Hofmann erklärte, mit „antisemitischen Parolen“ habe begonnen, „was an Orte wie diese führte“, und nahm damit Bezug auf den Aufnahmeort „Die Rampe“ in Kassel, an dem ihre Videobotschaft aufgezeichnet wurde. Jüdinnen und Juden seien „gewaltsam aus ihrem Leben gerissen“, in Konzentrations- und Vernichtungslager deportiert und dort ermordet worden. Der Holocaust-Gedenktag mahne deshalb, „dem Antisemitismus mutig entgegenzutreten“.
Mit Blick auf Erinnerungsorte wie Mahnmale und Stolpersteine betonte die Bischöfin deren Bedeutung für die Gegenwart. Sie forderten dazu auf, erklärte Hofmann: „NIE WIEDER IST JETZT“.
Es brauche heute den Mut, „dem Hass gegen Jüdinnen und Juden die Stirn zu bieten“ und solidarisch an ihrer Seite zu stehen – „in der Schule, in der Nachbarschaft, auf der Straße, in den sozialen Medien“. Abschließend dankte Hofmann allen, „wenn auch Sie Haltung zeigen“.
Mahnmal „Die Rampe“
Das Mahnmal „Die Rampe“ der Künstlerin E. R. Nele erinnert an die Deportation und Vernichtung der europäischen Juden im Nationalsozialismus. Es wurde am 8. Mai 1985 auf dem Gelände der heutigen Universität Kassel eingeweiht, wo sich zuvor das Henschel-Werksareal mit bis zu 6.000 Zwangsarbeitern befunden hatte. Die Installation besteht aus einem Güterwaggon, aus dessen Ladetür körperlose Figuren über eine Rampe drängen und am Boden zerfallen – eine eindringliche Darstellung der Abläufe auf den „Rampen“ der NS-Vernichtungslager, auf denen Deportierte bei ihrer Ankunft selektiert wurden.
Ausgewählte Veranstaltungen in den Regionen
Zum Holocaust-Gedenktag lädt der Freundeskreis jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis am 27. Januar um 19 Uhr zu einer Lesung in die Synagoge Abterode ein. Vorgestellt werden die Erinnerungen des polnischen Juden Jerzy Pfeffer, dem 1943 die Flucht aus dem KZ Majdanek gelang und der 1945 im DP-Camp Eschwege lebte. Musik von Lutz Fußangel; Abschlussgebet durch Rabbi Prof. Joseph Edelheit. Teilnahme auch per Zoom möglich.
Die Synagoge Felsberg lädt am 27. Januar um 19 Uhr zu einer szenischen Lesung über das Leben der Holocaust-Überlebenden Blanka Pudler ein. Dr. Dieter Vaupel und Alida Scheible erzählen, wie die 15‑Jährige Auschwitz und Zwangsarbeit überstand. Die Veranstaltung in der Synagoge Felsberg, Ritterstraße 3, wird vom Verein zur Rettung der Synagoge organisiert. Der Eintritt ist frei.
Am 25. Januar 2026 fand in der Kasseler Karlskirche das Gedenkkonzert „Remember Me“ statt. Die Sopranistin Marcia Lemke-Kern, begleitet von Milena Hoge (Harfe) und Kerstin Petersen (Orgel), präsentierte Werke, die an verfolgte jüdische Künstler erinnern – darunter Carlo Sigmund Taubes Wiegenlied „Ein jüdisches Kind“ und Lieder von James Simon. Ergänzt wurde das Programm durch israelische und zeitgenössische Musik sowie ein Harfensolo von Ami Maayani. Das Konzert wurde von mehreren jüdischen, kirchlichen und zivilgesellschaftlichen Einrichtungen der Region getragen.
#everynamecounts: Digitaler Beitrag zum Gedenken
Die Arolsen Archives rufen zum Holocaust-Gedenktag zur Beteiligung an der Initiative „#everynamecounts“ auf. Freiwillige sind eingeladen, historische Dokumente von NS-Opfern digital zu erfassen und so deren Namen und Schicksale dauerhaft zu bewahren. In diesem Jahr sollen rund 58.000 Karteikarten des belgischen Staatsarchivs erschlossen werden. Sie betreffen Menschen, die über das Sammellager Mechelen oder Lager in Frankreich nach Auschwitz deportiert wurden. Ab dem 26. Januar um 8 Uhr stehen die Unterlagen online bereit. Die Erfassung erfolgt über ein leicht nutzbares Tool; Teilnehmende können alleine oder in Gruppen arbeiten. Die Arolsen Archives sind das weltweit größte Archiv zu Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus und gehören zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Holocaust und Schoah
Für die Ermordung der rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden durch NS-Deutschland werden zwei Begriffe oft synonym verwendet: Holocaust und Schoah. Nach Angaben der weltweit größten Gedenkstätte dieses Völkermords, Yad Vashem in Israel, setzte sich der Begriff „Holocaust“ in Deutschland ab 1979 durch. In der ARD wurde damals die vierteilige Fernsehserie „Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiss“ (USA 1978) ausgestrahlt.
Der Begriff entstammt dem griechischen Wort „holocauston“ und bedeutet „Brandopfer“, wörtlich übersetzt „ganz verbrannt“. Yad Vashem weist darauf hin, dass das Symbol des Brand- oder Sühneopfers insofern zwiespältig ist, als der Massenmord keine religiöse oder kultische Handlung war. Wegen des ursprünglich christlichen Hintergrundes verwenden Juden oft den Begriff „Schoah“.
„Schoah“ kommt demnach aus dem Hebräischen und bedeutet „Katastrophe“. Generell werden mit beiden Begriffen meist die Vernichtung der Jüdinnen und Juden in Europa unter den Nationalsozialisten bezeichnet. Manchmal werden bei der Verwendung des Begriffs „Holocaust“ auch Ermordete anderer Gruppen, etwa Sinti und Roma, mitgemeint.
Zahl der Holocaust-Überlebenden sinkt weiter
Weltweit leben nach Angaben der Jewish Claims Conference noch rund 196.600 Holocaust-Überlebende – deutlich weniger als die etwa 220.000 im Vorjahr. Etwa die Hälfte von ihnen lebt in Israel, weitere größere Gruppen in Nordamerika und Westeuropa. In Deutschland werden rund 10.700 Überlebende gezählt. Die meisten sind heute im Schnitt 87 Jahre alt und gehören zur Generation der Kinderüberlebenden, die 1928 oder später geboren wurden. Rund ein Drittel erhält laut Claims Conference monatliche Entschädigungsrenten, mehr als zwei Drittel soziale Unterstützungsleistungen. Die Organisation veröffentlicht die Zahlen anlässlich des Holocaust-Gedenktags am 27. Januar.
Die 1951 gegründete Claims Conference (Conference on Jewish Material Claims Against Germany, Konferenz über jüdische materielle Ansprüche gegen Deutschland) ist eine Organisation mit Büros in New York, Israel und Deutschland. Sie möchte Holocaust-Überlebende in aller Welt entschädigen.




