evangelisch. Bis 1944/45 gehörte Schmalkalden zum Regierungsbezirk Kassel. Trotz enger Verbindung zur EKKW auch während der deutschen Teilung wurde der Kirchenkreis Schmalkalden Anfang der 1970er Jahre an die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen angegliedert – Verfassung und gottesdienstliche Ordnung blieben jedoch kurhessisch. Nach der Wiedervereinigung kehrte der Kirchenkreis 1991 zurück in die EKKW. Er ist einer von insgesamt 14 Kirchenkreisen und gehört zum Sprengel Hanau-Hersfeld.
Nachweis des Fotos der Bischöfin: EKM; Hinweis zur Fotoverwendung: Das auf dieser Seite von Wikimedia verwendete Foto Augustinerkloster Erfurt des Nutzers Thaler Tamas steht unter der Creative Commons Lizenz CC BY-SA 4.0






